VIII · Weitere Stoffe
Ceramide
auch: Phytoceramide · Glucosylceramide · Weizenceramide · Konjak-Ceramide
Der Hautstoff, den die Kosmetik von außen aufträgt — und die Frage, was beim Schlucken davon ankommt.
Studienlage
Was über Ceramide gesagt werden darf
Für diesen Stoff ist keine gesundheitsbezogene Angabe in der Unionsliste eingetragen. Es darf nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung geworben werden.
Für Ceramide gibt es keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Werbung mit Hautfeuchtigkeit, Faltentiefe oder Hautbarriere ist bei Nahrungsergänzungsmitteln nicht zulässig. In der Kosmetik gilt eine andere Rechtslage — dort sind Wirkaussagen zur Hautpflege möglich, weil die Kosmetikverordnung greift.
Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert
Was Ceramide in der Haut tun
Die oberste Hautschicht ist wie eine Ziegelmauer gebaut: Hornzellen als Ziegel, dazwischen ein Mörtel aus Fetten. Ceramide stellen rund die Hälfte dieses Mörtels.
Fehlen sie, wird die Mauer durchlässig — Wasser verdunstet nach außen, Reizstoffe dringen nach innen. Bei Neurodermitis ist genau das messbar: Die Ceramidzusammensetzung der Haut ist verändert, und die Barriere hält nicht dicht.
Dass Ceramide für gesunde Haut wichtig sind, steht damit außer Frage. Die offene Frage ist eine andere.
Der Umweg über den Darm
Geschluckte Ceramide werden im Darm zerlegt — in Sphingoide und Fettsäuren — und gelangen nicht als Ganzes in die Haut. Der naheliegende Gedanke, man führe der Haut ihren Baustoff zu, trifft so nicht zu.
Die diskutierte Erklärung ist indirekt: Die Bruchstücke sollen in der Haut als Signal wirken und dort die Eigenproduktion anregen. Belegt ist dieser Mechanismus nicht.
Es ist dieselbe Denkfigur wie beim Kollagen — und dieselbe Schwachstelle.
Was die Studien zeigen
Es gibt eine Reihe kleiner Untersuchungen, überwiegend aus Japan und Frankreich, mit sechs bis zwölf Wochen Dauer und Messungen der Hautfeuchtigkeit und des Wasserverlusts.
Mehrere fanden Verbesserungen gegenüber Scheinpräparat. Die Studien sind meist von Herstellern finanziert, klein und mit apparativen Messwerten als Endpunkt, deren Bedeutung für das Aussehen der Haut begrenzt ist.
Insgesamt: möglich, nicht gesichert — und weit von einer zugelassenen Angabe entfernt.
Was besser belegt ist
Von außen aufgetragen sind Ceramide keine Modeerscheinung, sondern Bestandteil der Basistherapie bei Neurodermitis. Ceramidhaltige Pflegeprodukte verbessern die Barrierefunktion messbar und sparen in Studien Cortisonsalbe ein.
Wer trockene oder gereizte Haut hat, findet also einen belegten Weg — er führt über die Tube, nicht über die Kapsel. Und er ist erheblich billiger.
Der rechtliche Zwiespalt
Eine Creme darf mit Hautfeuchtigkeit werben, weil für sie die Kosmetikverordnung gilt. Dieselbe Aussage auf einer Kapsel ist unzulässig, weil dort die Health-Claims-Verordnung greift und für Ceramide nichts gelistet ist.
Deshalb arbeiten Beauty-Kapseln mit Formulierungen, die um die Haut herumreden — oder sie stützen sich auf Biotin und Zink im Produkt, für die es zugelassene Hautangaben gibt. Wer das weiß, liest solche Packungen anders.
Ceramide — welche Form ist die beste?
Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.
| Form | Aufnahme | Anmerkung |
|---|---|---|
| Glucosylceramide aus Konjakwurzel | mittel | Als neuartiges Lebensmittel in der EU zugelassen, glutenfrei. Die in Japan am längsten verwendete Quelle. |
| Weizenceramide (Ceramosides und Ähnliche) | mittel | Aus Weizenkeimöl gewonnen, in mehreren europäischen Studien verwendet. Enthält Gluten. |
| Reisceramide | mittel | Glutenfreie Alternative, in Japan verbreitet. |
| Ceramide in Cremes | hoch | Die belegte Anwendung. Bei Neurodermitis und trockener Haut sind ceramidhaltige Pflegeprodukte fester Bestandteil der Basistherapie. |
Ceramide einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?
Empfohlener Zeitpunkt: Täglich, zu einer fetthaltigen Mahlzeit. Am besten zusammen mit einer Mahlzeit.
In Studien wurde über sechs bis zwölf Wochen eingenommen; kürzere Zeiträume zeigen nichts. Ceramide sind Fette und werden mit Fett besser aufgenommen.
Wer auf Ceramide besonders achten sollte
- Nicht bei Zöliakie, wenn es sich um Weizenceramide handelt
- Bei trockener Haut ist die äußerliche Pflege die besser belegte Maßnahme
- Keine Daten für Schwangerschaft und Stillzeit
Ceramide in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt
Häufige Fragen zu Ceramide
01Wann sollte man Ceramide einnehmen?
Täglich, zu einer fetthaltigen Mahlzeit. In Studien wurde über sechs bis zwölf Wochen eingenommen; kürzere Zeiträume zeigen nichts. Ceramide sind Fette und werden mit Fett besser aufgenommen.
02Wie viel Ceramide am Tag?
In Studien 30–70 mg Glucosylceramide am Tag.
03Wie viel Ceramide ist zu viel?
Nach Novel-Food-Zulassung für Konjak-Ceramide begrenzt auf die zugelassene Verwendungsmenge. Durchführungsverordnung der Europäischen Kommission zu Glucosylceramiden aus Konjakwurzel. Weizenceramide enthalten Gluten und sind bei Zöliakie ungeeignet. Für die Konjak-Variante gilt diese Einschränkung nicht.
04Für wen ist Ceramide nicht geeignet?
Besondere Vorsicht gilt für: Nicht bei Zöliakie, wenn es sich um Weizenceramide handelt; Bei trockener Haut ist die äußerliche Pflege die besser belegte Maßnahme; Keine Daten für Schwangerschaft und Stillzeit. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.
05In welchen Lebensmitteln steckt Ceramide?
Gute Quellen sind Weizenkeime (natürliche Quelle der Glucosylceramide), Reis, Süßkartoffel, Sojabohnen (enthalten Pflanzenceramide in geringen Mengen) und Konjakwurzel (die konzentrierteste bekannte pflanzliche Quelle).
06Welche Form von Ceramide ist am besten?
Gut aufgenommen wird Ceramide in Cremes. Zu Ceramide in Cremes: Die belegte Anwendung. Bei Neurodermitis und trockener Haut sind ceramidhaltige Pflegeprodukte fester Bestandteil der Basistherapie.
07Womit darf für Ceramide geworben werden?
Nichts. Für Ceramide gibt es keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Werbung mit Hautfeuchtigkeit, Faltentiefe oder Hautbarriere ist bei Nahrungsergänzungsmitteln nicht zulässig. In der Kosmetik gilt eine andere Rechtslage — dort sind Wirkaussagen zur Hautpflege möglich, weil die Kosmetikverordnung greift.
Belege
- 01 Durchführungsverordnung zur Zulassung von Glucosylceramiden aus Konjak als neuartiges Lebensmittel · Europäische Kommission
- 02 Oral supplementation with wheat-derived ceramides and skin hydration · International Journal of Cosmetic Science
- 03 Ceramides and the skin barrier in atopic dermatitis · Journal of Investigative Dermatology
Siehe auch
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Wirkstoffbereiche
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Vitamine
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Anorganische Nährstoffe, die der Körper in Mengen über 50 mg am Tag braucht.
Spurenelemente
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Extrakte und Einzelstoffe aus Pflanzen. Für sie ist die Claim-Bewertung bis heute ausgesetzt.
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Weitere Stoffe
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