Der Küchentrick mit zugelassener Angabe
Die meisten Einträge in dieser Datenbank handeln von Präparaten. Resistente Stärke lässt sich
dagegen im eigenen Topf herstellen: Werden gekochte Kartoffeln, Reis oder Nudeln abgekühlt,
lagern sich die Stärkemoleküle zu Kristallen um, die die Verdauungsenzyme nicht mehr angreifen
können. Dieser Vorgang heißt Retrogradation.
Das Bemerkenswerte daran: Der Effekt bleibt beim Wiedererwärmen weitgehend erhalten. Ein
Kartoffelsalat vom Vortag oder aufgewärmter Reis vom Abend zuvor liefern deutlich mehr resistente
Stärke als frisch gekochte Beilagen — bei identischer Zutatenliste.
Was der Claim genau sagt
Zugelassen ist die Angabe zum Blutzuckeranstieg nach der Mahlzeit, unter der Bedingung, dass
mindestens vierzehn Prozent der Gesamtstärke resistent sind. Was der Dünndarm nicht spaltet,
liefert keine Glucose ins Blut — die Kurve fällt flacher aus.
Nicht zugelassen ist alles andere: Wirkungen auf die Darmflora, auf das Körpergewicht, auf die
Insulinempfindlichkeit. Genau damit wird allerdings meist geworben, oft unter dem Stichwort
„Darmgesundheit“.
Was im Dickdarm passiert
Was den Dünndarm passiert, wird im Dickdarm von Bakterien vergoren. Dabei entstehen kurzkettige
Fettsäuren, allen voran Butyrat — der wichtigste Energielieferant der Dickdarmschleimhaut.
Dieser Mechanismus ist gut beschrieben und der Grund für das große Forschungsinteresse an
resistenter Stärke. Für einen belegten Gesundheitsnutzen beim Menschen reicht er der EFSA
bislang nicht.
Der Unterschied zu den anderen Ballaststoffen
Anders als Flohsamen oder Beta-Glucan bildet resistente Stärke kein Gel und bindet kaum Wasser.
Sie wirkt deshalb nicht über Zähflüssigkeit, sondern schlicht dadurch, dass sie der Verdauung
entgeht.
Praktisch ergänzen sich die Typen: Flohsamen für die Stuhlregulierung, Beta-Glucan fürs
Cholesterin, resistente Stärke für den Blutzucker nach der Mahlzeit und als Futter für die
Darmflora. Wer alle drei über Lebensmittel abdeckt — Hafer, abgekühlte Kartoffeln, Hülsenfrüchte
— braucht kein einziges Präparat.
Einschleichen, nicht überstürzen
Der Übergang von einer ballaststoffarmen zu einer ballaststoffreichen Kost bringt anfangs
zuverlässig Blähungen. Die Darmflora braucht zwei bis drei Wochen, sich umzustellen. Wer mit einer
großen Portion beginnt, hört meist nach zwei Tagen wieder auf — und hält den Ballaststoff dann für
unverträglich.