Die Ausnahme im Abnehmregal
Der Abnehmmarkt ist voll von Präparaten, die nichts versprechen dürfen. Grüner Tee, Garcinia,
CLA, L-Carnitin — sämtliche Anträge auf Angaben zum Gewichtsverlust wurden abgelehnt.
Glucomannan ist die Ausnahme: Für 3 g am Tag hat die EFSA einen Beitrag zum Gewichtsverlust im
Rahmen einer kalorienarmen Ernährung anerkannt.
Der Nachsatz ist entscheidend. Das Kaloriendefizit macht die Arbeit, Glucomannan macht sie
erträglicher. Ohne veränderte Ernährung ist die Angabe nicht anwendbar — und die Wirkung
ebenfalls nicht.
Was tatsächlich passiert
Glucomannan bindet bis zum Fünfzigfachen seines Gewichts an Wasser. Vor der Mahlzeit
eingenommen, füllt das Gel einen Teil des Magens, dehnt die Magenwand und verzögert die
Entleerung. Das Sättigungsgefühl setzt früher ein und hält länger an.
In Studien führte das über acht bis zwölf Wochen zu einer zusätzlichen Gewichtsabnahme in der
Größenordnung von ein bis zwei Kilogramm gegenüber Placebo — messbar, aber weit entfernt von
dem, was die Verpackungen suggerieren. Für den Cholesterinwert gilt derselbe Mechanismus wie bei
anderen löslichen Ballaststoffen: Gallensäuren werden gebunden und ausgeschieden.
Die EFSA hat 2017 eigens eine Stellungnahme zur Erstickungsgefahr veröffentlicht. Es gab Fälle,
in denen Tabletten oder Pulver in der Speiseröhre quollen und diese verlegten. Deshalb steht die
Warnung als Pflichtangabe auf der Packung.
Daraus folgen drei Regeln, die keine Empfehlung, sondern Bedingung sind: immer mit mindestens
einem großen Glas Wasser einnehmen, niemals trocken schlucken, nicht kurz vor dem Schlafengehen.
Wer Schluckbeschwerden hat, sollte davon ganz absehen.
Für wen es sich lohnt
Für Menschen, die eine kalorienreduzierte Ernährung durchhalten wollen und am Hungergefühl
scheitern, ist Glucomannan eines der wenigen Mittel mit belegter, wenn auch bescheidener
Wirkung. Als Ersatz für die Ernährungsumstellung taugt es nicht — was die zugelassene Angabe im
Wortlaut auch genau so sagt.