Die Kuh, die nicht aufhörte zu bluten
Die Geschichte des Steinklees ist zugleich die Entdeckungsgeschichte der Gerinnungshemmung.
In den 1920er Jahren starben in Nordamerika Rinder an inneren Blutungen, nachdem sie verdorbene
Steinkleesilage gefressen hatten. Die Ursache klärte sich erst Jahre später: Beim Verschimmeln
wird das harmlose Cumarin des Steinklees zu Dicumarol umgebaut — einem Stoff, der die
Vitamin-K-abhängige Gerinnung blockiert.
Aus dieser Beobachtung entstand zunächst ein Rattengift und daraus das Warfarin, bis heute einer
der weltweit meistverwendeten Gerinnungshemmer. Die Süßkleekrankheit der Rinder steht damit am
Anfang einer der wichtigsten Arzneimittelentwicklungen des 20. Jahrhunderts.
Was das für die Anwendung heißt
Frischer, einwandfreier Steinklee enthält Cumarin, nicht Dicumarol — er wirkt nicht
gerinnungshemmend im Sinne eines Medikaments. Die traditionelle Anwendung bei Venenschwäche und
Lymphstau beruht auf einer Verbesserung des venösen und lymphatischen Rückflusses.
Zwei Punkte bleiben dennoch: Cumarin kann bei empfindlichen Menschen Kopfschmerzen und erhöhte
Leberwerte verursachen — dasselbe Thema wie beim Cassia-Zimt. Und verdorbene Ware ist gefährlich,
weshalb nur geprüfte Arzneiqualität infrage kommt.
Lymphödem — die Grenze der Selbstbehandlung
Steinklee wird auch bei Lymphstau eingesetzt, ergänzend zur Kompression und zur manuellen
Lymphdrainage.
Diese beiden sind die Basistherapie; ein Pflanzenextrakt ersetzt sie nicht. Und ein neu
aufgetretenes Lymphödem gehört abgeklärt — dahinter können Entzündungen, Operationen oder
Tumorerkrankungen stehen.
Der Waldmeisterduft
Das typische Aroma von Steinklee, Waldmeister und frisch gemähtem Heu stammt vom Cumarin. Es
entsteht beim Welken, wenn der Zellsaft mit Enzymen in Kontakt kommt.
Auch beim Waldmeister ist der Cumaringehalt der Grund für Mengenbegrenzungen in Lebensmitteln —
in großen Mengen verursacht er Kopfschmerzen und Benommenheit. Die Maibowle hat ihre Obergrenze
also aus demselben Grund wie die Zimtsterne.