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VIII · Weitere Stoffe

Koffein

auch: Coffein · Guaranin · Teein · Matein · 1,3,7-Trimethylxanthin

Der einzige Wachmacher mit zugelassenen Angaben — und der einzige, dessen Claim die Behörde nachträglich wieder einkassieren wollte.

Studienlage

Sehr gut belegt, von Fachgesellschaften anerkannt

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Zugelassene Angabe

Was über Koffein gesagt werden darf

Für diesen Stoff stehen gesundheitsbezogene Angaben in der Unionsliste (VO (EU) 432/2012). Sie dürfen im angegebenen Wortlaut verwendet werden.

  1. 01

    „Koffein trägt zu einer Steigerung der Aufmerksamkeit bei“

    Bedingung mindestens 75 mg je Portion

  2. 02

    „Koffein trägt zu einer Verbesserung der Konzentration bei“

    Bedingung mindestens 75 mg je Portion

  3. 03

    „Koffein trägt zu einer Steigerung der Ausdauerleistungsfähigkeit bei“

    Bedingung 3 mg je kg Körpergewicht eine Stunde vor der Belastung

  4. 04

    „Koffein trägt zur Steigerung der Ausdauerkapazität bei“

    Bedingung 3 mg je kg Körpergewicht eine Stunde vor der Belastung

Die Angaben zu Aufmerksamkeit und Konzentration sind seit 2012 zugelassen. Die Kommission versuchte 2013, sie wieder zu streichen, weil sie befürchtete, dass Getränke damit gegenüber Kindern und Schwangeren beworben würden — durchgesetzt hat sich die Streichung nicht. Die Sport-Angaben wurden dagegen nie in die Unionsliste aufgenommen und dürfen in der EU nicht verwendet werden.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Der Stoff, bei dem die Wirkung nie bestritten war

Koffein ist unter den Wachmachern der Sonderfall: Seine Wirkung auf Aufmerksamkeit und Konzentration ist so gut belegt, dass die EFSA sie ohne Umschweife anerkannt hat. Es blockiert die Adenosinrezeptoren im Gehirn — jene Rezeptoren, über die der Körper Müdigkeit signalisiert. Das Signal kommt nicht mehr an, die Müdigkeit verschwindet aus der Wahrnehmung, nicht aus dem Körper.

Dieser Unterschied ist der Kern der Sache. Koffein verschiebt Erschöpfung, es beseitigt sie nicht. Das nachgeholte Bedürfnis meldet sich, sobald die Wirkung nachlässt.

Eine zugelassene Angabe, die fast wieder verschwunden wäre

2012 kamen die Koffein-Claims in die Unionsliste. Ein Jahr später legte die Kommission einen Entwurf vor, sie wieder zu streichen — aus Sorge, Energydrinks könnten damit gegenüber Jugendlichen und Schwangeren beworben werden. Die Streichung kam nicht zustande, die Angaben gelten bis heute.

Die Sport-Claims dagegen scheiterten. Sie wurden von der EFSA zwar positiv bewertet, aber nie in die Unionsliste aufgenommen. Wer im Sportbereich mit Ausdauerleistung wirbt, tut das ohne rechtliche Grundlage.

Die 400-Milligramm-Grenze und was sie bedeutet

Für gesunde Erwachsene sieht die EFSA bis 400 mg am Tag und bis 200 mg je Einzelgabe als unbedenklich an. Das sind etwa vier Tassen Filterkaffee. Für Schwangere gilt die Hälfte, weil der Abbau in der Schwangerschaft stark verlangsamt ist und Koffein die Plazenta passiert.

Der gefährliche Teil des Markts ist nicht der Kaffee, sondern reines Koffeinpulver. Wenige Gramm können tödlich sein, und der Unterschied zwischen einer wirksamen und einer gefährlichen Dosis liegt in Löffelbruchteilen. Todesfälle durch Fehldosierung sind dokumentiert.

Toleranz — der unterschätzte Punkt

Innerhalb weniger Tage regelmäßiger Zufuhr bildet das Gehirn zusätzliche Adenosinrezeptoren. Der Wachheitsgewinn schrumpft, während der Entzugskopfschmerz beim Weglassen bleibt. Für viele Gewohnheitstrinker stellt die Morgentasse deshalb weniger einen Vorteil her, als sie einen Nachteil aufhebt.

Wer die volle Wirkung erhalten will, dosiert bewusst und legt Pausen ein. Zwei bis drei koffeinfreie Tage genügen, um die Empfindlichkeit spürbar zurückzugewinnen.

Koffein — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Kaffee hoch 80 bis 120 mg je Tasse Filterkaffee, rund 60 mg je Espresso. Enthält zusätzlich Chlorogensäuren, die den Anstieg etwas verlangsamen.
Grüner und schwarzer Tee mittel 30 bis 60 mg je Tasse. Die Gerbstoffe binden Koffein teilweise, wodurch es langsamer und gleichmäßiger anflutet.
Koffeintabletten hoch Meist 50 bis 200 mg je Tablette, genau dosierbar. Der Blutspiegel steigt schneller als bei Kaffee.
Guarana mittel Koffein an Gerbstoffe gebunden, wird langsamer freigesetzt. Der Gehalt liegt bei 3 bis 5 Prozent — deutlich höher als in Kaffeebohnen.
Koffein mit L-Theanin hoch Beliebte Kombination, weil Theanin die Unruhe dämpft. Für die Kombination ist keine eigene Angabe zugelassen.

Koffein Wechselwirkungen

Eisen und Zink

hemmt

Gerbstoffe aus Kaffee und Tee binden Eisen im Darm. Mindestens eine Stunde Abstand zu eisenhaltigen Präparaten oder Mahlzeiten halten.

Schlafmittel und Beruhigungsmittel

hemmt

Koffein wirkt der Sedierung entgegen und hebt die Wirkung teilweise auf.

Ciprofloxacin und Fluvoxamin

verstärkt

Diese Medikamente hemmen das abbauende Enzym CYP1A2. Der Koffeinspiegel kann sich dadurch vervielfachen.

Orale Verhütungsmittel

verstärkt

Der Abbau verlangsamt sich auf etwa die Hälfte, Koffein wirkt entsprechend länger.

Schilddrüsenhormone

hemmt

Kaffee direkt zum Levothyroxin kann dessen Aufnahme deutlich mindern. Eine halbe Stunde Abstand ist Standard.

Wer auf Koffein besonders achten sollte

  • Schwangere und Stillende — Obergrenze 200 mg am Tag, der Abbau ist in der Schwangerschaft stark verlangsamt
  • Menschen mit Herzrhythmusstörungen oder Angststörungen
  • Kinder und Jugendliche, für die keine sichere Menge abgeleitet wurde
  • Menschen mit Reizmagen oder Refluxbeschwerden

Koffein in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Filterkaffee 80–120 mg je Tasse (200 ml)
Espresso 60 mg je Tasse (30 ml)
Schwarzer Tee 40–60 mg je Tasse
Energydrink 80 mg je 250 ml
Zartbitterschokolade 60 mg je 100 g
Cola 25 mg je 250 ml

Häufige Fragen zu Koffein

01Wann sollte man Koffein einnehmen?

Vormittags bis früher Nachmittag, im Sport eine Stunde vor der Belastung. Auf nüchternen Magen, mit Abstand zu den Mahlzeiten. Die Halbwertszeit beträgt drei bis sechs Stunden. Wer um 16 Uhr 200 mg trinkt, hat um Mitternacht noch die Hälfte im Blut — der häufigste unerkannte Grund für schlechten Schlaf.

02Wie viel Koffein am Tag?

Bis 400 mg am Tag für gesunde Erwachsene, Einzelgaben bis 200 mg gelten als unbedenklich (EFSA). In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 100–200 mg vor geistiger oder körperlicher Belastung; im Sport 3–6 mg je Kilogramm Körpergewicht.

03Wie viel Koffein ist zu viel?

Die empfohlene Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel liegt bei 400 mg am Tag für Erwachsene, 200 mg für Schwangere und Stillende. EFSA-Bewertung zur Sicherheit von Koffein, 2015. Reines Koffeinpulver ist gefährlich — ein Teelöffel entspricht mehreren Tassen Espresso. Todesfälle durch Fehldosierung sind dokumentiert. Nahrungsergänzungsmittel mit über 150 mg je Portion müssen einen Warnhinweis tragen.

04Welche Wechselwirkungen hat Koffein?

Zu beachten sind Eisen und Zink; Schlafmittel und Beruhigungsmittel; Ciprofloxacin und Fluvoxamin; Orale Verhütungsmittel; Schilddrüsenhormone. Eisen und Zink: Gerbstoffe aus Kaffee und Tee binden Eisen im Darm. Mindestens eine Stunde Abstand zu eisenhaltigen Präparaten oder Mahlzeiten halten. Schlafmittel und Beruhigungsmittel: Koffein wirkt der Sedierung entgegen und hebt die Wirkung teilweise auf. Ciprofloxacin und Fluvoxamin: Diese Medikamente hemmen das abbauende Enzym CYP1A2. Der Koffeinspiegel kann sich dadurch vervielfachen.

05Für wen ist Koffein nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Schwangere und Stillende — Obergrenze 200 mg am Tag, der Abbau ist in der Schwangerschaft stark verlangsamt; Menschen mit Herzrhythmusstörungen oder Angststörungen; Kinder und Jugendliche, für die keine sichere Menge abgeleitet wurde; Menschen mit Reizmagen oder Refluxbeschwerden. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06In welchen Lebensmitteln steckt Koffein?

Gute Quellen sind Filterkaffee (80–120 mg je Tasse (200 ml)), Espresso (60 mg je Tasse (30 ml)), Schwarzer Tee (40–60 mg je Tasse), Energydrink (80 mg je 250 ml) und Zartbitterschokolade (60 mg je 100 g).

07Welche Form von Koffein ist am besten?

Gut aufgenommen werden Kaffee, Koffeintabletten und Koffein mit L-Theanin. Zu Kaffee: 80 bis 120 mg je Tasse Filterkaffee, rund 60 mg je Espresso. Enthält zusätzlich Chlorogensäuren, die den Anstieg etwas verlangsamen.

08Womit darf für Koffein geworben werden?

Zugelassen sind nach der Unionsliste unter anderem: „Koffein trägt zu einer Steigerung der Aufmerksamkeit bei“. Bedingung: mindestens 75 mg je Portion. Insgesamt sind 4 Angaben zugelassen.

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Belege

  1. 01 Scientific Opinion on the safety of caffeine · European Food Safety Authority · 2015
  2. 02 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 — Unionsliste zulässiger Angaben · Europäische Kommission · 2012
  3. 03 Fragen und Antworten zu koffeinhaltigen Erzeugnissen · Bundesinstitut für Risikobewertung

Siehe auch

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