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VIII · Weitere Stoffe

Beta-Carotin

auch: Provitamin A · Carotin · E 160a · Carotinoide

Vorstufe von Vitamin A — und der Nährstoff, der in zwei großen Studien bei Rauchern die Lungenkrebsrate erhöhte.

Studienlage

Sehr gut belegt, von Fachgesellschaften anerkannt

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Keine Angabe beantragt

Was über Beta-Carotin gesagt werden darf

Für diesen Stoff ist keine gesundheitsbezogene Angabe in der Unionsliste eingetragen. Es darf nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung geworben werden.

Für Beta-Carotin selbst steht keine gesundheitsbezogene Angabe in der Unionsliste. Erlaubt sind die Vitamin-A-Angaben, sofern das Erzeugnis die entsprechende Menge als Retinol-Äquivalent liefert. Aussagen zu Hautbräunung, Sonnenschutz oder Zellschutz sind nicht gedeckt.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Der Fall, der die Nahrungsergänzung verändert hat

In den 1990er Jahren galt Beta-Carotin als sichere Wette. Menschen mit hoher Carotinoidzufuhr erkrankten seltener an Lungenkrebs — das zeigten Beobachtungsstudien übereinstimmend. Zwei große Studien sollten den Beweis liefern.

Die finnische ATBC-Studie gab 20 mg Beta-Carotin täglich an über 29.000 Raucher. Die amerikanische CARET-Studie gab 30 mg an Raucher und Asbestexponierte. Beide fanden nicht weniger, sondern mehr Lungenkrebs in der Beta-Carotin-Gruppe — CARET wurde vorzeitig abgebrochen.

Dieser Befund ist das Lehrstück der gesamten Nahrungsergänzungsforschung. Er zeigt, dass sich aus einem Nährstoff, der in Lebensmitteln mit niedrigem Risiko einhergeht, kein isoliertes Präparat mit demselben Nutzen ableiten lässt. Was in der Möhre gut ist, ist in der Kapsel nicht zwangsläufig gut.

Die Höchstmenge und wer sie einhalten muss

Das BfR schlägt 3,5 mg je Tagesverzehrempfehlung als Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel vor. In den beiden großen Studien erhöhten 20 bis 30 mg täglich bei Rauchern und Asbestexponierten das Lungenkrebsrisiko.

Die Zahlen beziehen sich auf Präparate, nicht auf Gemüse.

Warum die Möhre Fett braucht

Beta-Carotin steckt in Chromoplasten innerhalb der Pflanzenzelle und ist fettlöslich. Aus einer rohen, ganzen Möhre nimmt der Mensch nur wenige Prozent auf. Fein reiben, kurz erhitzen und mit Öl kombinieren steigert die Ausbeute erheblich.

Wer sehr viel davon isst, bekommt gelegentlich gelblich verfärbte Handflächen — die Karotinodermie. Sie ist harmlos, verschwindet nach einigen Wochen und lässt sich von einer Gelbsucht daran unterscheiden, dass das Augenweiß weiß bleibt.

Die Bräunungskapseln

Beta-Carotin wird als Sonnenschutz von innen und als Bräunungshilfe verkauft. Ein UV-Schutz ist daraus nicht abzuleiten, und beworben werden darf er nicht.

Was eintritt, ist eine leichte Verfärbung der Haut durch Einlagerung — Bräunung ohne Sonne, kosmetisch vielleicht erwünscht, aber ohne jede Schutzwirkung. Wer sich auf sie verlässt, geht schlechter geschützt in die Sonne als vorher.

Beta-Carotin — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Beta-Carotin aus Gemüse mittel Aus roher Möhre wird nur ein kleiner Teil aufgenommen — die Zellwände müssen aufgebrochen werden. Fein reiben, kurz garen und mit Fett servieren vervielfacht die Ausbeute.
Synthetisches Beta-Carotin hoch Als Farbstoff E 160a und in Präparaten. Die Form aus den kritischen Studien.
Natürliches Beta-Carotin aus Dunaliella salina hoch Aus einer Salzalge, enthält neben trans- auch cis-Isomere. Ob das den Unterschied zu den Studienergebnissen macht, ist ungeklärt.
Gemischte Carotinoide mittel Beta-Carotin zusammen mit Lutein, Lycopin und Alpha-Carotin — näher am natürlichen Muster als der isolierte Einzelstoff.

Beta-Carotin einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: Zur fetthaltigsten Mahlzeit. Am besten zusammen mit einer Mahlzeit.

Ohne Fett bleibt der größte Teil ungenutzt. Ein Löffel Öl zum Möhrensalat ist keine Küchenfolklore, sondern verdoppelt bis vervielfacht die Aufnahme.

Beta-Carotin Wechselwirkungen

Rauchen und Asbestexposition

Vorsicht

Die entscheidende Gegenanzeige. Hochdosiertes Beta-Carotin erhöhte in Studien die Lungenkrebsrate in genau diesen Gruppen.

Lutein und Lycopin

hemmt

Alle Carotinoide konkurrieren um dieselben Aufnahmewege. Hochdosiertes Beta-Carotin senkt die Lutein- und Lycopinspiegel messbar.

Orlistat und Pflanzensterine

hemmt

Beide senken die Fettaufnahme und damit die Aufnahme der Carotinoide.

Alkohol

Vorsicht

Bei hohem Alkoholkonsum ist die Umwandlung in Vitamin A verändert; die Kombination hoher Beta-Carotin-Gaben mit Alkohol wird kritisch bewertet.

Wer auf Beta-Carotin besonders achten sollte

  • Menschen mit gemüsearmer Ernährung
  • Nicht geeignet in hoher Dosierung für Raucher und ehemalige Raucher
  • Menschen mit Fettverdauungsstörungen, bei denen die Aufnahme vermindert ist

Mangel an Beta-Carotin — Symptome und Anzeichen

  • Als Provitamin Teil des Vitamin-A-Mangels — Nachtblindheit, trockene Augen, erhöhte Infektanfälligkeit
  • Beta-Carotin selbst gilt nicht als essenziell, weil Vitamin A auch direkt zugeführt werden kann

Diese Zeichen sind unspezifisch und können viele andere Ursachen haben. Sie ersetzen keine Diagnose.

Beta-Carotin in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Möhren 8 mg je 100 g
Süßkartoffeln 9 mg je 100 g
Grünkohl 5 mg je 100 g
Feldsalat 4 mg je 100 g
Aprikosen, getrocknet 3 mg je 100 g

Häufige Fragen zu Beta-Carotin

01Wann sollte man Beta-Carotin einnehmen?

Zur fetthaltigsten Mahlzeit. Ohne Fett bleibt der größte Teil ungenutzt. Ein Löffel Öl zum Möhrensalat ist keine Küchenfolklore, sondern verdoppelt bis vervielfacht die Aufnahme.

02Wie viel Beta-Carotin am Tag?

Kein eigener Referenzwert; 6 mg Beta-Carotin entsprechen etwa 1 mg Retinol-Äquivalent. In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 2–4 mg am Tag in Präparaten; über Gemüse werden 2–5 mg aufgenommen.

03Wie viel Beta-Carotin ist zu viel?

Die empfohlene Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel liegt bei 3,5 mg je Tagesverzehrempfehlung eines Nahrungsergänzungsmittels (Vorschlag des BfR). BfR-Höchstmengenvorschlag. In zwei großen Studien erhöhten 20 bis 30 mg Beta-Carotin täglich bei Rauchern und Asbestexponierten die Lungenkrebsrate. Seither gilt für diese Gruppe eine ausdrückliche Warnung — sie ist der Grund, warum Multivitaminpräparate ihren Beta-Carotin-Gehalt gesenkt haben.

04Welche Wechselwirkungen hat Beta-Carotin?

Zu beachten sind Rauchen und Asbestexposition; Lutein und Lycopin; Orlistat und Pflanzensterine; Alkohol. Rauchen und Asbestexposition: Die entscheidende Gegenanzeige. Hochdosiertes Beta-Carotin erhöhte in Studien die Lungenkrebsrate in genau diesen Gruppen. Lutein und Lycopin: Alle Carotinoide konkurrieren um dieselben Aufnahmewege. Hochdosiertes Beta-Carotin senkt die Lutein- und Lycopinspiegel messbar. Orlistat und Pflanzensterine: Beide senken die Fettaufnahme und damit die Aufnahme der Carotinoide.

05Für wen ist Beta-Carotin nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Menschen mit gemüsearmer Ernährung; Nicht geeignet in hoher Dosierung für Raucher und ehemalige Raucher; Menschen mit Fettverdauungsstörungen, bei denen die Aufnahme vermindert ist. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06Woran erkennt man einen Beta-Carotin-Mangel?

Mögliche Anzeichen sind Als Provitamin Teil des Vitamin-A-Mangels — Nachtblindheit, trockene Augen, erhöhte Infektanfälligkeit und Beta-Carotin selbst gilt nicht als essenziell, weil Vitamin A auch direkt zugeführt werden kann. Keines davon ist für sich beweisend — Sicherheit gibt erst die Messung im Blut.

07In welchen Lebensmitteln steckt Beta-Carotin?

Gute Quellen sind Möhren (8 mg je 100 g), Süßkartoffeln (9 mg je 100 g), Grünkohl (5 mg je 100 g), Feldsalat (4 mg je 100 g) und Aprikosen, getrocknet (3 mg je 100 g).

08Welche Form von Beta-Carotin ist am besten?

Gut aufgenommen werden Synthetisches Beta-Carotin und Natürliches Beta-Carotin aus Dunaliella salina. Zu Synthetisches Beta-Carotin: Als Farbstoff E 160a und in Präparaten. Die Form aus den kritischen Studien.

09Womit darf für Beta-Carotin geworben werden?

Nichts. Für Beta-Carotin selbst steht keine gesundheitsbezogene Angabe in der Unionsliste. Erlaubt sind die Vitamin-A-Angaben, sofern das Erzeugnis die entsprechende Menge als Retinol-Äquivalent liefert. Aussagen zu Hautbräunung, Sonnenschutz oder Zellschutz sind nicht gedeckt.

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Belege

  1. 01 The effect of vitamin E and beta carotene on the incidence of lung cancer (ATBC-Studie) · New England Journal of Medicine · 1994
  2. 02 Effects of a combination of beta carotene and vitamin A on lung cancer (CARET-Studie) · New England Journal of Medicine · 1996
  3. 03 Höchstmengenvorschläge für Beta-Carotin in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln · Bundesinstitut für Risikobewertung

Siehe auch

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