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I · Vitamine

Vitamin K1

auch: Phyllochinon · Phytomenadion · Vitamin K · Konakion

Das Gerinnungsvitamin aus dem Blattgemüse — und der Grund, warum Marcumar-Patienten Grünkohl nicht meiden, sondern gleichmäßig essen sollten.

Studienlage

Sehr gut belegt, von Fachgesellschaften anerkannt

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Zugelassene Angabe

Was über Vitamin K1 gesagt werden darf

Für diesen Stoff stehen gesundheitsbezogene Angaben in der Unionsliste (VO (EU) 432/2012). Sie dürfen im angegebenen Wortlaut verwendet werden.

  1. 01

    „Vitamin K trägt zu einer normalen Blutgerinnung bei“

    Bedingung mindestens 11,25 µg je 100 g bzw. je Portion (15 % des Referenzwerts)

  2. 02

    „Vitamin K trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei“

    Bedingung mindestens 11,25 µg je 100 g bzw. je Portion

Die Angaben gelten für Vitamin K allgemein und damit für K1 wie für K2. Aussagen, die eine besondere Überlegenheit einer der beiden Formen behaupten, sind davon nicht gedeckt.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Die wichtigste Regel für Marcumar-Patienten

Cumarin-Gerinnungshemmer wirken, indem sie den Vitamin-K-Kreislauf in der Leber blockieren. Daraus schließen viele Betroffene, sie müssten vitamin-K-reiches Gemüse meiden — und streichen Grünkohl, Spinat und Brokkoli vom Speiseplan.

Das ist der falsche Schluss. Die Dosis des Medikaments wird auf die individuelle Vitamin-K-Zufuhr eingestellt. Was den INR-Wert instabil macht, sind nicht hohe Mengen, sondern schwankende Mengen: eine Woche Grünkohl, dann drei Wochen nichts.

Die Regel lautet deshalb: gleichmäßig essen, nicht meiden. Wer seine Ernährung deutlich umstellt, sollte das der behandelnden Praxis sagen, damit der INR kontrolliert wird.

K1 und K2 — dieselbe Vitaminfamilie, andere Wege

Vitamin K1 stammt aus grünem Blattgemüse und wird überwiegend von der Leber aufgenommen, wo die Gerinnungsfaktoren gebildet werden. Es verschwindet rasch wieder aus dem Blut.

Vitamin K2 entsteht bei der Fermentation und im Darm, bleibt länger im Kreislauf und erreicht auch Knochen und Gefäßwände. Daher die Aufteilung, die sich in der Vermarktung eingebürgert hat: K1 für die Gerinnung, K2 für die Knochen.

Ganz so sauber ist die Trennung nicht — die zugelassenen Angaben gelten für Vitamin K insgesamt, und beide Formen erfüllen beide Funktionen, nur mit unterschiedlichem Schwerpunkt.

Warum Neugeborene eine Prophylaxe bekommen

Vitamin K passiert die Plazenta nur schlecht, und Muttermilch enthält wenig davon. Neugeborene starten deshalb mit sehr geringen Speichern.

Ohne Prophylaxe kann es zur Vitamin-K-Mangelblutung kommen — selten, aber potenziell mit Hirnblutung und bleibenden Schäden. Deshalb erhalten Neugeborene in Deutschland bei den ersten drei Vorsorgeuntersuchungen jeweils 2 mg Vitamin K oral.

Es ist eine der wirksamsten und am besten belegten Vorsorgemaßnahmen der Kinderheilkunde und zugleich ein Beispiel dafür, dass ein Vitamin in bestimmten Lebenslagen ein Arzneimittel ist.

Die Aufnahme aus Gemüse

Vitamin K1 sitzt in den Chloroplasten und ist fest an Membranstrukturen gebunden. Aus rohem Blattgemüse nimmt der Mensch nur etwa fünf bis zehn Prozent auf.

Erhitzen, Zerkleinern und vor allem Fett verbessern das erheblich. Ein Grünkohl mit Öl geschmort liefert ein Vielfaches dessen, was der gleiche Grünkohl roh im Smoothie bringt — bei identischer Nährwerttabelle.

Vitamin K1 — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Phyllochinon (Vitamin K1) mittel Die Form aus grünem Blattgemüse. In der Pflanze fest an die Chloroplasten gebunden — aus rohem Gemüse wird nur ein kleiner Teil aufgenommen, mit Öl und Erhitzen deutlich mehr.
Phytomenadion (Arzneiform) hoch Synthetisches K1 als Arzneimittel — zur Vitamin-K-Prophylaxe bei Neugeborenen und als Gegenmittel bei Überdosierung von Cumarinen.
Menachinon (Vitamin K2) hoch Aus Fermentation und tierischen Quellen, in dieser Datenbank als eigener Eintrag geführt. Bleibt länger im Blut und erreicht auch Gewebe außerhalb der Leber.

Vitamin K1 einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: Zu einer fetthaltigen Mahlzeit. Am besten zusammen mit einer Mahlzeit.

Als fettlösliches Vitamin braucht K1 Fett zur Aufnahme. Ein Grünkohlsalat ohne Öl liefert einen Bruchteil dessen, was dieselbe Menge mit Dressing bringt.

Vitamin K1 Wechselwirkungen

Cumarin-Gerinnungshemmer

hemmt

Phenprocoumon und Warfarin wirken, indem sie den Vitamin-K-Kreislauf blockieren. Schwankende Vitamin-K-Zufuhr lässt den INR-Wert schwanken — nicht meiden, sondern gleichmäßig essen ist die richtige Regel.

Antibiotika

hemmt

Eine längere Therapie kann die vitamin-K-bildenden Darmbakterien vermindern.

Fettbindende Mittel und Gallensäurebinder

hemmt

Orlistat, Colestyramin und Pflanzensterine mindern die Aufnahme aller fettlöslichen Vitamine.

Vitamin E in hoher Dosis

hemmt

Sehr hohe Vitamin-E-Gaben können die Vitamin-K-Wirkung abschwächen und die Blutungsneigung erhöhen.

Wer auf Vitamin K1 besonders achten sollte

  • Neugeborene — sie haben nur geringe Speicher, weshalb die Prophylaxe fester Bestandteil der Vorsorgeuntersuchungen ist
  • Menschen mit Fettverdauungsstörungen, chronischen Darmerkrankungen oder Gallenwegsverschluss
  • Menschen unter langer Antibiotikatherapie

Mangel an Vitamin K1 — Symptome und Anzeichen

  • Verlängerte Blutungszeit und Neigung zu blauen Flecken
  • Bei Neugeborenen die Vitamin-K-Mangelblutung, die ohne Prophylaxe auch das Gehirn betreffen kann
  • Beim gesunden Erwachsenen ist ein Mangel selten

Diese Zeichen sind unspezifisch und können viele andere Ursachen haben. Sie ersetzen keine Diagnose.

Vitamin K1 in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Grünkohl 800 µg je 100 g
Spinat 380 µg je 100 g
Brokkoli 150 µg je 100 g
Rapsöl 150 µg je 100 g
Kopfsalat 110 µg je 100 g

Häufige Fragen zu Vitamin K1

01Wann sollte man Vitamin K1 einnehmen?

Zu einer fetthaltigen Mahlzeit. Als fettlösliches Vitamin braucht K1 Fett zur Aufnahme. Ein Grünkohlsalat ohne Öl liefert einen Bruchteil dessen, was dieselbe Menge mit Dressing bringt.

02Wie viel Vitamin K1 am Tag?

Der Nährstoffbezugswert nach LMIV liegt bei 75 µg am Tag. 60 µg (Frauen) bzw. 70 µg (Männer) am Tag nach D-A-CH-Referenzwerten. In Präparaten meist 50–200 µg; über die Ernährung werden in Deutschland 200–400 µg erreicht.

03Wie viel Vitamin K1 ist zu viel?

Die empfohlene Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel liegt bei 80 µg am Tag zusätzlich zur Nahrung. BfR-Höchstmengenvorschlag für Vitamin K in Nahrungsergänzungsmitteln. Eine Überdosierung mit natürlichem Vitamin K1 ist nicht bekannt. Der entscheidende Punkt ist nicht die Menge, sondern ihre Gleichmäßigkeit — bei Cumarintherapie zählt die konstante Zufuhr.

04Welche Wechselwirkungen hat Vitamin K1?

Zu beachten sind Cumarin-Gerinnungshemmer; Antibiotika; Fettbindende Mittel und Gallensäurebinder; Vitamin E in hoher Dosis. Cumarin-Gerinnungshemmer: Phenprocoumon und Warfarin wirken, indem sie den Vitamin-K-Kreislauf blockieren. Schwankende Vitamin-K-Zufuhr lässt den INR-Wert schwanken — nicht meiden, sondern gleichmäßig essen ist die richtige Regel. Antibiotika: Eine längere Therapie kann die vitamin-K-bildenden Darmbakterien vermindern. Fettbindende Mittel und Gallensäurebinder: Orlistat, Colestyramin und Pflanzensterine mindern die Aufnahme aller fettlöslichen Vitamine.

05Für wen ist Vitamin K1 nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Neugeborene — sie haben nur geringe Speicher, weshalb die Prophylaxe fester Bestandteil der Vorsorgeuntersuchungen ist; Menschen mit Fettverdauungsstörungen, chronischen Darmerkrankungen oder Gallenwegsverschluss; Menschen unter langer Antibiotikatherapie. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06Woran erkennt man einen Vitamin K1-Mangel?

Mögliche Anzeichen sind Verlängerte Blutungszeit und Neigung zu blauen Flecken, Bei Neugeborenen die Vitamin-K-Mangelblutung, die ohne Prophylaxe auch das Gehirn betreffen kann und Beim gesunden Erwachsenen ist ein Mangel selten. Keines davon ist für sich beweisend — Sicherheit gibt erst die Messung im Blut.

07In welchen Lebensmitteln steckt Vitamin K1?

Gute Quellen sind Grünkohl (800 µg je 100 g), Spinat (380 µg je 100 g), Brokkoli (150 µg je 100 g), Rapsöl (150 µg je 100 g) und Kopfsalat (110 µg je 100 g).

08Welche Form von Vitamin K1 ist am besten?

Gut aufgenommen werden Phytomenadion (Arzneiform) und Menachinon (Vitamin K2). Zu Phytomenadion (Arzneiform): Synthetisches K1 als Arzneimittel — zur Vitamin-K-Prophylaxe bei Neugeborenen und als Gegenmittel bei Überdosierung von Cumarinen.

09Womit darf für Vitamin K1 geworben werden?

Zugelassen sind nach der Unionsliste unter anderem: „Vitamin K trägt zu einer normalen Blutgerinnung bei“. Bedingung: mindestens 11,25 µg je 100 g bzw. je Portion (15 % des Referenzwerts). Insgesamt sind 2 Angaben zugelassen.

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Belege

  1. 01 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 — Unionsliste zulässiger Angaben · Europäische Kommission · 2012
  2. 02 Dietary Reference Values for vitamin K · European Food Safety Authority · 2017
  3. 03 Leitlinie Vitamin-K-Prophylaxe bei Neugeborenen · Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin

Siehe auch

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