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VI · Pflanzenstoffe

Ginkgo biloba

auch: Ginkgo · Fächerblattbaum · EGb 761 · Ginkgoblätter-Trockenextrakt

Der einzige Pflanzenstoff dieser Datenbank, der zugleich als zugelassenes Arzneimittel existiert — und als Nahrungsergänzung nichts versprechen darf.

Studienlage

Mehrere kontrollierte Studien, Bild noch nicht geschlossen
Bewertung ausgesetzt

Was über Ginkgo biloba gesagt werden darf

Die Angaben zu diesem Stoff sind bei der EU-Kommission „on hold“. Sie sind weder zugelassen noch abgelehnt — die Bewertung pflanzlicher Stoffe ruht seit 2010. Werbeaussagen dazu sind rechtlich angreifbar.

Für Ginkgo ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; wie bei allen Botanicals ruht die Bewertung seit 2010. Zugleich sind Ginkgo-Extrakte als Arzneimittel zugelassen und dürfen dort eine Wirkung ausloben. Dasselbe Pflanzenmaterial darf also in der Apotheke beworben werden und im Drogeriemarkt nicht — der deutlichste Beleg dafür, wie sehr der Claim-Status von der Produktkategorie abhängt.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Ginkgo — derselbe Baum, zwei Rechtswelten

Ginkgo zeigt die Zweiteilung des deutschen Marktes so klar wie kein anderer Stoff. In der Apotheke steht ein Arzneimittel mit dem Spezialextrakt EGb 761, zugelassen zur Behandlung von Gedächtnisstörungen bei leichter Demenz — mit Wirksamkeitsnachweis, Beipackzettel und Nebenwirkungsliste. Im Regal daneben steht eine Kapsel mit Ginkgoblattpulver, die überhaupt nichts behaupten darf.

Der Unterschied liegt nicht am Baum, sondern an Extraktqualität, Dosierung und Zulassungsweg. Wer die Wirkung sucht, die aus den Studien bekannt ist, muss das Arzneimittel nehmen — die Nahrungsergänzung bildet weder die Menge noch die Standardisierung ab.

Ginkgo Wirkung — was die Studien hergeben

Für den Spezialextrakt bei leichter bis mittlerer Demenz zeigen mehrere Studien bescheidene, aber messbare Vorteile bei kognitiven Testwerten und Alltagsfähigkeiten, vor allem bei Dosierungen um 240 mg über mindestens 22 Wochen. Ein Cochrane-Review bewertete die Gesamtlage als uneinheitlich.

Für die Vorbeugung von Demenz bei Gesunden ist die Antwort klarer und negativ: Die große GEM-Studie mit über 3.000 älteren Teilnehmern über sechs Jahre fand keinen Unterschied zu Placebo. Bei gesunden jungen Erwachsenen findet sich ebenfalls nichts.

Ginkgo Nebenwirkungen — der Punkt, den man vor Operationen kennen muss

Ginkgolide hemmen die Blutplättchenverklumpung. In Verbindung mit ASS, Clopidogrel oder Gerinnungshemmern erhöht das die Blutungsneigung, und es gibt dokumentierte Fälle schwerer Blutungen. Vor planbaren Eingriffen ist Ginkgo daher rechtzeitig abzusetzen und beim Aufklärungsgespräch anzugeben — auch dann, wenn es „nur“ ein Nahrungsergänzungsmittel war.

Ginkgolsäuren — das unsichtbare Qualitätsmerkmal

Die Blätter enthalten Ginkgolsäuren, die Allergien auslösen und in Zellversuchen das Erbgut schädigen. Arzneibuchqualität verlangt eine Begrenzung auf unter 5 ppm, was aufwändige Reinigungsschritte erfordert.

Bei Nahrungsergänzungsmitteln gibt es diese Vorgabe nicht zwingend. Wer trotzdem zu einem solchen Produkt greift, sollte einen Anbieter wählen, der den Ginkgolsäuregehalt ausdrücklich ausweist — und Blätter-Tee aus dem eigenen Garten ganz meiden.

Ginkgo biloba — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
EGb 761 (Spezialextrakt) hoch Standardisiert auf 22–27 Prozent Flavonglykoside und 5–7 Prozent Terpenlactone, mit begrenzten Ginkgolsäuren. Der Extrakt aus nahezu allen bedeutenden Studien — und ein Arzneimittel, kein Nahrungsergänzungsmittel.
Standardisierter Trockenextrakt (50:1) hoch Bei gleicher Standardisierung dem Arzneimittelextrakt vergleichbar. Auf die Angabe der Flavonglykoside achten — fehlt sie, ist die Menge unbekannt.
Blattpulver in Kapseln niedrig Nicht aufkonzentriert. Für die in Studien verwendeten Wirkstoffmengen bräuchte es das Fünfzigfache der üblichen Kapselmenge.
Ginkgo-Tee unklar Ungeeignet. Die Ginkgolsäuren gehen mit in den Aufguss über, die Wirkstoffe nur teilweise.

Ginkgo biloba einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: Morgens und mittags, zu einer Mahlzeit. Am besten zusammen mit einer Mahlzeit.

Die Beurteilung braucht Geduld — in Studien wurde frühestens nach acht bis zwölf Wochen gemessen. Vor planbaren Operationen mindestens eine Woche vorher absetzen.

Ginkgo biloba Wechselwirkungen

Gerinnungshemmer und ASS

verstärkt

Ginkgolide hemmen den plättchenaktivierenden Faktor. Es liegen Fallberichte über Blutungen vor, darunter Hirnblutungen. Die Kombination gehört ärztlich abgeklärt.

Antiepileptika

hemmt

Ginkgotoxin aus den Samen kann die Krampfschwelle senken. Bei Epilepsie wird von Ginkgo abgeraten.

Efavirenz und weitere CYP3A4-Substrate

hemmt

Ginkgo beschleunigt den Abbau mancher Wirkstoffe und schwächt sie ab.

Diabetesmedikamente

Vorsicht

Berichte über veränderte Insulinspiegel liegen vor. Blutzuckerkontrollen nach Beginn engmaschiger führen.

Wer auf Ginkgo biloba besonders achten sollte

  • Ältere Menschen mit nachlassender Gedächtnisleistung — die Zielgruppe der Arzneimittelzulassung
  • Nicht geeignet unter Gerinnungshemmung, bei Epilepsie und vor Operationen
  • Schwangere und Stillende, für die Daten fehlen

Häufige Fragen zu Ginkgo biloba

01Wann sollte man Ginkgo biloba einnehmen?

Morgens und mittags, zu einer Mahlzeit. Die Beurteilung braucht Geduld — in Studien wurde frühestens nach acht bis zwölf Wochen gemessen. Vor planbaren Operationen mindestens eine Woche vorher absetzen.

02Wie viel Ginkgo biloba am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 120–240 mg standardisierter Trockenextrakt am Tag; Nahrungsergänzungsmittel liegen meist weit darunter.

03Wie viel Ginkgo biloba ist zu viel?

Keine EU-weite Obergrenze; als Arzneimittel sind 240 mg Extrakt am Tag zugelassen. Monographien des HMPC und der Kommission E. Ginkgolsäuren müssen unter 5 ppm liegen — sie wirken allergisierend und stehen im Verdacht, erbgutschädigend zu sein. Billigware und Blätter-Tee erfüllen diese Anforderung häufig nicht.

04Welche Wechselwirkungen hat Ginkgo biloba?

Zu beachten sind Gerinnungshemmer und ASS; Antiepileptika; Efavirenz und weitere CYP3A4-Substrate; Diabetesmedikamente. Gerinnungshemmer und ASS: Ginkgolide hemmen den plättchenaktivierenden Faktor. Es liegen Fallberichte über Blutungen vor, darunter Hirnblutungen. Die Kombination gehört ärztlich abgeklärt. Antiepileptika: Ginkgotoxin aus den Samen kann die Krampfschwelle senken. Bei Epilepsie wird von Ginkgo abgeraten. Efavirenz und weitere CYP3A4-Substrate: Ginkgo beschleunigt den Abbau mancher Wirkstoffe und schwächt sie ab.

05Für wen ist Ginkgo biloba nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Ältere Menschen mit nachlassender Gedächtnisleistung — die Zielgruppe der Arzneimittelzulassung; Nicht geeignet unter Gerinnungshemmung, bei Epilepsie und vor Operationen; Schwangere und Stillende, für die Daten fehlen. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06Welche Form von Ginkgo biloba ist am besten?

Gut aufgenommen werden EGb 761 (Spezialextrakt) und Standardisierter Trockenextrakt (50:1). Schlechter verfügbar ist Blattpulver in Kapseln. Zu EGb 761 (Spezialextrakt): Standardisiert auf 22–27 Prozent Flavonglykoside und 5–7 Prozent Terpenlactone, mit begrenzten Ginkgolsäuren. Der Extrakt aus nahezu allen bedeutenden Studien — und ein Arzneimittel, kein Nahrungsergänzungsmittel.

07Womit darf für Ginkgo biloba geworben werden?

Nichts. Für Ginkgo ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; wie bei allen Botanicals ruht die Bewertung seit 2010. Zugleich sind Ginkgo-Extrakte als Arzneimittel zugelassen und dürfen dort eine Wirkung ausloben. Dasselbe Pflanzenmaterial darf also in der Apotheke beworben werden und im Drogeriemarkt nicht — der deutlichste Beleg dafür, wie sehr der Claim-Status von der Produktkategorie abhängt.

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Belege

  1. 01 Community herbal monograph on Ginkgo biloba L., folium · HMPC, Europäische Arzneimittel-Agentur
  2. 02 Ginkgo biloba for cognitive impairment and dementia · Cochrane Database of Systematic Reviews · 2009
  3. 03 Health-Claims-Verordnung — Liste der „on hold“-Angaben · Europäische Kommission

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