Der kleine Bruder des Bromelains
Papain und Bromelain sind sich in fast allem ähnlich: Beide sind eiweißspaltende Enzyme aus
tropischen Früchten, beide werden in der systemischen Enzymtherapie eingesetzt, beide stehen vor
demselben Grundproblem — sie sind selbst Eiweiße und werden vom Magen zerlegt.
Der entscheidende Unterschied liegt im rechtlichen Status. Für Bromelain gibt es in Deutschland
zugelassene Arzneimittel gegen Schwellungen nach Operationen. Für Papain als Einzelstoff nicht;
es taucht überwiegend in Kombinationspräparaten und in Nahrungsergänzungsmitteln auf.
Der Zeitpunkt bestimmt den Zweck
Bei Enzympräparaten gibt es zwei völlig verschiedene Anwendungen, die häufig verwechselt werden.
Als Verdauungshilfe zu einer eiweißreichen Mahlzeit soll das Enzym im Magen arbeiten — hier ist
ein magensaftresistenter Überzug sogar hinderlich. Als systemisch wirkendes Enzym soll es
unzerlegt in den Darm gelangen und teilweise aufgenommen werden — dafür ist der Überzug und die
nüchterne Einnahme Voraussetzung.
Wer eine Kapsel für den falschen Zweck einnimmt, bekommt in beiden Richtungen wenig.
Das Allergieproblem
Papain ist ein ausgeprägtes Allergen. In der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, wo es zum
Klären von Bier und zum Zartmachen von Fleisch eingesetzt wird, ist Papain-induziertes
Berufsasthma beschrieben.
Für Anwender relevanter ist die Kreuzreaktion mit Latex: Wer auf Latex allergisch reagiert, kann
auch auf Papain und auf Papaya reagieren. Diese Verbindung ist gut dokumentiert und ein klarer
Ausschlussgrund.
Der Hinweis für die Schwangerschaft
Unreife Papaya und ihr Milchsaft werden in mehreren Kulturen traditionell zum
Schwangerschaftsabbruch verwendet. Ob die üblichen Präparatemengen dafür ausreichen, ist nicht
untersucht — die Zurückhaltung folgt aus der Tradition und ist begründet.
Die reife, süße Papaya ist davon nicht betroffen: Mit der Reifung verschwindet das aktive Papain
weitgehend. Als Obst ist sie unbedenklich.