VIII · Weitere Stoffe
Xylit
auch: Xylitol · Birkenzucker · E 967 · Zuckeralkohol
Der Zuckeraustauschstoff mit dem besten Zahnschutz-Beleg — und mit einer Gefahr für Hunde, die tödlich enden kann.
Studienlage
Was über Xylit gesagt werden darf
Für diesen Stoff stehen gesundheitsbezogene Angaben in der Unionsliste (VO (EU) 432/2012). Sie dürfen im angegebenen Wortlaut verwendet werden.
- 01
„Der Verzehr von Lebensmitteln/Getränken, die anstelle von Zucker Xylit enthalten, trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei“
Bedingung Zuckerarten, die den pH-Wert des Zahnbelags unter 5,7 absenken, müssen so durch Zuckerersatzstoffe ersetzt sein, dass der pH-Wert des Zahnbelags während des Verzehrs und bis 30 Minuten danach nicht unter 5,7 sinkt
- 02
„Der Verzehr von Lebensmitteln/Getränken, die anstelle von Zucker Xylit enthalten, bewirkt, dass der Blutzuckerspiegel nach ihrem Verzehr weniger stark ansteigt als beim Verzehr von zuckerhaltigen Lebensmitteln/Getränken“
Bedingung Zuckerarten müssen durch Zuckerersatzstoffe ersetzt sein, sodass der Zuckergehalt mindestens um den in der Angabe REDUZIERTER [NAME DES NÄHRSTOFFS]-ANTEIL genannten Anteil reduziert ist
Beide Angaben stehen in der Unionsliste unter der Gruppe der Zuckerersatzstoffe, in der Xylit namentlich genannt ist; sie gelten nur, wenn Zucker tatsächlich ersetzt wird.
Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert
Die Warnung zuerst: Xylit ist für Hunde lebensgefährlich
Eine Fallserie im Journal of the American Veterinary Medical Association (Dunayer und Gwaltney-Brant, 2006) beschreibt acht Hunde, die Xylit aufgenommen hatten. Fünf zeigten Blutungen, im Labor fielen erhöhte Leberwerte und ein niedriger Blutzucker auf. Drei der Hunde wurden eingeschläfert, zwei starben, zwei erholten sich vollständig. Die Autorinnen bezeichnen die Giftwirkung auf Hunde als möglicherweise schwer und lebensbedrohlich.
Wer einen Hund hat, sollte xylithaltige Produkte deshalb konsequent unzugänglich lagern.
Der Kaugummi-Claim und seine Bedingung
Neben der Unionsliste gibt es für Xylit-Kaugummi eine eigene Zulassung. Die Verordnung (EG) Nr. 1024/2009 lässt die Angabe zu: „Kaugummi, der zu 100 % mit Xylitol gesüßt ist, verringert nachweislich den Zahnbelag. Starker Zahnbelag ist ein Risikofaktor für die Entstehung von Karies bei Kindern.“
Die Bedingung ist konkret: Die Verbraucher sind zu unterrichten, dass sich die Wirkung einstellt, wenn mindestens dreimal täglich nach den Mahlzeiten 2 bis 3 g Kaugummi verzehrt werden, der zu 100 % mit Xylitol gesüßt ist. Viele Produkte im Regal erfüllen die Bedingung „100 %“ nicht.
Beim Backen die einfachere Wahl
Anders als Erythrit hat Xylit die volle Süßkraft von Zucker und lässt sich eins zu eins tauschen. Es karamellisiert nicht und wirkt kühlend auf der Zunge, was in Schokolade und Cremes auffällt.
Xylit — welche Form ist die beste?
Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.
| Form | Aufnahme | Anmerkung |
|---|---|---|
| Xylit (kristallin) | hoch | Süßkraft wie Haushaltszucker, mit kühlendem Effekt. Meist aus Maiskolbenresten oder Birkenholz gewonnen — die Herkunft ändert am Molekül nichts. |
| Xylit-Kaugummi | hoch | Die Form mit dem eigenen zugelassenen Claim. Auf die Angabe „100 Prozent Xylit“ achten — viele Kaugummis mischen mehrere Süßungsmittel. |
| Xylit in Zahnpflegeprodukten | niedrig | In Zahnpasta und Mundspülung, wo die Wirkung örtlich bleibt. |
| Erythrit | hoch | Der besser verträgliche Zuckeralkohol mit eigenem Eintrag — schwächer süßend, dafür kaum blähend. |
Xylit einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?
Empfohlener Zeitpunkt: Für den Zahnschutz nach den Mahlzeiten. Am besten zusammen mit einer Mahlzeit.
Für den Zahnschutz zählt die Häufigkeit über den Tag mehr als die Gesamtmenge.
Xylit Wechselwirkungen
Andere Zuckeralkohole
verstärktDie abführenden Wirkungen addieren sich. Wer mehrere zuckerfreie Produkte kombiniert, kommt schneller an die Grenze.
Blutzuckersenkende Medikamente
verstärktXylit hebt den Blutzucker nur schwach an und wird weitgehend insulinunabhängig verstoffwechselt.
Reizdarmsyndrom
VorsichtZuckeralkohole gehören zu den FODMAP und verstärken bei empfindlichem Darm die Beschwerden.
Wer auf Xylit besonders achten sollte
- Menschen mit erhöhtem Kariesrisiko — hier ist der Zahnschutz belegt
- Menschen mit Diabetes als Zuckerersatz
- Bei Reizdarm nur vorsichtig
- Niemals für Hunde zugänglich aufbewahren
Xylit in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt
Häufige Fragen zu Xylit
01Wann sollte man Xylit einnehmen?
Für den Zahnschutz nach den Mahlzeiten. Für den Zahnschutz zählt die Häufigkeit über den Tag mehr als die Gesamtmenge.
02Wie viel Xylit am Tag?
Beim Zahnschutz-Kaugummi mindestens dreimal täglich nach den Mahlzeiten 2–3 g (Verordnung (EG) Nr. 1024/2009).
03Wie viel Xylit ist zu viel?
Keine Höchstmenge festgelegt. In den unten genannten Quellen ist keine Höchstmenge festgelegt.
04Welche Wechselwirkungen hat Xylit?
Zu beachten sind Andere Zuckeralkohole, Blutzuckersenkende Medikamente und Reizdarmsyndrom. Andere Zuckeralkohole: Die abführenden Wirkungen addieren sich. Wer mehrere zuckerfreie Produkte kombiniert, kommt schneller an die Grenze. Blutzuckersenkende Medikamente: Xylit hebt den Blutzucker nur schwach an und wird weitgehend insulinunabhängig verstoffwechselt. Reizdarmsyndrom: Zuckeralkohole gehören zu den FODMAP und verstärken bei empfindlichem Darm die Beschwerden.
05Für wen ist Xylit nicht geeignet?
Besondere Vorsicht gilt für: Menschen mit erhöhtem Kariesrisiko — hier ist der Zahnschutz belegt; Menschen mit Diabetes als Zuckerersatz; Bei Reizdarm nur vorsichtig; Niemals für Hunde zugänglich aufbewahren. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.
06In welchen Lebensmitteln steckt Xylit?
Gute Quellen sind Pflaumen, Erdbeeren, Blumenkohl (geringe natürliche Mengen), Zuckerfreie Kaugummis und Bonbons (die mengenmäßig wichtigste Quelle) und Birkenholz und Maiskolben (die industriellen Rohstoffe).
07Welche Form von Xylit ist am besten?
Gut aufgenommen werden Xylit (kristallin), Xylit-Kaugummi und Erythrit. Schlechter verfügbar ist Xylit in Zahnpflegeprodukten. Zu Xylit (kristallin): Süßkraft wie Haushaltszucker, mit kühlendem Effekt. Meist aus Maiskolbenresten oder Birkenholz gewonnen — die Herkunft ändert am Molekül nichts.
08Womit darf für Xylit geworben werden?
Zugelassen sind nach der Unionsliste unter anderem: „Der Verzehr von Lebensmitteln/Getränken, die anstelle von Zucker Xylit enthalten, trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei“. Bedingung: Zuckerarten, die den pH-Wert des Zahnbelags unter 5,7 absenken, müssen so durch Zuckerersatzstoffe ersetzt sein, dass der pH-Wert des Zahnbelags während des Verzehrs und bis 30 Minuten danach nicht unter 5,7 sinkt. Insgesamt sind 2 Angaben zugelassen.
Belege
- 01 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 — Unionsliste zulässiger Angaben · Europäische Kommission · 2012
- 02 Verordnung (EG) Nr. 1024/2009 der Kommission vom 29. Oktober 2009 zur Zulassung bzw. Verweigerung der Zulassung bestimmter gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel betreffend die Verringerung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern · Europäische Kommission · 2009
- 03 Acute hepatic failure and coagulopathy associated with xylitol ingestion in eight dogs · Journal of the American Veterinary Medical Association · 2006
Siehe auch
Andere Weitere Stoffe
Wirkstoffbereiche
Die Datenbank weiterlesen
Vitamine
Organische Verbindungen, die der Körper nicht oder nicht ausreichend selbst herstellt.
Mineralstoffe
Anorganische Nährstoffe, die der Körper in Mengen über 50 mg am Tag braucht.
Spurenelemente
Mineralstoffe, von denen der Körper täglich weniger als 50 mg benötigt.
Fettsäuren
Bausteine der Nahrungsfette, darunter die essenziellen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.
Aminosäuren
Bausteine der Eiweiße, teils essenziell, teils vom Körper selbst herstellbar.
Pflanzenstoffe
Extrakte und Einzelstoffe aus Pflanzen. Für sie ist die Claim-Bewertung bis heute ausgesetzt.
Darmflora
Probiotische Kulturen und Ballaststoffe, die auf die Darmbesiedlung wirken.
Weitere Stoffe
Körpereigene Verbindungen und Strukturstoffe, die keiner der übrigen Gruppen zufallen.
Du bist hier