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III · Spurenelemente

Molybdän

auch: Mo · Natriummolybdat · Ammoniummolybdat

Ein Spurenelement mit zugelassener Angabe, das in Deutschland niemandem fehlt — und trotzdem in fast jedem Multipräparat steckt.

Studienlage

Gut untersucht, überwiegend übereinstimmende Ergebnisse
Zugelassene Angabe

Was über Molybdän gesagt werden darf

Für diesen Stoff stehen gesundheitsbezogene Angaben in der Unionsliste (VO (EU) 432/2012). Sie dürfen im angegebenen Wortlaut verwendet werden.

  1. 01

    „Molybdän trägt zu einer normalen Verstoffwechselung schwefelhaltiger Aminosäuren bei“

    Bedingung mindestens 7,5 µg je 100 g bzw. je Portion (15 % des Referenzwerts)

Es ist die einzige zugelassene Angabe für Molybdän — und eine der wenigen in der Unionsliste, die ohne Umschweife eine Enzymfunktion benennt statt eines gefühlten Nutzens.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Wozu der Körper Molybdän braucht

Molybdän ist Bestandteil von drei Enzymen. Das wichtigste davon, die Sulfitoxidase, wandelt Sulfit in Sulfat um — genau der Schritt, auf den sich die zugelassene Angabe zum Stoffwechsel schwefelhaltiger Aminosäuren bezieht. Die Xanthinoxidase baut Purine zu Harnsäure ab, die Aldehydoxidase entgiftet bestimmte Fremdstoffe.

Der Bedarf ist winzig: 65 µg am Tag genügen. Schon eine Portion Linsen deckt ihn mehrfach.

Warum kein Mensch hierzulande zu wenig davon hat

Hülsenfrüchte, Getreide und Nüsse liefern reichlich Molybdän, und der Darm nimmt es fast vollständig auf. Repräsentative Zahlen für Deutschland gibt es nicht; in einer kleinen Untersuchung lag die Zufuhr bei gemischter Kost um 90 bis 100 µg am Tag und damit über dem Schätzwert der EFSA. Ein ernährungsbedingter Mangel ist in der Literatur schlicht nicht beschrieben — die einzigen dokumentierten Fälle traten unter jahrelanger künstlicher Ernährung auf.

Der Grund, warum Molybdän trotzdem in fast jedem Multipräparat auftaucht, ist ein anderer: Es darf mit einer zugelassenen Angabe beworben werden, kostet in dieser Menge fast nichts und verlängert die Zutatenliste um eine Zeile, die Vollständigkeit signalisiert.

Der einzige Punkt, an dem es interessant wird

Sehr hohe Molybdänzufuhr über lange Zeit — beschrieben aus Regionen Armeniens mit molybdänreichen Böden — geht mit erhöhten Harnsäurewerten und gichtähnlichen Beschwerden einher. Mit den Mengen in Nahrungsergänzungsmitteln ist das nicht zu erreichen, wohl aber ein Argument gegen hochdosierte Einzelpräparate, für die es ohnehin keinen Anlass gibt.

Umgekehrt gilt: Wer wegen Kupferüberladung behandelt wird, sollte Molybdän nicht auf eigene Faust ergänzen. Die beiden Spurenelemente arbeiten gegeneinander, und das wird therapeutisch genutzt.

Molybdän — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Natriummolybdat hoch Die übliche Form in Nahrungsergänzungsmitteln, wird zu 80 bis 90 Prozent aufgenommen.
Ammoniummolybdat hoch Gleichwertig aufgenommen, in der EU ebenfalls als Nährstoffquelle zugelassen.
Molybdänhefe mittel Organisch gebunden aus angereicherter Hefe, ohne belegten Vorteil gegenüber dem Molybdat.

Molybdän einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: Beliebig. Unabhängig von einer Mahlzeit.

Die Aufnahme im Dünndarm läuft passiv und ist kaum von der Mahlzeit abhängig. Überschüssiges Molybdän wird zügig über den Urin ausgeschieden.

Molybdän Wechselwirkungen

Kupfer

hemmt

Molybdän und Kupfer sind Gegenspieler. Sehr hohe Molybdängaben erhöhen die Kupferausscheidung — in der Medizin wird dieser Effekt bei Morbus Wilson gezielt genutzt.

Schwefelhaltige Verbindungen

hemmt

Eine hohe Sulfatzufuhr senkt die Molybdänaufnahme im Darm.

Wer auf Molybdän besonders achten sollte

  • Menschen unter langjähriger künstlicher Ernährung ohne Spurenelementzusatz
  • Menschen mit der sehr seltenen erblichen Molybdän-Cofaktor-Defizienz — hier hilft keine Nahrungsergänzung, sondern eine spezielle Therapie

Mangel an Molybdän — Symptome und Anzeichen

  • Ein ernährungsbedingter Mangel ist beim Menschen nicht beschrieben
  • Unter künstlicher Ernährung wurden einmalig Herzrasen, Kopfschmerz und Nachtblindheit berichtet

Diese Zeichen sind unspezifisch und können viele andere Ursachen haben. Sie ersetzen keine Diagnose.

Molybdän in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen) 100–200 µg je 100 g
Haferflocken 50 µg je 100 g
Sonnenblumenkerne 100 µg je 100 g
Rinderleber 100 µg je 100 g
Vollkornbrot 25 µg je 100 g

Häufige Fragen zu Molybdän

01Wann sollte man Molybdän einnehmen?

Beliebig. Auf nüchternen Magen, mit Abstand zu den Mahlzeiten. Die Aufnahme im Dünndarm läuft passiv und ist kaum von der Mahlzeit abhängig. Überschüssiges Molybdän wird zügig über den Urin ausgeschieden.

02Wie viel Molybdän am Tag?

Der Nährstoffbezugswert nach LMIV liegt bei 50 µg am Tag. 65 µg am Tag (EFSA, angemessene Zufuhr für Erwachsene); in einer kleinen deutschen Untersuchung lag die Zufuhr bei rund 90–100 µg, repräsentative Daten fehlen. In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 50–100 µg am Tag; das BfR schlägt höchstens 80 µg je Tagesdosis eines Präparats vor.

03Wie viel Molybdän ist zu viel?

Die empfohlene Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel liegt bei 80 µg je Tagesdosis eines Präparats. BfR-Höchstmengenvorschlag. Die tolerierbare Gesamtzufuhr liegt bei 600 µg am Tag (Wissenschaftlicher Lebensmittelausschuss der EU, 2000). Sehr hohe Zufuhr über Jahre steht mit gichtähnlichen Gelenkbeschwerden in Verbindung.

04Welche Wechselwirkungen hat Molybdän?

Zu beachten sind Kupfer und Schwefelhaltige Verbindungen. Kupfer: Molybdän und Kupfer sind Gegenspieler. Sehr hohe Molybdängaben erhöhen die Kupferausscheidung — in der Medizin wird dieser Effekt bei Morbus Wilson gezielt genutzt. Schwefelhaltige Verbindungen: Eine hohe Sulfatzufuhr senkt die Molybdänaufnahme im Darm.

05Für wen ist Molybdän nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Menschen unter langjähriger künstlicher Ernährung ohne Spurenelementzusatz; Menschen mit der sehr seltenen erblichen Molybdän-Cofaktor-Defizienz — hier hilft keine Nahrungsergänzung, sondern eine spezielle Therapie. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06Woran erkennt man einen Molybdän-Mangel?

Mögliche Anzeichen sind Ein ernährungsbedingter Mangel ist beim Menschen nicht beschrieben und Unter künstlicher Ernährung wurden einmalig Herzrasen, Kopfschmerz und Nachtblindheit berichtet. Keines davon ist für sich beweisend — Sicherheit gibt erst die Messung im Blut.

07In welchen Lebensmitteln steckt Molybdän?

Gute Quellen sind Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen) (100–200 µg je 100 g), Haferflocken (50 µg je 100 g), Sonnenblumenkerne (100 µg je 100 g), Rinderleber (100 µg je 100 g) und Vollkornbrot (25 µg je 100 g).

08Welche Form von Molybdän ist am besten?

Gut aufgenommen werden Natriummolybdat und Ammoniummolybdat. Zu Natriummolybdat: Die übliche Form in Nahrungsergänzungsmitteln, wird zu 80 bis 90 Prozent aufgenommen.

09Womit darf für Molybdän geworben werden?

Zugelassen sind nach der Unionsliste unter anderem: „Molybdän trägt zu einer normalen Verstoffwechselung schwefelhaltiger Aminosäuren bei“. Bedingung: mindestens 7,5 µg je 100 g bzw. je Portion (15 % des Referenzwerts).

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Belege

  1. 01 Dietary Reference Values for molybdenum · European Food Safety Authority · 2013
  2. 02 Höchstmengenvorschläge für Molybdän in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmittel · Bundesinstitut für Risikobewertung · 2021
  3. 03 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 — Unionsliste zulässiger Angaben · Europäische Kommission · 2012

Siehe auch

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