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III · Spurenelemente

Chrom

auch: Chrom(III) · Chrompicolinat · Chromhefe · Cr

Das Spurenelement mit einem zugelassenen Blutzucker-Claim — und der offenen Frage, ob der Mensch es überhaupt braucht.

Studienlage

Mehrere kontrollierte Studien, Bild noch nicht geschlossen

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Zugelassene Angabe

Was über Chrom gesagt werden darf

Für diesen Stoff stehen gesundheitsbezogene Angaben in der Unionsliste (VO (EU) 432/2012). Sie dürfen im angegebenen Wortlaut verwendet werden.

  1. 01

    „Chrom trägt zu einem normalen Stoffwechsel von Makronährstoffen bei“

    Bedingung mindestens 6 µg je 100 g bzw. je Portion (15 % des Referenzwerts)

  2. 02

    „Chrom trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutzuckerspiegels bei“

    Bedingung mindestens 6 µg je 100 g bzw. je Portion

Beide Angaben sind zugelassen und dürfen im Wortlaut verwendet werden. „Normaler Blutzuckerspiegel“ meint ausdrücklich die Erhaltung beim Gesunden — eine Aussage zur Behandlung von Diabetes wäre eine krankheitsbezogene Werbung und damit verboten.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Ein zugelassener Claim, ein bestrittener Bedarf

Chrom ist der seltene Fall eines Stoffes, für den eine Blutzucker-Angabe in der Unionsliste steht, während die Fachwelt streitet, ob der Mensch ihn überhaupt als Nährstoff braucht. Die EFSA hat 2014 die Bedarfsableitung eingestellt: Bei gesunden Menschen mit normaler Ernährung ist nie ein Mangel nachgewiesen worden, der sich durch Chromgabe beheben ließ.

Die zugelassenen Angaben stammen aus der ersten Bewertungsrunde 2010 und bleiben gültig — die Unionsliste wird nicht rückwirkend an neue Bewertungen angepasst. Wer ein Chrompräparat kauft, kauft also einen rechtlich einwandfrei beworbenen Stoff mit dünner Bedarfsgrundlage.

Was die Studien zum Blutzucker wirklich zeigen

Untersuchungen an Menschen mit Typ-2-Diabetes fanden bei Dosierungen um 200 bis 1.000 µg teilweise leicht gesenkte Nüchternwerte und HbA1c-Werte. Die Ergebnisse sind uneinheitlich, die Effekte klein, und die überzeugendsten Befunde stammen aus Regionen mit ohnehin knapper Chromversorgung. Bei gut versorgten Menschen ohne Diabetes zeigt sich nichts.

Wichtig für die Einordnung: Ein Nahrungsergänzungsmittel darf nicht zur Behandlung eines erhöhten Blutzuckers angeboten werden. Wer wegen Diabetes zu Chrom greift, sollte das mit der behandelnden Praxis besprechen, statt es an der Therapie vorbei einzunehmen.

Worauf beim Kauf zu achten ist

Nur dreiwertiges Chrom ist zulässig. Die Angabe „Chrom“ ohne Wertigkeit auf dem Etikett meint in Lebensmitteln immer Chrom(III) — die krebserregende sechswertige Form kommt in Nahrungsergänzungsmitteln nicht vor und wird von manchen Anbietern nur zur Abgrenzung erwähnt.

Bei den Dosierungen fällt auf, dass viele Präparate 200 µg enthalten und damit über dem BfR-Vorschlag von 60 µg liegen. Ein Schaden ist bei Chrom(III) daraus nicht abzuleiten, ein Zusatznutzen aber ebenso wenig.

Chrom — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Chrom(III)-picolinat hoch Die in Studien am häufigsten eingesetzte Form. In sehr hoher Dosierung wurde in Zellversuchen eine Erbgutschädigung beobachtet, weshalb das BfR sie zurückhaltend bewertet.
Chrom(III)-chlorid niedrig Die älteste Form, der Körper nimmt weniger als ein Prozent auf. Trotzdem noch häufig in günstigen Präparaten.
Chromhefe hoch Chrom in organischer Bindung aus angereicherter Bierhefe. Gut verträglich, für Menschen mit Hefeallergie ungeeignet.
Chrom(III)-nicotinat mittel An Niacin gebunden, in der EU als Nährstoffquelle zugelassen.

Chrom Wechselwirkungen

Blutzuckersenkende Medikamente

verstärkt

Chrom kann die Insulinwirkung geringfügig verstärken. Unter Insulin oder Sulfonylharnstoffen daher nur nach ärztlicher Rücksprache ergänzen.

Antazida und Protonenpumpenhemmer

hemmt

Ein weniger saures Magenmilieu senkt die ohnehin geringe Aufnahmerate weiter.

Zink und Eisen

hemmt

Konkurrieren um dieselben Transportwege. Zeitversetzt einnehmen.

Wer auf Chrom besonders achten sollte

  • Menschen mit stark zuckerbetonter Ernährung — Zucker erhöht die Ausscheidung über den Urin
  • Menschen unter parenteraler Langzeiternährung
  • Leistungssportler mit hohem Schweißverlust

Mangel an Chrom — Symptome und Anzeichen

  • Ein isolierter Chrommangel ist beim Menschen nur unter künstlicher Ernährung beschrieben worden
  • Beobachtet wurden dabei erhöhte Blutzuckerwerte und eine Gewichtsabnahme

Diese Zeichen sind unspezifisch und können viele andere Ursachen haben. Sie ersetzen keine Diagnose.

Chrom in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Bierhefe bis 200 µg je 100 g
Weizenkeime 55 µg je 100 g
Paranüsse 100 µg je 100 g
Rindfleisch 10–20 µg je 100 g
Vollkornbrot 15 µg je 100 g

Häufige Fragen zu Chrom

01Wann sollte man Chrom einnehmen?

Zu einer Mahlzeit. Vitamin C verbessert die Aufnahme, Calcium und Zink in hoher Dosis verschlechtern sie. Phytat aus Vollkorn hemmt ebenfalls.

02Wie viel Chrom am Tag?

Der Nährstoffbezugswert nach LMIV liegt bei 40 µg am Tag. Die EFSA leitet seit 2014 keinen Bedarfswert mehr ab, weil ein Mangel beim gesunden Menschen nie zweifelsfrei gezeigt wurde. D-A-CH gibt einen Schätzwert von 30–100 µg am Tag an. In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 40–200 µg am Tag.

03Wie viel Chrom ist zu viel?

Die empfohlene Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel liegt bei 60 µg am Tag zusätzlich zur Nahrung. BfR-Höchstmengenvorschlag für Chrom(III) in Nahrungsergänzungsmitteln. Nur dreiwertiges Chrom(III) ist als Nährstoff zugelassen. Das sechswertige Chrom(VI) aus der Industrie ist ein Krebserreger und hat mit dem Nährstoff nichts zu tun.

04Welche Wechselwirkungen hat Chrom?

Zu beachten sind Blutzuckersenkende Medikamente; Antazida und Protonenpumpenhemmer; Zink und Eisen. Blutzuckersenkende Medikamente: Chrom kann die Insulinwirkung geringfügig verstärken. Unter Insulin oder Sulfonylharnstoffen daher nur nach ärztlicher Rücksprache ergänzen. Antazida und Protonenpumpenhemmer: Ein weniger saures Magenmilieu senkt die ohnehin geringe Aufnahmerate weiter. Zink und Eisen: Konkurrieren um dieselben Transportwege. Zeitversetzt einnehmen.

05Für wen ist Chrom nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Menschen mit stark zuckerbetonter Ernährung — Zucker erhöht die Ausscheidung über den Urin; Menschen unter parenteraler Langzeiternährung; Leistungssportler mit hohem Schweißverlust. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06Woran erkennt man einen Chrom-Mangel?

Mögliche Anzeichen sind Ein isolierter Chrommangel ist beim Menschen nur unter künstlicher Ernährung beschrieben worden und Beobachtet wurden dabei erhöhte Blutzuckerwerte und eine Gewichtsabnahme. Keines davon ist für sich beweisend — Sicherheit gibt erst die Messung im Blut.

07In welchen Lebensmitteln steckt Chrom?

Gute Quellen sind Bierhefe (bis 200 µg je 100 g), Weizenkeime (55 µg je 100 g), Paranüsse (100 µg je 100 g), Rindfleisch (10–20 µg je 100 g) und Vollkornbrot (15 µg je 100 g).

08Welche Form von Chrom ist am besten?

Gut aufgenommen werden Chrom(III)-picolinat und Chromhefe. Schlechter verfügbar ist Chrom(III)-chlorid. Zu Chrom(III)-picolinat: Die in Studien am häufigsten eingesetzte Form. In sehr hoher Dosierung wurde in Zellversuchen eine Erbgutschädigung beobachtet, weshalb das BfR sie zurückhaltend bewertet.

09Womit darf für Chrom geworben werden?

Zugelassen sind nach der Unionsliste unter anderem: „Chrom trägt zu einem normalen Stoffwechsel von Makronährstoffen bei“. Bedingung: mindestens 6 µg je 100 g bzw. je Portion (15 % des Referenzwerts). Insgesamt sind 2 Angaben zugelassen.

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Belege

  1. 01 Scientific Opinion on Dietary Reference Values for chromium · European Food Safety Authority · 2014
  2. 02 Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln · Bundesinstitut für Risikobewertung · 2021
  3. 03 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 — Unionsliste zulässiger Angaben · Europäische Kommission · 2012

Siehe auch

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