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VIII · Weitere Stoffe

Erythrit

auch: Erythritol · E 968 · Zuckeralkohol · Sucrolyt

Der bekömmlichste Zuckeraustauschstoff mit zwei zugelassenen Angaben — und einer Studie von 2023, die den Ruf ins Wanken brachte.

Studienlage

Mehrere kontrollierte Studien, Bild noch nicht geschlossen

Unsere Empfehlung

Drei Präparate mit Erythrit, drei Maßstäbe

Wie wir bewerten
  1. I Wirkstoffsieger

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Zugelassene Angabe

Was über Erythrit gesagt werden darf

Für diesen Stoff stehen gesundheitsbezogene Angaben in der Unionsliste (VO (EU) 432/2012). Sie dürfen im angegebenen Wortlaut verwendet werden.

  1. 01

    „Der Verzehr von Lebensmitteln, die anstelle von Zucker Zuckeralkohole enthalten, trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei“

    Bedingung Zucker in Lebensmitteln oder Getränken muss durch Zuckeralkohole ersetzt sein, sodass der Zuckergehalt um mindestens 30 Prozent verringert ist

  2. 02

    „Der Verzehr von Lebensmitteln, die anstelle von Zucker Zuckeralkohole enthalten, führt zu einem geringeren Blutzuckeranstieg als der Verzehr zuckerhaltiger Lebensmittel“

    Bedingung dieselbe Ersatzbedingung

Beide Angaben gelten für Zuckeralkohole allgemein und setzen den Austausch gegen Zucker voraus — nicht die zusätzliche Zufuhr. Aussagen zum Abnehmen oder zur Darmgesundheit sind nicht gedeckt.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Warum es fast nichts anrichtet — und fast nichts liefert

Erythrit ist unter den Zuckeraustauschstoffen der Sonderfall. Es wird im Dünndarm zu etwa neunzig Prozent aufgenommen und unverändert über den Urin ausgeschieden. Es erreicht den Dickdarm kaum, wird dort nicht vergoren und liefert dem Körper praktisch keine Energie.

Daraus folgt beides: die außergewöhnlich gute Verträglichkeit im Vergleich zu Sorbit oder Maltit — und die Nährwertangabe von null Kilokalorien.

Die zugelassenen Angaben teilt es sich mit den anderen Zuckeralkoholen: weniger Blutzuckeranstieg und Erhaltung der Zahnmineralisierung, jeweils unter der Bedingung, dass Zucker tatsächlich ersetzt wird.

Die Studie von 2023

Eine Arbeit der Cleveland Clinic fand bei Menschen mit hohen Erythritspiegeln im Blut häufiger Herzinfarkte und Schlaganfälle. In Laborversuchen und nach Gabe einer erythrithaltigen Portion zeigte sich zudem eine verstärkte Verklumpungsbereitschaft der Blutplättchen.

Der Befund hat viel Aufmerksamkeit bekommen, und er verdient eine sorgfältige Einordnung.

Für die Kausalität spricht der beobachtete Effekt auf die Thrombozyten. Dagegen spricht, dass der Körper Erythrit auch selbst bildet — über den Pentosephosphatweg, und zwar verstärkt bei gestörtem Zuckerstoffwechsel. Ein hoher Blutspiegel könnte damit ebenso gut Ausdruck eines bereits bestehenden Stoffwechselproblems sein wie dessen Ursache. Genau dieses Problem haben Beobachtungsstudien immer.

Die europäischen Behörden haben die Zulassung nicht geändert. Weitere Untersuchungen laufen.

Was daraus folgt

Für den gelegentlichen Einsatz beim Backen und Süßen gibt es keinen Grund zur Sorge. Für Menschen, die täglich große Mengen zuckerfreier Produkte konsumieren und zugleich ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko haben, ist Zurückhaltung vertretbar.

Und die eigentliche Alternative bleibt dieselbe wie immer: weniger Süßes insgesamt, statt Zucker gegen einen Ersatzstoff zu tauschen und die Menge gleich zu lassen.

Praktisch beim Backen

Erythrit süßt schwächer als Zucker und karamellisiert nicht — Gebäck bleibt blass und wird trockener. Es kristallisiert außerdem beim Abkühlen wieder aus, was in Cremes und Glasuren sandig wirkt.

Die üblichen Mischungen mit Steviolglycosiden gleichen die Süßkraft aus. Für die Bräunung hilft nur eine kleine Restmenge Zucker oder ein Zusatz wie Milchpulver.

Erythrit — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Erythrit (kristallin) hoch Fermentativ aus Glucose gewonnen. Süßkraft rund 70 Prozent von Zucker, mit kühlendem Effekt auf der Zunge.
Erythrit mit Steviolglycosiden hoch Die verbreitete Mischung — Erythrit liefert das Volumen, Stevia die fehlende Süßkraft. So entsteht ein Ersatz im Verhältnis 1:1.
Xylit hoch Der andere gebräuchliche Zuckeralkohol, in dieser Datenbank als eigener Eintrag geführt. Volle Süßkraft, aber deutlich blähender und für Hunde giftig.
Sorbit und Maltit hoch Ältere Zuckeraustauschstoffe mit ausgeprägter abführender Wirkung. Ab 10 Prozent Gehalt ist der Hinweis „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ Pflicht.

Erythrit Wechselwirkungen

Blutzuckersenkende Medikamente

verstärkt

Erythrit hebt den Blutzucker praktisch nicht an. Wer Insulin nach Kohlenhydraten berechnet, muss es nicht mitrechnen — ein Vorteil und zugleich eine Umstellung.

Andere Zuckeralkohole

verstärkt

Die abführenden Wirkungen addieren sich. Wer mehrere zuckerfreie Produkte am Tag isst, überschreitet die Verträglichkeitsgrenze schneller als gedacht.

Wer auf Erythrit besonders achten sollte

  • Menschen mit Diabetes und alle, die Zucker reduzieren möchten
  • Menschen mit Reizdarm vertragen Erythrit meist besser als andere Zuckeralkohole
  • Für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist die neue Datenlage ein Grund zur Zurückhaltung bei großen Mengen

Erythrit in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Weintrauben, Birnen, Melonen geringe natürliche Mengen
Fermentierte Lebensmittel Sojasoße, Wein und Käse enthalten Spuren
Zuckerfreie Süßwaren und Getränke die mengenmäßig relevante Quelle

Häufige Fragen zu Erythrit

01Wann sollte man Erythrit einnehmen?

Als Zuckerersatz beim Süßen. Zu oder direkt nach einer Mahlzeit. In Getränken wird Erythrit schneller aufgenommen und schlechter vertragen als in fester Nahrung. Beim Backen fehlt die Bräunung, weil es nicht karamellisiert.

02Wie viel Erythrit am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind Als Zuckerersatz 1:1 bis 1:1,3 zu Haushaltszucker, meist 10–30 g am Tag.

03Wie viel Erythrit ist zu viel?

Die empfohlene Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel liegt bei 0,5 g je kg Körpergewicht am Tag. Von der EFSA im Rahmen der Neubewertung abgeleiteter Wert, begründet mit der abführenden Wirkung. Erythrit wird zu rund neunzig Prozent unverändert über den Urin ausgeschieden und erreicht den Dickdarm kaum — deshalb bläht es weit weniger als andere Zuckeralkohole. Bei Kindern und in Getränken ist die Verträglichkeitsschwelle niedriger.

04Welche Wechselwirkungen hat Erythrit?

Zu beachten sind Blutzuckersenkende Medikamente und Andere Zuckeralkohole. Blutzuckersenkende Medikamente: Erythrit hebt den Blutzucker praktisch nicht an. Wer Insulin nach Kohlenhydraten berechnet, muss es nicht mitrechnen — ein Vorteil und zugleich eine Umstellung. Andere Zuckeralkohole: Die abführenden Wirkungen addieren sich. Wer mehrere zuckerfreie Produkte am Tag isst, überschreitet die Verträglichkeitsgrenze schneller als gedacht.

05Für wen ist Erythrit nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Menschen mit Diabetes und alle, die Zucker reduzieren möchten; Menschen mit Reizdarm vertragen Erythrit meist besser als andere Zuckeralkohole; Für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist die neue Datenlage ein Grund zur Zurückhaltung bei großen Mengen. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06In welchen Lebensmitteln steckt Erythrit?

Gute Quellen sind Weintrauben, Birnen, Melonen (geringe natürliche Mengen), Fermentierte Lebensmittel (Sojasoße, Wein und Käse enthalten Spuren) und Zuckerfreie Süßwaren und Getränke (die mengenmäßig relevante Quelle).

07Welche Form von Erythrit ist am besten?

Gut aufgenommen werden Erythrit (kristallin), Erythrit mit Steviolglycosiden, Xylit und Sorbit und Maltit. Zu Erythrit (kristallin): Fermentativ aus Glucose gewonnen. Süßkraft rund 70 Prozent von Zucker, mit kühlendem Effekt auf der Zunge.

08Womit darf für Erythrit geworben werden?

Zugelassen sind nach der Unionsliste unter anderem: „Der Verzehr von Lebensmitteln, die anstelle von Zucker Zuckeralkohole enthalten, trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei“. Bedingung: Zucker in Lebensmitteln oder Getränken muss durch Zuckeralkohole ersetzt sein, sodass der Zuckergehalt um mindestens 30 Prozent verringert ist. Insgesamt sind 2 Angaben zugelassen.

Belege

  1. 01 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 — Unionsliste zulässiger Angaben · Europäische Kommission · 2012
  2. 02 The artificial sweetener erythritol and cardiovascular event risk · Nature Medicine · 2023
  3. 03 Re-evaluation of erythritol (E 968) as a food additive · European Food Safety Authority

Siehe auch

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