Andere Moleküle als in der Sojabohne
Rotklee und Soja liefern beide Isoflavone, aber nicht dieselben. Soja enthält Genistein und
Daidzein direkt, Rotklee ihre methylierten Vorstufen Formononetin und Biochanin A.
Der Körper baut die Vorstufen um, sodass am Ende ähnliche Stoffe entstehen. Wie vollständig das
gelingt, ist von Mensch zu Mensch verschieden — ein Grund, warum Studien mit Rotklee schwerer zu
vergleichen sind als solche mit Soja.
Hinzu kommt eine zweite Unbekannte: Nur ein Teil der Menschen besitzt
Darmbakterien, die aus Daidzein den deutlich wirksameren Stoff Equol bilden. Wer das nicht kann,
spricht auf Isoflavone vermutlich schlechter an — bei Rotklee wie bei Soja.
Was die Auswertungen zeigen
Die Cochrane-Auswertung zu Phytoöstrogenen bei Hitzewallungen umfasst mehrere Rotkleestudien.
Ihr Ergebnis ist ernüchternd: kein überzeugender Vorteil gegenüber Scheinpräparat.
Die Einzelstudien schwanken erheblich, und die Scheinpräparat-Gruppen zeigen in dieser Indikation
regelmäßig starke Besserungen — bei Hitzewallungen ist der Placeboeffekt besonders ausgeprägt.
Wer eine positive Einzelstudie zitiert bekommt, sollte danach fragen, wie viele es insgesamt gab.
Die Warnung des BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat sich mit isolierten Isoflavonpräparaten befasst und
kommt zu einem ungewöhnlich deutlichen Schluss: Bei hoher Dosis über längere Zeit kann eine
Wirkung auf Brustdrüsengewebe und Gebärmutterschleimhaut nicht ausgeschlossen werden.
Entscheidend ist das Wort isoliert: Das BfR trennt die natürliche Form über die Nahrung von der
isolierten Form im Präparat.
Eine Kapsel mit 80 mg konzentrierten Isoflavonen ist etwas anderes als eine Portion Tofu.
Die Cumarin-Nebenlinie
Rotklee enthält Cumarine — dieselbe Stoffgruppe, die Zimt seinen Grenzwert eingebracht hat und
aus der die Gerinnungshemmer entwickelt wurden.
In verdorbenem, verschimmeltem Steinklee entsteht daraus Dicumarol, das in den zwanziger Jahren
Rinder verbluten ließ und den Ausgangspunkt für die Entwicklung von Warfarin bildete. Beim
frischen Rotklee in üblicher Menge besteht diese Gefahr nicht.
Erwähnenswert bleibt es, weil es zeigt, wie nah pflanzliche Alltagsdrogen an wirksamen
Arzneistoffen liegen.
Die Einordnung
Wer in den Wechseljahren pflanzlich vorgehen möchte, findet in der Rhabarberwurzel die
belastbarere Möglichkeit. Rotklee ist das schwächere Angebot: abgelehnte Claims, uneinheitliche
Studien und eine behördliche Warnung für die hohen Dosen.