Der Pflanzenstoff, der sich mit der Standardtherapie gemessen hat
Unter den beruhigenden Pflanzen ist Lavendel der Sonderfall. Der Spezialextrakt Silexan ist in
mehreren randomisierten Studien nicht nur gegen Placebo, sondern gegen Lorazepam und gegen
Paroxetin geprüft worden — also gegen ein Benzodiazepin und ein Antidepressivum.
In diesen Untersuchungen war die Wirkung auf Angstskalen mit der von Lorazepam vergleichbar, ohne
dessen Abhängigkeitspotenzial und ohne die Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit. Für einen
Pflanzenextrakt ist das eine ungewöhnlich starke Position, und sie hat zur Arzneimittelzulassung
geführt.
Wie es wirkt
Die Hauptbestandteile Linalool und Linalylacetat greifen offenbar an spannungsabhängigen
Calciumkanälen an und dämpfen darüber die Erregbarkeit von Nervenzellen. Anders als
Benzodiazepine wirken sie nicht am GABA-Rezeptor — was erklärt, warum weder Toleranz noch
Entzugserscheinungen auftreten.
Was das für den Regalkauf bedeutet
Lavendelblütentee und Lavendelkapseln aus dem Drogeriemarkt bilden diese Studienlage nicht ab. Die
untersuchte Wirkung hängt an einem definierten Öl in definierter Menge, gewonnen aus Lavandula
angustifolia — nicht am billigeren Lavandin, das in der Duftindustrie dominiert.
Wer die Wirkung sucht, greift zum zugelassenen Arzneimittel. Alles andere ist Aromapflege, die
ihren eigenen Wert haben mag, aber nichts mit den Studien zu tun hat.
Die Grenze der Selbstbehandlung
Anhaltende Angst, Panikattacken und ausgeprägte Unruhe gehören fachlich beurteilt. Der Extrakt ist
für leichtere Unruhezustände gedacht und ersetzt weder Psychotherapie noch eine notwendige
medikamentöse Behandlung.
Für die Zwischenphase — belastende Wochen, innere Anspannung, gestörter Schlaf ohne
Krankheitswert — ist er eine der wenigen pflanzlichen Optionen mit belastbaren Daten.