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VIII · Weitere Stoffe

Sorbit

auch: Sorbitol · E 420 · Glucitol · Zuckeralkohol

Der Zuckeralkohol mit Pflichtwarnung auf dem Etikett — und dem einzigen Stoffwechseldefekt, bei dem er lebensgefährlich ist.

Studienlage

Gut untersucht, überwiegend übereinstimmende Ergebnisse

Unsere Empfehlung

Drei Präparate mit Sorbit, drei Maßstäbe

Wie wir bewerten
  1. I Wirkstoffsieger

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Zugelassene Angabe

Was über Sorbit gesagt werden darf

Für diesen Stoff stehen gesundheitsbezogene Angaben in der Unionsliste (VO (EU) 432/2012). Sie dürfen im angegebenen Wortlaut verwendet werden.

  1. 01

    „Der Verzehr von Lebensmitteln, die anstelle von Zucker Zuckeralkohole enthalten, trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei“

    Bedingung Zucker muss so ersetzt sein, dass der Zuckergehalt um mindestens 30 Prozent verringert ist

  2. 02

    „Der Verzehr von Lebensmitteln, die anstelle von Zucker Zuckeralkohole enthalten, führt zu einem geringeren Blutzuckeranstieg als der Verzehr zuckerhaltiger Lebensmittel“

    Bedingung dieselbe Ersatzbedingung

Die Angaben gelten der Gruppe der Zuckeralkohole, nicht dem Sorbit im Besonderen. Sorbit hat mit rund 2,4 Kilokalorien je Gramm etwas mehr Energie als andere Polyole und süßt schwächer als Zucker.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Der Warnhinweis, der Pflicht ist

Lebensmittel mit mehr als zehn Prozent zugesetzten Zuckeralkoholen müssen den Satz tragen, sie könnten bei übermäßigem Verzehr abführend wirken.

Das ist eine europaweite Kennzeichnungspflicht und einer der seltenen Fälle, in denen der Gesetzgeber einem sonst zugelassenen Stoff einen Warnsatz an die Seite stellt — vergleichbar dem Süßholz und dem Betain.

Die Ursache ist einfache Physik. Sorbit wird im Dünndarm nur schleppend aufgenommen. Der Rest bleibt liegen, zieht Wasser nach und wird im Dickdarm von Bakterien vergoren.

Die Schwelle und was sie bedeutet

Bei den meisten Menschen beginnen Beschwerden zwischen zwanzig und fünfzig Gramm am Tag, empfindliche Menschen merken es ab etwa zehn Gramm.

Das klingt nach viel, ist es aber nicht: Eine Packung zuckerfreier Kaugummis oder eine Handvoll Trockenpflaumen genügt. Der Ruf der Backpflaume als Hausmittel gegen Verstopfung beruht genau darauf.

Sorbit im FODMAP-Konzept

Sorbit ist das P in FODMAP — der Polyol-Anteil. Bei Reizdarm gehört es zu den Stoffen, die in der Auslassphase zuerst wegfallen.

Wer eine Fructosemalabsorption hat, trifft eine zusätzliche Ungünstigkeit: Sorbit hemmt die Aufnahme von Fructose. Ein Apfel mit einem zuckerfreien Kaugummi ist schlechter verträglich als beides für sich.

Der Punkt, an dem es ernst wird

Bei der hereditären Fructoseintoleranz — einem angeborenen Enzymdefekt, nicht zu verwechseln mit der weit verbreiteten Fructosemalabsorption — ist Sorbit gefährlich.

Der Körper baut Sorbit zu Fructose um. Betroffene, die es aufnehmen, entwickeln Unterzuckerungen und können Leber- und Nierenschäden erleiden. Historisch sind Todesfälle nach Sorbit-Infusionslösungen aufgetreten, bevor der Zusammenhang bekannt war.

Für diese Menschen ist die Pflichtkennzeichnung der Polyole keine Komfortfrage, sondern lebenswichtig.

Die Einordnung

Als Zuckerersatz ist Sorbit zahnfreundlich und blutzuckerneutral. Es süßt allerdings nur etwa halb so stark wie Zucker und liefert dabei rund zwei Drittel der Kalorien — die Ersparnis ist geringer, als der Begriff Zuckeraustauschstoff vermuten lässt.

Wer die Verträglichkeit sucht, ist mit Erythrit besser bedient, das fast vollständig aufgenommen und unverändert ausgeschieden wird.

Sorbit — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Sorbit (E 420) mittel Als Süßungsmittel, Feuchthaltemittel und Füllstoff in zuckerfreien Kaugummis, Bonbons und Diabetikerprodukten. Auch in Zahnpasta und Sirupen.
Sorbit natürlichen Ursprungs mittel In Steinobst von Natur aus enthalten — Birnen, Pflaumen, Kirschen, Aprikosen. Trockenpflaumen verdanken ihm ihren Ruf.
Sorbitlösung als Abführmittel mittel In Klistieren arzneilich eingesetzt. Die abführende Wirkung ist hier erwünscht statt Nebenwirkung.

Sorbit Wechselwirkungen

Fructose

verstärkt

Sorbit hemmt die Aufnahme von Fructose zusätzlich. Wer eine Fructosemalabsorption hat, verträgt beides zusammen deutlich schlechter als einzeln.

Medikamente

hemmt

Bei durchfallauslösender Menge wird die Aufnahme anderer Wirkstoffe beschleunigt und dadurch vermindert.

Wer auf Sorbit besonders achten sollte

  • Nicht bei hereditärer Fructoseintoleranz — dort ist Sorbit gefährlich
  • Bei Sorbitunverträglichkeit und Reizdarm meiden
  • Vorsicht bei Kindern, die den Schwellenwert wegen des Körpergewichts früher erreichen

Sorbit in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Trockenpflaumen 6–15 g Sorbit je 100 g
Birne 2 g je 100 g
Zuckerfreier Kaugummi bis zu 1 g je Stück

Häufige Fragen zu Sorbit

01Wann sollte man Sorbit einnehmen?

Als Zutat in Lebensmitteln. Zu oder direkt nach einer Mahlzeit. Sorbit wird im Dünndarm nur langsam und unvollständig aufgenommen. Was nicht aufgenommen wird, zieht Wasser in den Darm und wird von Bakterien vergoren — daher Blähungen und Durchfall.

02Wie viel Sorbit am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind Als Süßungsmittel in Lebensmitteln; ab 20–50 g am Tag treten Beschwerden auf.

03Wie viel Sorbit ist zu viel?

Keine numerische Obergrenze; ab 10 Prozent Anteil ist der Warnhinweis Pflicht. Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang III. Lebensmittel mit mehr als 10 Prozent zugesetzten Polyolen müssen tragen: kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken. Bei hereditärer Fructoseintoleranz ist Sorbit lebensgefährlich, weil es im Körper zu Fructose umgebaut wird.

04Welche Wechselwirkungen hat Sorbit?

Zu beachten sind Fructose und Medikamente. Fructose: Sorbit hemmt die Aufnahme von Fructose zusätzlich. Wer eine Fructosemalabsorption hat, verträgt beides zusammen deutlich schlechter als einzeln. Medikamente: Bei durchfallauslösender Menge wird die Aufnahme anderer Wirkstoffe beschleunigt und dadurch vermindert.

05Für wen ist Sorbit nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Nicht bei hereditärer Fructoseintoleranz — dort ist Sorbit gefährlich; Bei Sorbitunverträglichkeit und Reizdarm meiden; Vorsicht bei Kindern, die den Schwellenwert wegen des Körpergewichts früher erreichen. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06In welchen Lebensmitteln steckt Sorbit?

Gute Quellen sind Trockenpflaumen (6–15 g Sorbit je 100 g), Birne (2 g je 100 g) und Zuckerfreier Kaugummi (bis zu 1 g je Stück).

07Womit darf für Sorbit geworben werden?

Zugelassen sind nach der Unionsliste unter anderem: „Der Verzehr von Lebensmitteln, die anstelle von Zucker Zuckeralkohole enthalten, trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei“. Bedingung: Zucker muss so ersetzt sein, dass der Zuckergehalt um mindestens 30 Prozent verringert ist. Insgesamt sind 2 Angaben zugelassen.

Belege

  1. 01 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 — Unionsliste zulässiger Angaben · Europäische Kommission · 2012
  2. 02 Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 — Anhang III, verpflichtende Zusatzangaben · Europäische Union · 2011
  3. 03 Kohlenhydratmalassimilation — Sorbit und Fructose · Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie

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