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III · Spurenelemente

Arsen

auch: As · Arsenik · anorganisches Arsen · Arsenobetain

In Tierversuchen möglicherweise essenziell, für den Menschen ein Karzinogen der höchsten Gruppe — und in Reis das praktische Problem.

Studienlage

Sehr gut belegt, von Fachgesellschaften anerkannt

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Keine Angabe beantragt

Was über Arsen gesagt werden darf

Für diesen Stoff ist keine gesundheitsbezogene Angabe in der Unionsliste eingetragen. Es darf nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung geworben werden.

Arsen steht nicht auf der Liste der Stoffe, die Nahrungsergänzungsmitteln zugesetzt werden dürfen. Die IARC führt anorganisches Arsen in Gruppe 1 — krebserzeugend für den Menschen, gesichert. Homöopathische Zubereitungen wie Arsenicum album unterliegen dem Arzneimittelrecht und enthalten in den üblichen Potenzen kein Arsen mehr.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Die Essenzialitätsfrage

In Fütterungsversuchen mit Ziegen, Ratten und Hühnern führte extrem arsenarmes Futter zu schlechterem Wachstum und Fortpflanzungsproblemen. Aus diesen Arbeiten stammt die Bezeichnung Arsen als möglicherweise essenzielles Ultraspurenelement, die bis heute in Tabellen steht.

Für den Menschen ist keine Funktion bekannt, kein Enzym benötigt es, kein Mangel wurde je beobachtet — und selbst wenn eine Funktion bestünde, wären die dafür nötigen Mengen so gering, dass jede Kost sie liefert.

Diesem theoretischen Nutzen steht ein gesicherter Schaden gegenüber. Die Krebsforschungsagentur der WHO führt anorganisches Arsen in Gruppe 1: krebserzeugend für den Menschen, gesichert — dieselbe Gruppe wie Tabakrauch und Asbest.

Die Frage nach der Essenzialität ist damit praktisch bedeutungslos.

Zwei Arsenarten, ein Name

Für die Bewertung entscheidend ist die Form.

Anorganisches Arsen ist das giftige. Es stammt aus dem Boden und dem Grundwasser und gelangt über Pflanzen in die Nahrung.

Organisches Arsen, vor allem Arsenobetain, findet sich in Fisch und Meeresfrüchten. Es gilt als praktisch ungiftig und wird unverändert ausgeschieden.

Das erklärt eine wiederkehrende Verwirrung: Messungen des Gesamtarsens in Fisch ergeben hohe Werte, die für sich genommen alarmierend aussehen und es nicht sind. Erst die Aufteilung nach Form ergibt ein Bild.

Warum Reis das Thema ist

Reis wächst überflutet. Unter Wasser ist der Boden sauerstoffarm, und Arsen liegt dort in einer Form vor, die die Pflanze besonders gut aufnimmt — deutlich besser als Weizen oder Mais.

Für Erwachsene mit gemischter Kost ist das überschaubar. Bezogen auf das Körpergewicht sind Säuglinge und Kleinkinder am stärksten betroffen, für die Reiswaffeln, Reisbrei und Reisdrink gängige Nahrungsmittel sind. Für diese Erzeugnisse gelten deshalb die strengsten Höchstwerte.

Das BfR rät davon ab, Reisdrink als Milchersatz für Kleinkinder zu verwenden.

Was in der Küche hilft

Reis in reichlich Wasser kochen und das Kochwasser weggießen — wie Nudeln, nicht als Quellreis. Damit lässt sich der Arsengehalt um die Hälfte senken, vorheriges Einweichen steigert den Effekt noch.

Basmati und Reis aus Indien und Pakistan enthalten im Mittel weniger als Reis aus den USA; Vollkornreis mehr als weißer, weil Arsen sich in den Randschichten anreichert. Das ist einer der seltenen Fälle, in denen die Vollkornvariante nicht in jeder Hinsicht die bessere ist.

Abwechslung im Getreide löst das Problem ohnehin zuverlässiger als jeder Kochtrick.

Die homöopathische Nebenlinie

Arsenicum album gehört zu den verbreiteten homöopathischen Mitteln. In den üblichen Potenzen ab D23 ist rechnerisch kein Molekül des Ausgangsstoffs mehr enthalten.

Bei niedrigen Potenzen — D4 und darunter — ist das anders, weshalb solche Zubereitungen dem Arzneimittelrecht unterliegen und apothekenpflichtig sind. Berichte über Arsenvergiftungen durch importierte ayurvedische und homöopathische Erzeugnisse aus ungeprüfter Quelle gibt es vereinzelt.

Arsen — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Anorganisches Arsen hoch Die giftige Form — in Grundwasser, Reis und Getreide. Wird nahezu vollständig aufgenommen.
Arsenobetain hoch Die organische Form in Fisch und Meeresfrüchten. Gilt als praktisch ungiftig und wird unverändert ausgeschieden — der Grund, warum Gesamtarsenwerte in Fisch irreführend hoch aussehen.
Arsentrioxid als Arzneimittel hoch Zugelassen zur Behandlung einer bestimmten Leukämieform, wo es sehr wirksam ist. Ein Beispiel dafür, dass die Dosis und der Zweck über alles entscheiden.

Arsen Wechselwirkungen

Selen

hemmt

Selen und Arsen binden einander und werden gemeinsam ausgeschieden — ein in Forschung und Trinkwasseraufbereitung beachteter Zusammenhang.

Folat

verstärkt

Der Körper entgiftet Arsen durch Methylierung. Ein guter Folatstatus verbessert diesen Weg.

Wer auf Arsen besonders achten sollte

  • Säuglinge und Kleinkinder — Reiswaffeln und Reisbrei sind bezogen auf das Körpergewicht die größte Quelle
  • Menschen mit überwiegend reisbasierter Ernährung
  • Bei Zöliakie, weil glutenfreie Produkte häufig reisbasiert sind

Arsen in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Reis und Reisprodukte die wichtigste Quelle für anorganisches Arsen in der europäischen Ernährung
Reiswaffeln, Reisdrink, Reisbrei bezogen auf das Körpergewicht bei Kindern besonders relevant
Fisch und Meeresfrüchte hoher Gesamtarsengehalt, aber fast ausschließlich als ungiftiges Arsenobetain

Häufige Fragen zu Arsen

01Wann sollte man Arsen einnehmen?

Keine Empfehlung. Auf nüchternen Magen, mit Abstand zu den Mahlzeiten. Reis in reichlich Wasser kochen und das Kochwasser weggießen senkt den Arsengehalt deutlich. Vorheriges Einweichen verstärkt den Effekt.

02Wie viel Arsen am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind Keine — jede gezielte Zufuhr ist abzulehnen.

03Wie viel Arsen ist zu viel?

Die empfohlene Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel liegt bei 0,1 mg je kg für Reiswaffeln und Reis für Säuglingsnahrung, 0,15–0,25 mg je kg für Reis. Verordnung (EU) 2023/915 über Höchstgehalte für Kontaminanten. Die EFSA konnte für anorganisches Arsen keine sichere Aufnahmemenge angeben — es gibt keine Schwelle, unterhalb derer eine krebserzeugende Wirkung ausgeschlossen wäre. Die Regel lautet deshalb nicht Höchstmenge, sondern so wenig wie möglich.

04Welche Wechselwirkungen hat Arsen?

Zu beachten sind Selen und Folat. Selen: Selen und Arsen binden einander und werden gemeinsam ausgeschieden — ein in Forschung und Trinkwasseraufbereitung beachteter Zusammenhang. Folat: Der Körper entgiftet Arsen durch Methylierung. Ein guter Folatstatus verbessert diesen Weg.

05Für wen ist Arsen nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Säuglinge und Kleinkinder — Reiswaffeln und Reisbrei sind bezogen auf das Körpergewicht die größte Quelle; Menschen mit überwiegend reisbasierter Ernährung; Bei Zöliakie, weil glutenfreie Produkte häufig reisbasiert sind. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06In welchen Lebensmitteln steckt Arsen?

Gute Quellen sind Reis und Reisprodukte (die wichtigste Quelle für anorganisches Arsen in der europäischen Ernährung), Reiswaffeln, Reisdrink, Reisbrei (bezogen auf das Körpergewicht bei Kindern besonders relevant) und Fisch und Meeresfrüchte (hoher Gesamtarsengehalt, aber fast ausschließlich als ungiftiges Arsenobetain).

07Welche Form von Arsen ist am besten?

Gut aufgenommen werden Anorganisches Arsen, Arsenobetain und Arsentrioxid als Arzneimittel. Zu Anorganisches Arsen: Die giftige Form — in Grundwasser, Reis und Getreide. Wird nahezu vollständig aufgenommen.

08Womit darf für Arsen geworben werden?

Nichts. Arsen steht nicht auf der Liste der Stoffe, die Nahrungsergänzungsmitteln zugesetzt werden dürfen. Die IARC führt anorganisches Arsen in Gruppe 1 — krebserzeugend für den Menschen, gesichert. Homöopathische Zubereitungen wie Arsenicum album unterliegen dem Arzneimittelrecht und enthalten in den üblichen Potenzen kein Arsen mehr.

Belege

  1. 01 Scientific Opinion on arsenic in food · Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit
  2. 02 Verordnung (EU) 2023/915 über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten · Europäische Union · 2023
  3. 03 Arsen in Reis und Reisprodukten — Stellungnahme · Bundesinstitut für Risikobewertung

Siehe auch

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