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VII · Darmflora

Resistente Stärke

auch: RS · retrogradierte Stärke · Hi-Maize · resistentes Dextrin · RS2 · RS3

Stärke, die der Dünndarm nicht knackt — mit zugelassener Angabe zum Blutzucker und einem Trick, der in jeder Küche funktioniert.

Studienlage

Gut untersucht, überwiegend übereinstimmende Ergebnisse

Unsere Empfehlung

Drei Präparate mit Resistente Stärke, drei Maßstäbe

Wie wir bewerten
  1. I Wirkstoffsieger

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  2. II Preis-Leistungs-Sieger

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Zugelassene Angabe

Was über Resistente Stärke gesagt werden darf

Für diesen Stoff stehen gesundheitsbezogene Angaben in der Unionsliste (VO (EU) 432/2012). Sie dürfen im angegebenen Wortlaut verwendet werden.

  1. 01

    „Der Ersatz verdaulicher Stärke durch resistente Stärke in einer Mahlzeit trägt dazu bei, dass der Blutzuckerspiegel nach dieser Mahlzeit weniger stark ansteigt“

    Bedingung mindestens 14 Prozent der Gesamtstärke des Lebensmittels müssen als resistente Stärke vorliegen

Eine der wenigen zugelassenen Angaben im Ballaststoffbereich. Ausdrücklich nicht gedeckt sind Aussagen zur Darmflora, zum Abnehmen oder zur Insulinempfindlichkeit — obwohl gerade damit meist geworben wird.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Der Küchentrick mit zugelassener Angabe

Die meisten Einträge in dieser Datenbank handeln von Präparaten. Resistente Stärke lässt sich dagegen im eigenen Topf herstellen: Werden gekochte Kartoffeln, Reis oder Nudeln abgekühlt, lagern sich die Stärkemoleküle zu Kristallen um, die die Verdauungsenzyme nicht mehr angreifen können. Dieser Vorgang heißt Retrogradation.

Das Bemerkenswerte daran: Der Effekt bleibt beim Wiedererwärmen weitgehend erhalten. Ein Kartoffelsalat vom Vortag oder aufgewärmter Reis vom Abend zuvor liefern deutlich mehr resistente Stärke als frisch gekochte Beilagen — bei identischer Zutatenliste.

Was der Claim genau sagt

Zugelassen ist die Angabe zum Blutzuckeranstieg nach der Mahlzeit, unter der Bedingung, dass mindestens vierzehn Prozent der Gesamtstärke resistent sind. Was der Dünndarm nicht spaltet, liefert keine Glucose ins Blut — die Kurve fällt flacher aus.

Nicht zugelassen ist alles andere: Wirkungen auf die Darmflora, auf das Körpergewicht, auf die Insulinempfindlichkeit. Genau damit wird allerdings meist geworben, oft unter dem Stichwort „Darmgesundheit“.

Was im Dickdarm passiert

Was den Dünndarm passiert, wird im Dickdarm von Bakterien vergoren. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren, allen voran Butyrat — der wichtigste Energielieferant der Dickdarmschleimhaut.

Dieser Mechanismus ist gut beschrieben und der Grund für das große Forschungsinteresse an resistenter Stärke. Für einen belegten Gesundheitsnutzen beim Menschen reicht er der EFSA bislang nicht.

Der Unterschied zu den anderen Ballaststoffen

Anders als Flohsamen oder Beta-Glucan bildet resistente Stärke kein Gel und bindet kaum Wasser. Sie wirkt deshalb nicht über Zähflüssigkeit, sondern schlicht dadurch, dass sie der Verdauung entgeht.

Praktisch ergänzen sich die Typen: Flohsamen für die Stuhlregulierung, Beta-Glucan fürs Cholesterin, resistente Stärke für den Blutzucker nach der Mahlzeit und als Futter für die Darmflora. Wer alle drei über Lebensmittel abdeckt — Hafer, abgekühlte Kartoffeln, Hülsenfrüchte — braucht kein einziges Präparat.

Einschleichen, nicht überstürzen

Der Übergang von einer ballaststoffarmen zu einer ballaststoffreichen Kost bringt anfangs zuverlässig Blähungen. Die Darmflora braucht zwei bis drei Wochen, sich umzustellen. Wer mit einer großen Portion beginnt, hört meist nach zwei Tagen wieder auf — und hält den Ballaststoff dann für unverträglich.

Resistente Stärke — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
RS1 — physikalisch eingeschlossen niedrig In ganzen Körnern und Samen von der Zellstruktur umschlossen. Grob geschrotetes Vollkornbrot liefert mehr davon als fein vermahlenes.
RS2 — natürlich resistente Granula niedrig In roher Kartoffel, grüner Banane und Hochamylose-Mais (Hi-Maize). Durch Kochen wird sie verdaulich — Kartoffelstärke also nur ungekocht wirksam.
RS3 — retrogradierte Stärke niedrig Entsteht beim Abkühlen gekochter Stärke. Der küchentaugliche Weg: Kartoffeln, Reis oder Nudeln kochen, kalt stellen, kalt essen oder wieder erwärmen — die Retrogradation bleibt erhalten.
RS4 — chemisch modifiziert niedrig Industriell hergestellt, in Backwaren und Riegeln als Ballaststoffzusatz. Deklariert als modifizierte Stärke.
RS5 — Stärke-Lipid-Komplexe niedrig Stärke, die mit Fettsäuren Einschlusskomplexe bildet. Am wenigsten untersucht.

Resistente Stärke Wechselwirkungen

Blutzuckersenkende Medikamente

verstärkt

Der flachere Blutzuckeranstieg kann bei Insulintherapie eine Anpassung erfordern.

Reizdarmsyndrom

Vorsicht

Resistente Stärke wird im Dickdarm vergoren. Bei empfindlichem Darm kann das Blähungen und Schmerzen verstärken.

Mineralstoffaufnahme

verstärkt

Die Fermentation senkt den pH-Wert im Dickdarm, was die Aufnahme von Calcium und Magnesium verbessern kann. Ein Claim besteht dafür nicht.

Wer auf Resistente Stärke besonders achten sollte

  • Menschen mit Insulinresistenz oder Typ-2-Diabetes
  • Menschen mit ballaststoffarmer Ernährung
  • Bei Reizdarm nur vorsichtig einschleichend

Resistente Stärke in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Grüne (unreife) Bananen bis 8 g je 100 g — mit zunehmender Reife sinkt der Gehalt stark
Gekochte und abgekühlte Kartoffeln 3–5 g je 100 g
Gekochter und abgekühlter Reis 1–2 g je 100 g
Hülsenfrüchte, gekocht 2–4 g je 100 g
Haferflocken, ungekocht 3 g je 100 g

Häufige Fragen zu Resistente Stärke

01Wann sollte man Resistente Stärke einnehmen?

Zu den Mahlzeiten. Für die zugelassene Angabe muss die resistente Stärke Teil derselben Mahlzeit sein, deren Blutzuckeranstieg gemildert werden soll — sie wirkt nicht vorbeugend für den ganzen Tag.

02Wie viel Resistente Stärke am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 10–20 g am Tag; für die zugelassene Angabe müssen 14 Prozent der Gesamtstärke einer Mahlzeit resistent sein.

03Wie viel Resistente Stärke ist zu viel?

Keine Obergrenze festgelegt. EFSA. Die Verträglichkeit begrenzt die Menge. Über 20 bis 30 g am Tag treten häufig Blähungen auf — einschleichend über zwei bis drei Wochen steigern.

04Welche Wechselwirkungen hat Resistente Stärke?

Zu beachten sind Blutzuckersenkende Medikamente, Reizdarmsyndrom und Mineralstoffaufnahme. Blutzuckersenkende Medikamente: Der flachere Blutzuckeranstieg kann bei Insulintherapie eine Anpassung erfordern. Reizdarmsyndrom: Resistente Stärke wird im Dickdarm vergoren. Bei empfindlichem Darm kann das Blähungen und Schmerzen verstärken. Mineralstoffaufnahme: Die Fermentation senkt den pH-Wert im Dickdarm, was die Aufnahme von Calcium und Magnesium verbessern kann. Ein Claim besteht dafür nicht.

05Für wen ist Resistente Stärke nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Menschen mit Insulinresistenz oder Typ-2-Diabetes; Menschen mit ballaststoffarmer Ernährung; Bei Reizdarm nur vorsichtig einschleichend. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06In welchen Lebensmitteln steckt Resistente Stärke?

Gute Quellen sind Grüne (unreife) Bananen (bis 8 g je 100 g — mit zunehmender Reife sinkt der Gehalt stark), Gekochte und abgekühlte Kartoffeln (3–5 g je 100 g), Gekochter und abgekühlter Reis (1–2 g je 100 g), Hülsenfrüchte, gekocht (2–4 g je 100 g) und Haferflocken, ungekocht (3 g je 100 g).

07Welche Form von Resistente Stärke ist am besten?

Schlechter verfügbar sind RS1 — physikalisch eingeschlossen, RS2 — natürlich resistente Granula, RS3 — retrogradierte Stärke, RS4 — chemisch modifiziert und RS5 — Stärke-Lipid-Komplexe.

08Womit darf für Resistente Stärke geworben werden?

Zugelassen sind nach der Unionsliste unter anderem: „Der Ersatz verdaulicher Stärke durch resistente Stärke in einer Mahlzeit trägt dazu bei, dass der Blutzuckerspiegel nach dieser Mahlzeit weniger stark ansteigt“. Bedingung: mindestens 14 Prozent der Gesamtstärke des Lebensmittels müssen als resistente Stärke vorliegen.

Belege

  1. 01 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 — Unionsliste zulässiger Angaben · Europäische Kommission · 2012
  2. 02 Scientific Opinion on resistant starch and reduction of post-prandial glycaemic responses · European Food Safety Authority · 2011
  3. 03 Resistant starch and health — a review · Journal of Nutrition

Siehe auch

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