Die wichtigste Regel für Marcumar-Patienten
Cumarin-Gerinnungshemmer wirken, indem sie den Vitamin-K-Kreislauf in der Leber blockieren. Daraus
schließen viele Betroffene, sie müssten vitamin-K-reiches Gemüse meiden — und streichen Grünkohl,
Spinat und Brokkoli vom Speiseplan.
Das ist der falsche Schluss. Die Dosis des Medikaments wird auf die individuelle Vitamin-K-Zufuhr
eingestellt. Was den INR-Wert instabil macht, sind nicht hohe Mengen, sondern schwankende
Mengen: eine Woche Grünkohl, dann drei Wochen nichts.
Die Regel lautet deshalb: gleichmäßig essen, nicht meiden. Wer seine Ernährung deutlich umstellt,
sollte das der behandelnden Praxis sagen, damit der INR kontrolliert wird.
K1 und K2 — dieselbe Vitaminfamilie, andere Wege
Vitamin K1 stammt aus grünem Blattgemüse und wird überwiegend von der Leber aufgenommen, wo die
Gerinnungsfaktoren gebildet werden. Es verschwindet rasch wieder aus dem Blut.
Vitamin K2 entsteht bei der Fermentation und im Darm, bleibt länger im Kreislauf und erreicht
auch Knochen und Gefäßwände. Daher die Aufteilung, die sich in der Vermarktung eingebürgert hat:
K1 für die Gerinnung, K2 für die Knochen.
Ganz so sauber ist die Trennung nicht — die zugelassenen Angaben gelten für Vitamin K insgesamt,
und beide Formen erfüllen beide Funktionen, nur mit unterschiedlichem Schwerpunkt.
Warum Neugeborene eine Prophylaxe bekommen
Vitamin K passiert die Plazenta nur schlecht, und Muttermilch enthält wenig davon. Neugeborene
starten deshalb mit sehr geringen Speichern.
Ohne Prophylaxe kann es zur Vitamin-K-Mangelblutung kommen — selten, aber potenziell mit
Hirnblutung und bleibenden Schäden. Deshalb erhalten Neugeborene in Deutschland bei den ersten
drei Vorsorgeuntersuchungen jeweils 2 mg Vitamin K oral.
Es ist eine der wirksamsten und am besten belegten Vorsorgemaßnahmen der Kinderheilkunde und
zugleich ein Beispiel dafür, dass ein Vitamin in bestimmten Lebenslagen ein Arzneimittel ist.
Die Aufnahme aus Gemüse
Vitamin K1 sitzt in den Chloroplasten und ist fest an Membranstrukturen gebunden. Aus rohem
Blattgemüse nimmt der Mensch nur etwa fünf bis zehn Prozent auf.
Erhitzen, Zerkleinern und vor allem Fett verbessern das erheblich. Ein Grünkohl mit Öl geschmort
liefert ein Vielfaches dessen, was der gleiche Grünkohl roh im Smoothie bringt — bei identischer
Nährwerttabelle.