Chemisch nichts Besonderes
Sango-Meereskoralle besteht zu über neunzig Prozent aus Calciumcarbonat — derselben Verbindung
wie Kreide, Kalkstein und das billigste Calciumpräparat der Apotheke. Dazu kommen rund ein
Zehntel Magnesium und Spuren weiterer Elemente.
Beworben wird sie mit dem „idealen“ Calcium-Magnesium-Verhältnis von zwei zu eins und mit
siebzig Spurenelementen. Die Spurenelemente liegen in Mengen vor, die ernährungsphysiologisch
keine Rolle spielen, und für das Verhältnis zwei zu eins gibt es keine belastbare Grundlage — der
Bedarf richtet sich nach der Gesamtzufuhr, nicht nach dem Verhältnis in einer Kapsel.
Der Preisunterschied zu gewöhnlichem Calciumcarbonat ist dagegen erheblich.
Was die zugelassenen Angaben abdecken
Ein Sango-Präparat darf die Calcium- und Magnesium-Claims führen, wenn die Tagesportion die
nötigen Mengen erreicht. Genau das ist der Punkt, an dem viele Produkte scheitern: Zwei Gramm
Pulver liefern etwa 400 mg Calcium — was für die Angabe reicht, aber weniger ist, als die Zahl
auf der Vorderseite vermuten lässt.
Nicht gedeckt ist alles, was die Koralle als solche betrifft: keine besondere Bioverfügbarkeit,
keine Basenwirkung, keine Wirkung der Spurenelemente.
Die Reinheitsfrage
Korallenkalk stammt aus dem Meer und kann Schwermetalle enthalten. Untersuchungen von
Handelsware haben wiederholt erhöhte Blei- und Cadmiumgehalte gefunden.
Bei einem Präparat, das täglich über Monate eingenommen wird, ist das ein ernstzunehmender Punkt.
Ohne Analysenzertifikat lässt er sich nicht beurteilen.
Die Herkunft
Vermarktet wird das Pulver als „fossiler Korallensand“ aus dem Meeresboden bei Okinawa — also als
abgestorbenes Material, nicht als lebendes Riff. Das ist der Anspruch; überprüfen lässt er sich
für Käufer nicht.
Angesichts des Zustands der Korallenriffe weltweit ist das ein Grund mehr, die Frage zu stellen,
ob ein Calciumpräparat aus dem Meer nötig ist — wenn Milchprodukte, Grünkohl, Mandeln und
calciumreiches Mineralwasser dasselbe Element ohne diese Fragen liefern.