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VIII · Weitere Stoffe

Chlorophyll

auch: Blattgrün · Chlorophyllin · Natrium-Kupfer-Chlorophyllin · E 140 · E 141

Das grüne Wassergetränk aus dem Netz — mit einem Farbstoff, der Kupfer enthält und kein Chlorophyll mehr ist.

Studienlage

Einzelne Hinweise, überwiegend Labor- oder Tierversuche
Keine Angabe beantragt

Was über Chlorophyll gesagt werden darf

Für diesen Stoff ist keine gesundheitsbezogene Angabe in der Unionsliste eingetragen. Es darf nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung geworben werden.

Für Chlorophyll gibt es keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Werbung mit Entgiftung, Blutbildung, Körpergeruch, Haut oder Sauerstoffversorgung ist unzulässig. E 140 und E 141 sind Farbstoffe — ihre Zulassung sagt über eine Wirkung nichts.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Was in den grünen Tropfen ist

Auf Videoplattformen wurde grünes Wasser zeitweise zum Massenphänomen: ein paar Tropfen Chlorophyll ins Glas, dazu Versprechen zu reiner Haut, Entgiftung und Energie.

Was in diesen Fläschchen steckt, ist in aller Regel kein Chlorophyll, sondern Chlorophyllin — genauer Natrium-Kupfer-Chlorophyllin.

Der Unterschied ist chemisch grundlegend. Im echten Blattgrün sitzt ein Magnesiumatom im Zentrum des Moleküls. Für die Herstellung wird es entfernt und durch Kupfer ersetzt, weil die Kupferverbindung wasserlöslich und stabil ist, während das natürliche Molekül zerfällt.

Das Ergebnis ist ein zugelassener Lebensmittelfarbstoff mit der Nummer E 141 — geschaffen, um Lebensmittel grün zu färben, nicht um sie anzureichern.

Die Erzählung vom flüssigen Sonnenlicht

Ein beliebtes Argument lautet, Chlorophyll ähnele dem roten Blutfarbstoff und unterstütze deshalb die Blutbildung oder die Sauerstoffversorgung.

Die strukturelle Ähnlichkeit besteht tatsächlich — beide Moleküle haben einen Porphyrinring, in dessen Mitte ein Metall sitzt. Beim Blut ist es Eisen, beim Blattgrün Magnesium, beim Handelsprodukt Kupfer.

Daraus folgt jedoch nichts. Der Körper baut Häm aus Glycin und Succinyl-CoA auf, nicht aus aufgenommenen Porphyrinen, und Chlorophyll wird im Verdauungstrakt zerlegt wie jedes andere Molekül.

Die Photosynthese findet in Pflanzen statt, nicht im Dünndarm.

Was tatsächlich untersucht wurde

Es gibt zwei ernstzunehmende Forschungslinien, beide älter als der Trend.

Chlorophyllin wurde in den fünfziger Jahren gegen Körper- und Stuhlgeruch bei Menschen mit künstlichem Darmausgang eingesetzt, mit uneinheitlichen Ergebnissen. In manchen Ländern ist es dafür bis heute in Verkehr.

Und es bindet im Reagenzglas Aflatoxine — Schimmelpilzgifte. In einer chinesischen Studie in einer Region mit hoher Aflatoxinbelastung sanken unter Chlorophyllin bestimmte Marker im Urin. Das ist ein interessanter Befund für Regionen mit belasteten Lebensmitteln und keine Grundlage für die Anwendung hierzulande.

Zu Akne, Entgiftung oder Energie liegt nichts Belastbares vor.

Der Effekt, der sicher eintritt

Chlorophyllin färbt den Stuhl grün. Bei manchen Menschen auch den Urin.

Das ist harmlos und wird gelegentlich für ein Zeichen der Entgiftung gehalten. Es ist schlicht Farbstoff, der den Körper wieder verlässt.

Die Einordnung

Wer Chlorophyll aufnehmen möchte, isst grünes Gemüse. Ein Teller Spinat liefert mehr davon als jede Tropfenflasche — und zusätzlich Folat, Vitamin K, Nitrat, Ballaststoffe und Magnesium, also alles, wofür man grünes Gemüse tatsächlich isst.

Chlorophyll — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Chlorophyll (E 140) niedrig Das echte Blattgrün mit Magnesium im Zentrum. Fettlöslich, licht- und säureempfindlich, im Magen zerfällt es rasch.
Natrium-Kupfer-Chlorophyllin (E 141) mittel Das Magnesium ist gegen Kupfer ausgetauscht, damit die Verbindung wasserlöslich und stabil wird. Fast alle grünen Tropfen enthalten diese Form.
Grünes Blattgemüse niedrig Die natürliche Quelle. Spinat, Grünkohl und Petersilie liefern reichlich Chlorophyll — und dazu alles, wofür man grünes Gemüse tatsächlich isst.

Chlorophyll einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: Nach Bedarf. Am besten zusammen mit einer Mahlzeit.

Chlorophyllin färbt Stuhl und gelegentlich Urin grünlich. Das ist harmlos und der einzige zuverlässig eintretende Effekt.

Chlorophyll Wechselwirkungen

Lichtempfindlichkeit

Vorsicht

Chlorophyll-Abbauprodukte können die Haut lichtempfindlicher machen. Bei hohen Mengen und starker Sonne ist das zu bedenken.

Kupferstoffwechsel

verstärkt

Chlorophyllin trägt Kupfer. Bei Morbus Wilson ist davon abzuraten.

Wer auf Chlorophyll besonders achten sollte

  • Nicht bei Morbus Wilson
  • Bei Lichtempfindlichkeit und phototoxischen Medikamenten zurückhaltend
  • Für alle anderen ohne Nutzen, aber auch ohne bekannte Gefahr in üblichen Mengen

Chlorophyll in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Petersilie, Spinat, Grünkohl 100–300 mg Chlorophyll je 100 g
Weizengras und Algen die klassischen Werbeträger, mit derselben Portionsrechnung wie bei allen Grünpulvern

Häufige Fragen zu Chlorophyll

01Wann sollte man Chlorophyll einnehmen?

Nach Bedarf. Zu oder direkt nach einer Mahlzeit. Chlorophyllin färbt Stuhl und gelegentlich Urin grünlich. Das ist harmlos und der einzige zuverlässig eintretende Effekt.

02Wie viel Chlorophyll am Tag?

In Verkehr gebrachte Tropfen nennen 100–300 mg Chlorophyllin am Tag.

03Wie viel Chlorophyll ist zu viel?

Für E 141 gilt ein ADI von 15 mg je kg Körpergewicht, berechnet als Kupferchlorophyllin. EFSA-Neubewertung der Chlorophylle und Chlorophylline als Lebensmittelfarbstoffe. Chlorophyllin enthält Kupfer. Bei Morbus Wilson, einer Kupferspeicherkrankheit, ist es zu meiden. Zugelassen sind diese Stoffe als Farbstoffe, nicht als Nährstoffe.

04Welche Wechselwirkungen hat Chlorophyll?

Zu beachten sind Lichtempfindlichkeit und Kupferstoffwechsel. Lichtempfindlichkeit: Chlorophyll-Abbauprodukte können die Haut lichtempfindlicher machen. Bei hohen Mengen und starker Sonne ist das zu bedenken. Kupferstoffwechsel: Chlorophyllin trägt Kupfer. Bei Morbus Wilson ist davon abzuraten.

05Für wen ist Chlorophyll nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Nicht bei Morbus Wilson; Bei Lichtempfindlichkeit und phototoxischen Medikamenten zurückhaltend; Für alle anderen ohne Nutzen, aber auch ohne bekannte Gefahr in üblichen Mengen. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06In welchen Lebensmitteln steckt Chlorophyll?

Gute Quellen sind Petersilie, Spinat, Grünkohl (100–300 mg Chlorophyll je 100 g) und Weizengras und Algen (die klassischen Werbeträger, mit derselben Portionsrechnung wie bei allen Grünpulvern).

07Welche Form von Chlorophyll ist am besten?

Schlechter verfügbar sind Chlorophyll (E 140) und Grünes Blattgemüse.

08Womit darf für Chlorophyll geworben werden?

Nichts. Für Chlorophyll gibt es keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Werbung mit Entgiftung, Blutbildung, Körpergeruch, Haut oder Sauerstoffversorgung ist unzulässig. E 140 und E 141 sind Farbstoffe — ihre Zulassung sagt über eine Wirkung nichts.

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Belege

  1. 01 Re-evaluation of chlorophylls (E 140) and copper complexes of chlorophylls (E 141) · Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit
  2. 02 Chlorophyllin — pharmacology and clinical use · Alternative Medicine Review
  3. 03 Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 über Lebensmittelzusatzstoffe · Europäische Union

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