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VIII · Weitere Stoffe

DMAA

auch: 1,3-Dimethylamylamin · Methylhexanamin · Geranienextrakt · DMHA · Oxilofrin

Ein Amphetaminverwandter, der als Geranienextrakt verkauft wurde — mit Todesfällen im Militär und weltweiten Verboten.

Studienlage

Gut untersucht, überwiegend übereinstimmende Ergebnisse
Keine Angabe beantragt

Was über DMAA gesagt werden darf

Für diesen Stoff ist keine gesundheitsbezogene Angabe in der Unionsliste eingetragen. Es darf nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung geworben werden.

DMAA ist kein zulässiger Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln. Produkte, die ihn enthalten, sind nicht verkehrsfähig — unabhängig davon, was beworben wird. Der Stoff steht zudem auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Ein abgemeldetes Medikament kehrt zurück

DMAA wurde in den vierziger Jahren als abschwellendes Nasenmittel entwickelt und 1983 vom Markt genommen.

Ab 2006 tauchte es wieder auf — nicht als Arzneimittel, sondern als Zutat in Sportprodukten, sogenannten Pre-Workout-Boostern. Beworben wurde es mit Fokus, Energie und Trainingsintensität.

Chemisch ist es ein Amphetaminverwandter. Es setzt Noradrenalin frei, verengt die Blutgefäße und hebt den Blutdruck.

Die Geraniengeschichte

Damit ein Stoff als Nahrungsergänzungsmittel gelten kann, muss er aus einem Lebensmittel stammen. Für DMAA wurde eine Herkunft konstruiert: Es sei ein natürlicher Bestandteil der Geranie.

Grundlage war eine einzige chinesische Veröffentlichung von 1996. Mehrere Arbeitsgruppen haben daraufhin Geranienöl und Geranienpflanzen untersucht und DMAA nicht gefunden — oder nur in Spuren, die auf Verunreinigung des Labors hindeuteten.

Das in den Produkten verwendete DMAA war synthetisch. Die Geranie diente allein dazu, eine rechtliche Hürde zu umgehen.

Dieses Muster kehrt wieder: CBD als Aromaöl, Stevia-Blätter als Badezusatz, Jiaogulan als Zierpflanze. Der Unterschied ist, dass es hier um einen Stoff ging, der Menschen getötet hat.

Was geschehen ist

2011 starben zwei Soldaten der US-Armee während der Grundausbildung an Herzstillstand; beide hatten DMAA-haltige Produkte eingenommen. Das Militär nahm die Mittel daraufhin aus allen Verkaufsstellen und leitete eine Untersuchung ein.

Die amerikanische Arzneimittelbehörde verzeichnete Berichte über Bluthochdruckkrisen, Herzinfarkte, Hirnblutungen und Leberversagen. 2013 erklärte sie DMAA für illegal.

Verbote folgten in Kanada, Australien, Neuseeland und Brasilien. In Deutschland ist der Stoff nicht verkehrsfähig; die Lebensmittelüberwachung führt ihn bei Kontrollen von Sportprodukten aus dem Onlinehandel regelmäßig auf.

Die Nachfolger

Nach dem Verbot erschienen chemisch nah verwandte Stoffe in denselben Produkten: DMHA, auch Octodrin genannt, und Oxilofrin.

Auch sie brauchten eine Herkunftsgeschichte und bekamen eine — Walnussextrakt, Aconitum, Bitterorange. Auch sie sind nicht verkehrsfähig, und für Oxilofrin sind ebenfalls schwere Zwischenfälle dokumentiert.

Wer eine Zutatenliste prüft, sollte deshalb nicht nur nach DMAA suchen, sondern nach den Synonymen — die Umbenennung ist Teil des Geschäftsmodells.

Warum dieser Eintrag hier steht

Diese Datenbank verzeichnet mehrere nicht verkehrsfähige Stoffe: Yohimbe, Chlordioxid, Amygdalin, Germanium. Der Eintrag ist dort jeweils die Warnung.

Bei Sportprodukten aus dem Auslandsversand ist das besonders angebracht, weil sie über Kanäle verkauft werden, in denen niemand die Zutatenliste prüft — und weil die Zielgruppe junge, gesunde Menschen unter körperlicher Belastung sind, also genau die Konstellation der dokumentierten Todesfälle.

DMAA — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
DMAA (1,3-Dimethylamylamin) hoch Ursprünglich als abschwellendes Nasenmittel entwickelt und 1983 vom Markt genommen. Ab 2006 als Sportvorbereitungsmittel wiederaufgetaucht.
DMHA (Octodrin) hoch Der Nachfolgestoff nach den DMAA-Verboten, chemisch nah verwandt und ebenfalls nicht verkehrsfähig. Wird als Aconitum- oder Walnussextrakt deklariert.
Oxilofrin (Methylsynephrin) hoch Ein weiterer Ersatzstoff aus derselben Welle. In der EU ein Arzneistoff, nicht als Lebensmittelzutat zugelassen.
Koffein hoch Der legale und gut untersuchte Wirkstoff, den seriöse Sportprodukte verwenden. In dieser Datenbank als eigener Eintrag.

DMAA einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: Keine Empfehlung. Unabhängig von einer Mahlzeit.

Für einen nicht verkehrsfähigen Stoff mit dokumentierten Todesfällen gibt es keine sinnvolle Einnahmeempfehlung. Wer ein Sportprodukt aus dem Auslandsversand besitzt, sollte die Zutatenliste auf die hier genannten Namen prüfen.

DMAA Wechselwirkungen

Koffein

verstärkt

Die Kombination war in den Produkten die Regel und steigert die Kreislaufbelastung zusätzlich. In mehreren der dokumentierten Zwischenfälle lag sie vor.

MAO-Hemmer und Antidepressiva

verstärkt

Eine gefährliche Kombination mit Blutdruckkrisen.

Blutdrucksenker

hemmt

DMAA arbeitet der Therapie unmittelbar entgegen.

Wer auf DMAA besonders achten sollte

  • Für niemanden geeignet
  • Besonders gefährlich bei körperlicher Belastung und Hitze — die Todesfälle traten unter Ausdauerbelastung auf
  • Besonders gefährlich bei Bluthochdruck, Herzerkrankungen und in der Schwangerschaft

Häufige Fragen zu DMAA

01Wann sollte man DMAA einnehmen?

Keine Empfehlung. Auf nüchternen Magen, mit Abstand zu den Mahlzeiten. Für einen nicht verkehrsfähigen Stoff mit dokumentierten Todesfällen gibt es keine sinnvolle Einnahmeempfehlung. Wer ein Sportprodukt aus dem Auslandsversand besitzt, sollte die Zutatenliste auf die hier genannten Namen prüfen.

02Wie viel DMAA am Tag?

Keine — der Stoff ist in Deutschland nicht verkehrsfähig.

03Wie viel DMAA ist zu viel?

In Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln nicht zulässig. Einstufung durch die Lebensmittelüberwachung; Verbote in USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Brasilien. Der Stoff verengt die Blutgefäße und steigert den Blutdruck erheblich. Dokumentiert sind Bluthochdruckkrisen, Hirnblutungen, Herzstillstände und Todesfälle — mehrere davon bei jungen, gesunden Soldaten unter Belastung.

04Welche Wechselwirkungen hat DMAA?

Zu beachten sind Koffein; MAO-Hemmer und Antidepressiva; Blutdrucksenker. Koffein: Die Kombination war in den Produkten die Regel und steigert die Kreislaufbelastung zusätzlich. In mehreren der dokumentierten Zwischenfälle lag sie vor. MAO-Hemmer und Antidepressiva: Eine gefährliche Kombination mit Blutdruckkrisen. Blutdrucksenker: DMAA arbeitet der Therapie unmittelbar entgegen.

05Für wen ist DMAA nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Für niemanden geeignet; Besonders gefährlich bei körperlicher Belastung und Hitze — die Todesfälle traten unter Ausdauerbelastung auf; Besonders gefährlich bei Bluthochdruck, Herzerkrankungen und in der Schwangerschaft. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06Welche Form von DMAA ist am besten?

Gut aufgenommen werden DMAA (1,3-Dimethylamylamin), DMHA (Octodrin), Oxilofrin (Methylsynephrin) und Koffein. Zu DMAA (1,3-Dimethylamylamin): Ursprünglich als abschwellendes Nasenmittel entwickelt und 1983 vom Markt genommen. Ab 2006 als Sportvorbereitungsmittel wiederaufgetaucht.

07Womit darf für DMAA geworben werden?

Nichts. DMAA ist kein zulässiger Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln. Produkte, die ihn enthalten, sind nicht verkehrsfähig — unabhängig davon, was beworben wird. Der Stoff steht zudem auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur.

Belege

  1. 01 DMAA in dietary supplements — warning letters and safety review · US Food and Drug Administration
  2. 02 Analysis of 1,3-dimethylamylamine concentrations in Geraniaceae · Drug Testing and Analysis
  3. 03 Verbotsliste · Welt-Anti-Doping-Agentur

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