Ein Cochrane-Ergebnis, das für sich spricht
Der Cochrane-Review zur Rosskastanie bei chronischer Venenschwäche kommt zu einem für pflanzliche
Mittel ungewöhnlich klaren Schluss: Beinschmerzen, Schweregefühl, Juckreiz und Beinumfang
besserten sich unter dem Extrakt deutlicher als unter Placebo.
In einzelnen Studien war die Wirkung auf das Beinödem mit der von Kompressionsstrümpfen
vergleichbar — was bemerkenswert ist, weil Kompression die Standardtherapie darstellt.
Damit gehört die Rosskastanie zu den wenigen Botanicals, bei denen die Frage nicht lautet, ob
etwas passiert, sondern nur, wie viel.
Wie Aescin wirkt
Bei Venenschwäche werden die kleinsten Gefäße durchlässiger, Flüssigkeit tritt ins Gewebe aus, und
das Bein schwillt an. Aescin, das Saponingemisch der Kastaniensamen, dichtet diese Kapillaren
ab — es hemmt Enzyme, die die Gefäßwand durchlässig machen, und erhöht den Venentonus.
Der Ansatzpunkt ist damit die Ursache des Ödems, nicht nur das Symptom.
Aescin reizt die Magenschleimhaut. In nicht retardierter Form führt das häufig zu Übelkeit und
Oberbauchbeschwerden — der Hauptgrund für Therapieabbrüche in älteren Studien.
Die heutigen Arzneimittel setzen den Wirkstoff verzögert frei. Ein Nahrungsergänzungsmittel mit
gemahlenen Kastanien bildet weder die Standardisierung noch diese Formulierung ab.
Die Basismaßnahme bleibt die Kompression
Bei Venenschwäche ist der Kompressionsstrumpf die wirksamste Maßnahme, dazu Bewegung,
Hochlagern und Gewichtsreduktion. Die Rosskastanie ergänzt das sinnvoll, besonders für Menschen,
die Kompression nicht durchhalten oder im Sommer nicht tragen wollen.
Und die Warnung, die zur Sache gehört: Ein plötzlich geschwollenes, schmerzendes, überwärmtes
Bein ist kein Fall für Venenmittel, sondern ein möglicher Thrombosehinweis und gehört sofort
ärztlich untersucht.
Die Kastanien im Park
Rohe Rosskastanien sind giftig — der hohe Saponingehalt reizt die Schleimhäute und führt zu
Erbrechen und Durchfall. Vergiftungen bei Kindern, die sie mit Esskastanien verwechseln, kommen
jedes Jahr vor.
Der Unterschied ist am Fruchtbecher erkennbar: Rosskastanien stecken in einer dicken Kapsel mit
wenigen groben Stacheln, Esskastanien in einer dicht mit feinen Nadeln besetzten Hülle.