VIII · Weitere Stoffe
SARMs
auch: Selektive Androgenrezeptormodulatoren · Ostarin · Ligandrol · RAD-140 · Enobosarm
Verschreibungspflichtige Prüfsubstanzen, die als Nahrungsergänzung verkauft werden — mit Leberversagen in den Fallberichten.
Studienlage
Was über SARMs gesagt werden darf
Für diesen Stoff ist keine gesundheitsbezogene Angabe in der Unionsliste eingetragen. Es darf nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung geworben werden.
SARMs sind keine Nahrungsergänzungsmittel, sondern nicht zugelassene Arzneistoffe. Ihr Verkauf als Lebensmittel ist in Deutschland strafbewehrt; Besitz in nicht geringer Menge fällt zudem unter das Anti-Doping-Gesetz. Sie stehen auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur.
Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert
Was der Name verspricht
Androgene wie Testosteron wirken überall im Körper — auf Muskeln und Knochen, aber ebenso auf Prostata, Haut, Haare und die Leber. Daraus entstehen die bekannten Nebenwirkungen anaboler Steroide.
Die Idee hinter selektiven Androgenrezeptormodulatoren war, den Rezeptor gewebespezifisch anzusprechen: Wirkung im Muskel, Ruhe in der Prostata. Pharmakologisch ist das ein legitimer und interessanter Ansatz, verwandt mit dem, was Tamoxifen für den Östrogenrezeptor leistet.
Entwickelt wurden diese Substanzen für Muskelschwund bei Krebs, für Osteoporose und für die altersbedingte Muskelabnahme.
Was daraus geworden ist
Keine einzige Substanz hat eine Zulassung erhalten — nirgends auf der Welt.
Ostarin, die am weitesten entwickelte, verfehlte in den Zulassungsstudien bei Krebspatienten ihr Hauptziel. Andere Programme wurden aus Sicherheitsgründen eingestellt; bei Cardarin, das in derselben Szene gehandelt wird, zeigten Tierversuche Tumoren in mehreren Organen.
Was blieb, war eine Reihe von Prüfsubstanzen mit bekannten Namen und ohne Hersteller — und ein Onlinemarkt, der sie unter dem Etikett Forschungschemikalie oder Nahrungsergänzung verkauft.
Was in den Fallberichten steht
Die medizinische Literatur verzeichnet inzwischen zahlreiche Fälle schwerer Leberschäden nach SARM-Einnahme, überwiegend bei jungen Männern ohne Vorerkrankung. Einzelne benötigten eine Lebertransplantation.
Regelmäßig beschrieben sind außerdem die Unterdrückung der körpereigenen Testosteronbildung, ein deutlicher Abfall des HDL-Cholesterins und vereinzelt Herz-Kreislauf-Ereignisse.
Die Vorstellung, es handle sich um eine mildere Alternative zu Steroiden, findet in diesen Berichten keine Stütze.
Was tatsächlich im Behälter ist
Eine im JAMA veröffentlichte Untersuchung kaufte als SARM deklarierte Produkte im Internet und analysierte sie.
In einem erheblichen Teil war der angegebene Stoff gar nicht enthalten oder in einer ganz anderen Menge. In einigen fanden sich zusätzlich nicht deklarierte Substanzen, darunter andere verschreibungspflichtige Wirkstoffe.
Wer solche Produkte kauft, weiß also selbst dann nicht, was er nimmt, wenn er die Risiken des angegebenen Stoffes in Kauf nehmen wollte.
Die Rechtslage
SARMs sind in Deutschland keine Nahrungsergänzungsmittel, sondern nicht zugelassene Arzneistoffe. Ihr Verkauf als Lebensmittel ist strafbewehrt.
Für den Sport kommt das Anti-Doping-Gesetz hinzu: Besitz in nicht geringer Menge ist strafbar, und alle SARMs stehen auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur. Ostarin und Ligandrol gehören zu den häufigsten positiven Befunden in Dopingkontrollen — auch bei Breitensportlern, die Nahrungsergänzung mit Verunreinigung erwischt hat.
Warum das hier steht
Wer nach diesen Namen sucht, findet fast ausschließlich Verkaufsseiten und Foren.
Der Eintrag ist die Gegeninformation: nicht zugelassen, in Fallberichten mit Leberversagen verbunden, in Analysen häufig falsch etikettiert — und im Wettkampfsport zusätzlich eine Sperre.
SARMs — welche Form ist die beste?
Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.
| Form | Aufnahme | Anmerkung |
|---|---|---|
| Ostarin (Enobosarm, MK-2866) | hoch | Die am weitesten entwickelte Substanz, klinisch gegen Muskelschwund bei Krebs geprüft. Die Zulassungsstudien erreichten ihr Hauptziel nicht. |
| Ligandrol (LGD-4033) | hoch | In Fallberichten mit Leberschäden verbunden. Häufigster Fund in Dopingkontrollen. |
| RAD-140 (Testolon) | hoch | Wird besonders aggressiv beworben. Fallberichte über Leberversagen liegen vor. |
| Cardarin (GW-501516) | hoch | Streng genommen kein SARM, wird aber in derselben Szene gehandelt. Die Entwicklung wurde eingestellt, nachdem Tierversuche Tumoren in mehreren Organen zeigten. |
SARMs einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?
Empfohlener Zeitpunkt: Keine Empfehlung. Unabhängig von einer Mahlzeit.
Für nicht zugelassene Arzneistoffe ohne abgeschlossene Sicherheitsprüfung gibt es keine verantwortbare Einnahmeempfehlung. Wer solche Mittel genommen hat und Beschwerden bemerkt — besonders Gelbfärbung der Haut, dunklen Urin oder Oberbauchschmerzen —, sollte ärztliche Hilfe suchen und die Einnahme offenlegen.
SARMs Wechselwirkungen
Leberbelastende Arzneimittel
verstärktDie dokumentierten Leberschäden treten teils bereits nach Wochen auf.
Körpereigene Hormonbildung
hemmtDie Unterdrückung von Testosteron und LH ist regelmäßig beschrieben und bildet sich nicht immer vollständig zurück.
Wer auf SARMs besonders achten sollte
- Für niemanden geeignet
- Besonders bedenklich bei Jugendlichen, deren Hormonachse sich noch entwickelt
- Für Wettkampfsportler zusätzlich ein Dopingverstoß mit Sperre
Häufige Fragen zu SARMs
01Wann sollte man SARMs einnehmen?
Keine Empfehlung. Auf nüchternen Magen, mit Abstand zu den Mahlzeiten. Für nicht zugelassene Arzneistoffe ohne abgeschlossene Sicherheitsprüfung gibt es keine verantwortbare Einnahmeempfehlung. Wer solche Mittel genommen hat und Beschwerden bemerkt — besonders Gelbfärbung der Haut, dunklen Urin oder Oberbauchschmerzen —, sollte ärztliche Hilfe suchen und die Einnahme offenlegen.
02Wie viel SARMs am Tag?
Keine — es handelt sich um nicht zugelassene Arzneistoffe.
03Wie viel SARMs ist zu viel?
In Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln nicht zulässig. Arzneimittelgesetz; Anti-Doping-Gesetz; Warnungen der FDA und der Lebensmittelüberwachung. Dokumentiert sind schwere Leberschäden bis zum Transplantationsbedarf, Unterdrückung der körpereigenen Testosteronbildung, Blutfettverschlechterung und Herz-Kreislauf-Ereignisse bei jungen Männern. Analysen von Marktware fanden zudem regelmäßig etwas anderes im Behälter, als auf dem Etikett stand.
04Welche Wechselwirkungen hat SARMs?
Zu beachten sind Leberbelastende Arzneimittel und Körpereigene Hormonbildung. Leberbelastende Arzneimittel: Die dokumentierten Leberschäden treten teils bereits nach Wochen auf. Körpereigene Hormonbildung: Die Unterdrückung von Testosteron und LH ist regelmäßig beschrieben und bildet sich nicht immer vollständig zurück.
05Für wen ist SARMs nicht geeignet?
Besondere Vorsicht gilt für: Für niemanden geeignet; Besonders bedenklich bei Jugendlichen, deren Hormonachse sich noch entwickelt; Für Wettkampfsportler zusätzlich ein Dopingverstoß mit Sperre. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.
06Welche Form von SARMs ist am besten?
Gut aufgenommen werden Ostarin (Enobosarm, MK-2866), Ligandrol (LGD-4033), RAD-140 (Testolon) und Cardarin (GW-501516). Zu Ostarin (Enobosarm, MK-2866): Die am weitesten entwickelte Substanz, klinisch gegen Muskelschwund bei Krebs geprüft. Die Zulassungsstudien erreichten ihr Hauptziel nicht.
07Womit darf für SARMs geworben werden?
Nichts. SARMs sind keine Nahrungsergänzungsmittel, sondern nicht zugelassene Arzneistoffe. Ihr Verkauf als Lebensmittel ist in Deutschland strafbewehrt; Besitz in nicht geringer Menge fällt zudem unter das Anti-Doping-Gesetz. Sie stehen auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur.
Belege
- 01 FDA warns against using SARMs in body-building products · US Food and Drug Administration
- 02 Liver injury associated with the use of selective androgen receptor modulators · Journal of Hepatology
- 03 Analysis of SARM-labelled products sold online · JAMA
Siehe auch
Andere Weitere Stoffe
Wirkstoffbereiche
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Vitamine
Organische Verbindungen, die der Körper nicht oder nicht ausreichend selbst herstellt.
Mineralstoffe
Anorganische Nährstoffe, die der Körper in Mengen über 50 mg am Tag braucht.
Spurenelemente
Mineralstoffe, von denen der Körper täglich weniger als 50 mg benötigt.
Fettsäuren
Bausteine der Nahrungsfette, darunter die essenziellen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.
Aminosäuren
Bausteine der Eiweiße, teils essenziell, teils vom Körper selbst herstellbar.
Pflanzenstoffe
Extrakte und Einzelstoffe aus Pflanzen. Für sie ist die Claim-Bewertung bis heute ausgesetzt.
Darmflora
Probiotische Kulturen und Ballaststoffe, die auf die Darmbesiedlung wirken.
Weitere Stoffe
Körpereigene Verbindungen und Strukturstoffe, die keiner der übrigen Gruppen zufallen.
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