Ein Element, dessen Werbung genau das behauptet, was verboten ist
Kieselerde steht seit Jahrzehnten in jedem Drogeriemarkt, immer mit denselben Bildern: volles
Haar, feste Nägel, glatte Haut. Die EFSA hat genau diese Anträge geprüft und abgelehnt. Es gibt
für Silicium keine einzige zugelassene Angabe.
Damit steht die Produktgruppe rechtlich auf demselben Boden wie Glucosamin oder L-Carnitin:
geprüft und zurückgewiesen. Übrig bleiben Bilder und Umschreibungen.
Warum die Verbindung fast alles entscheidet
Der Darm nimmt Silicium nur als gelöste Orthokieselsäure auf. Kieselerde ist dagegen
Siliciumdioxid — chemisch dasselbe Grundgerüst wie Sand und ähnlich schwer löslich. Der
deklarierte Siliciumgehalt sagt deshalb wenig darüber aus, was tatsächlich im Blut ankommt.
Studien mit messbaren Ergebnissen verwendeten fast durchweg cholinstabilisierte Orthokieselsäure,
also die aufwendig hergestellte lösliche Form. Ein Präparat, das 500 mg Kieselerde deklariert,
liefert unter Umständen weniger verwertbares Silicium als ein Liter Mineralwasser.
Was die Studien zeigen
Es gibt kleine kontrollierte Untersuchungen, meist mit ch-OSA über zwanzig Wochen, die eine
geringere Brüchigkeit der Nägel, eine höhere Haardicke und Verbesserungen an
Hautelastizitätsmessungen fanden. Die Teilnehmerzahlen liegen im zweistelligen Bereich, und ein
Teil der Arbeiten stammt aus dem Umfeld des Herstellers.
Für die Knochendichte gibt es Beobachtungsstudien mit günstigen Zusammenhängen, aber keine
belastbaren Interventionsstudien. In der Summe: ein plausibler Ansatz auf dünner Datenbasis —
genau die Einschätzung, die zur Ablehnung der Claims geführt hat.
Der praktische Hinweis, der mehr wert ist als das Präparat
Brüchige Nägel und dünner werdendes Haar haben in der Praxis meist andere Ursachen als
Siliciummangel: Eisenmangel, eine Schilddrüsenstörung, hormonelle Umstellungen, Medikamente oder
schlicht zu wenig Eiweiß. All das lässt sich abklären und beheben.
Wer zuerst ein halbes Jahr Kieselerde nimmt, verliert diese Zeit — und Haare wachsen langsam
genug, dass man den Unterschied ohnehin erst spät bemerkt.