Der Stoff, bei dem die Wirkung nie bestritten war
Koffein ist unter den Wachmachern der Sonderfall: Seine Wirkung auf Aufmerksamkeit und
Konzentration ist so gut belegt, dass die EFSA sie ohne Umschweife anerkannt hat. Es blockiert
die Adenosinrezeptoren im Gehirn — jene Rezeptoren, über die der Körper Müdigkeit signalisiert.
Das Signal kommt nicht mehr an, die Müdigkeit verschwindet aus der Wahrnehmung, nicht aus dem
Körper.
Dieser Unterschied ist der Kern der Sache. Koffein verschiebt Erschöpfung, es beseitigt sie
nicht. Das nachgeholte Bedürfnis meldet sich, sobald die Wirkung nachlässt.
Eine zugelassene Angabe, die fast wieder verschwunden wäre
2012 kamen die Koffein-Claims in die Unionsliste. Ein Jahr später legte die Kommission einen
Entwurf vor, sie wieder zu streichen — aus Sorge, Energydrinks könnten damit gegenüber
Jugendlichen und Schwangeren beworben werden. Die Streichung kam nicht zustande, die Angaben
gelten bis heute.
Die Sport-Claims dagegen scheiterten. Sie wurden von der EFSA zwar positiv bewertet, aber nie in
die Unionsliste aufgenommen. Wer im Sportbereich mit Ausdauerleistung wirbt, tut das ohne
rechtliche Grundlage.
Die 400-Milligramm-Grenze und was sie bedeutet
Für gesunde Erwachsene sieht die EFSA bis 400 mg am Tag und bis 200 mg je Einzelgabe als
unbedenklich an. Das sind etwa vier Tassen Filterkaffee. Für Schwangere gilt die Hälfte, weil
der Abbau in der Schwangerschaft stark verlangsamt ist und Koffein die Plazenta passiert.
Der gefährliche Teil des Markts ist nicht der Kaffee, sondern reines Koffeinpulver. Wenige Gramm
können tödlich sein, und der Unterschied zwischen einer wirksamen und einer gefährlichen Dosis
liegt in Löffelbruchteilen. Todesfälle durch Fehldosierung sind dokumentiert.
Toleranz — der unterschätzte Punkt
Innerhalb weniger Tage regelmäßiger Zufuhr bildet das Gehirn zusätzliche Adenosinrezeptoren. Der
Wachheitsgewinn schrumpft, während der Entzugskopfschmerz beim Weglassen bleibt. Für viele
Gewohnheitstrinker stellt die Morgentasse deshalb weniger einen Vorteil her, als sie einen
Nachteil aufhebt.
Wer die volle Wirkung erhalten will, dosiert bewusst und legt Pausen ein. Zwei bis drei
koffeinfreie Tage genügen, um die Empfindlichkeit spürbar zurückzugewinnen.