VIII · Weitere Stoffe
Lactit
auch: E 966 · Lactitol · Lactit-Monohydrat · Milchzuckeralkohol
Der Zuckeralkohol aus Milchzucker — als Abführmittel zugelassen und als Süßungsmittel zugleich.
Studienlage
Was über Lactit gesagt werden darf
Für diesen Stoff stehen gesundheitsbezogene Angaben in der Unionsliste (VO (EU) 432/2012). Sie dürfen im angegebenen Wortlaut verwendet werden.
- 01
„Der Verzehr von Lebensmitteln, die anstelle von Zucker Zuckeralkohole enthalten, trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei“
Bedingung Zucker muss so ersetzt sein, dass der Zuckergehalt um mindestens 30 Prozent verringert ist
- 02
„Der Verzehr von Lebensmitteln, die anstelle von Zucker Zuckeralkohole enthalten, führt zu einem geringeren Blutzuckeranstieg als der Verzehr zuckerhaltiger Lebensmittel“
Bedingung dieselbe Ersatzbedingung
Als Zusatzstoff im Lebensmittel trägt Lactit die Polyol-Angaben. Als Arzneimittel gegen Verstopfung gilt die Health-Claims-Verordnung nicht — derselbe Stoff, zwei Rechtswege, wie bei Laktulose.
Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert
Aus Milchzucker gemacht — und trotzdem laktosefrei
Lactit entsteht, indem Laktose hydriert wird. Der Glucoseteil des Doppelzuckers wird dabei zu einem Zuckeralkohol umgebaut, der Galaktoseteil bleibt.
Das Ergebnis ist keine Laktose mehr. Der Milchzucker, an dem sich die Unverträglichkeit entzündet, existiert in Lactit nicht — die Laktase im Darm findet nichts, woran sie ansetzen könnte, und es wird auch nichts aufgespalten.
Für Menschen mit Laktoseintoleranz ist Lactit deshalb unproblematisch, obwohl der Name das Gegenteil vermuten lässt.
Die Doppelrolle
Lactit ist der Zuckeralkohol mit der stärksten abführenden Wirkung der Gruppe — und wird genau deshalb doppelt verwendet.
Als Zusatzstoff E 953 steht er in zuckerfreien Süßwaren und trägt dort die Polyol-Angaben zu Zähnen und Blutzucker. Als Arzneimittel ist er in Pulverform gegen Verstopfung zugelassen und wirkt dort wie Laktulose.
Was im einen Zusammenhang der Warnhinweis auf der Packung ist, ist im anderen das Anwendungsgebiet. Dieselbe Gabelung findet sich bei Sennesblättern, Heilerde und Laktulose.
Die präbiotische Seite
Was im Dünndarm nicht aufgenommen wird, erreicht den Dickdarm und wird dort von Bakterien vergoren. Für Lactit ist beschrieben, dass dabei Bifidobakterien gefördert werden.
Das ist derselbe Vorgang wie bei Laktulose und Inulin und der Grund, warum die Grenze zwischen Süßungsmittel, Abführmittel und Präbiotikum bei diesen Stoffen keine wirkliche Grenze ist. Es ist in allen drei Fällen dieselbe Ursache — ein Zucker, den der Mensch nicht verdauen kann.
Die Einordnung
Innerhalb der Zuckeralkohole ist Lactit der schwächste Süßer und der stärkste Abführer — eine Kombination, die seinen Einsatz begrenzt.
Er steht hier, weil E 966 in Zutatenlisten erscheint und weil er die Polyolgruppe vollständig macht: Erythrit, Xylit, Sorbit, Maltit, Isomalt, Mannit und Lactit.
Lactit — welche Form ist die beste?
Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.
| Form | Aufnahme | Anmerkung |
|---|---|---|
| Lactit (E 966) | niedrig | Süßt nur zu etwa 40 Prozent wie Zucker. Wird aus Laktose durch Hydrierung gewonnen und im Dünndarm kaum aufgenommen. |
| Lactit als Arzneimittel | niedrig | Als Pulver gegen Verstopfung zugelassen, in derselben Anwendung wie Laktulose und mit vergleichbarer Wirkung. |
| Laktulose | niedrig | Der verwandte, aus Milchzucker hergestellte Stoff — kein Zuckeralkohol, aber dieselbe Doppelrolle. In dieser Datenbank als eigener Eintrag. |
Lactit einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?
Empfohlener Zeitpunkt: Als Zutat in Lebensmitteln; als Abführmittel morgens. Am besten zusammen mit einer Mahlzeit.
Lactit enthält keine freie Laktose mehr — bei Laktoseintoleranz ist es deshalb unproblematisch. Die Verträglichkeitsgrenze wird von der abführenden Wirkung gesetzt, nicht vom Milchzucker.
Lactit Wechselwirkungen
Medikamente
hemmtBei abführender Menge verkürzt sich die Zeit zur Aufnahme anderer Wirkstoffe.
Wer auf Lactit besonders achten sollte
- Bei Reizdarm und in der FODMAP-Auslassphase meiden
- Nicht bei Galaktosämie
- Bei Laktoseintoleranz unbedenklich, da keine freie Laktose enthalten ist
Lactit in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt
Häufige Fragen zu Lactit
01Wann sollte man Lactit einnehmen?
Als Zutat in Lebensmitteln; als Abführmittel morgens. Zu oder direkt nach einer Mahlzeit. Lactit enthält keine freie Laktose mehr — bei Laktoseintoleranz ist es deshalb unproblematisch. Die Verträglichkeitsgrenze wird von der abführenden Wirkung gesetzt, nicht vom Milchzucker.
02Wie viel Lactit am Tag?
Als Süßungsmittel in Lebensmitteln; als Abführmittel 10–20 g nach Packungsbeilage.
03Wie viel Lactit ist zu viel?
Keine numerische Obergrenze als Zusatzstoff; ab 10 Prozent Anteil ist der Warnhinweis Pflicht. Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang III. Lactit gehört zu den am stärksten abführend wirkenden Polyolen — genau deshalb ist es zugleich als Arzneimittel gegen Verstopfung zugelassen. Die Verträglichkeitsschwelle liegt niedriger als bei Isomalt.
04Welche Wechselwirkungen hat Lactit?
Zu beachten sind Medikamente. Medikamente: Bei abführender Menge verkürzt sich die Zeit zur Aufnahme anderer Wirkstoffe.
05Für wen ist Lactit nicht geeignet?
Besondere Vorsicht gilt für: Bei Reizdarm und in der FODMAP-Auslassphase meiden; Nicht bei Galaktosämie; Bei Laktoseintoleranz unbedenklich, da keine freie Laktose enthalten ist. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.
06In welchen Lebensmitteln steckt Lactit?
Gute Quellen sind Zuckerfreie Süßwaren und Backwaren (Lactit wird dort als Zuckerersatz mit ähnlichem Volumen eingesetzt).
07Welche Form von Lactit ist am besten?
Schlechter verfügbar sind Lactit (E 966), Lactit als Arzneimittel und Laktulose.
08Womit darf für Lactit geworben werden?
Zugelassen sind nach der Unionsliste unter anderem: „Der Verzehr von Lebensmitteln, die anstelle von Zucker Zuckeralkohole enthalten, trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei“. Bedingung: Zucker muss so ersetzt sein, dass der Zuckergehalt um mindestens 30 Prozent verringert ist. Insgesamt sind 2 Angaben zugelassen.
Belege
- 01 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 — Unionsliste zulässiger Angaben · Europäische Kommission · 2012
- 02 Lactitol in the treatment of chronic constipation · Alimentary Pharmacology and Therapeutics
- 03 Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 — Anhang III · Europäische Union · 2011
Siehe auch
Andere Weitere Stoffe
Wirkstoffbereiche
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Vitamine
Organische Verbindungen, die der Körper nicht oder nicht ausreichend selbst herstellt.
Mineralstoffe
Anorganische Nährstoffe, die der Körper in Mengen über 50 mg am Tag braucht.
Spurenelemente
Mineralstoffe, von denen der Körper täglich weniger als 50 mg benötigt.
Fettsäuren
Bausteine der Nahrungsfette, darunter die essenziellen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.
Aminosäuren
Bausteine der Eiweiße, teils essenziell, teils vom Körper selbst herstellbar.
Pflanzenstoffe
Extrakte und Einzelstoffe aus Pflanzen. Für sie ist die Claim-Bewertung bis heute ausgesetzt.
Darmflora
Probiotische Kulturen und Ballaststoffe, die auf die Darmbesiedlung wirken.
Weitere Stoffe
Körpereigene Verbindungen und Strukturstoffe, die keiner der übrigen Gruppen zufallen.
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