Der Nachweis am Messband
Bei Venenmitteln ist die Frage, wie sich Wirkung objektivieren lässt. Beschwerden wie
Schweregefühl und Spannung sind subjektiv — das Beinvolumen ist es nicht.
Genau daran wurden die Studien zum roten Weinlaub ausgerichtet: Mit
Wasserverdrängungsmessungen ließ sich zeigen, dass das Beinvolumen unter dem Extrakt abnahm,
während es unter Placebo zunahm. Dazu besserten sich Schmerz und Schweregefühl.
Das ist eine belastbare Art, einen Effekt zu belegen, und der Grund für die Zulassung als
Arzneimittel bei chronischer Venenschwäche.
Wie es wirkt
Die Flavonoide des Weinlaubs — vor allem Quercetin- und Isoquercetin-Glykoside — vermindern die
Durchlässigkeit der kleinsten Gefäße und schützen die Gefäßinnenwand. Weniger Flüssigkeit tritt
ins Gewebe aus, das Ödem geht zurück.
Der Ansatz ist derselbe wie bei der Rosskastanie, über eine andere Stoffgruppe. Beide Mittel
stehen in der phlebologischen Leitlinie als Optionen.
Weinlaub sind die Blätter, OPC stammt aus den Kernen. Beide kommen von derselben Pflanze und
haben unterschiedliche Wirkstoffprofile und Studienlagen.
Die Venenstudien betreffen den Blattextrakt. Wer OPC kauft und eine Venenwirkung erwartet,
überträgt Ergebnisse auf ein anderes Produkt.
Was zuerst kommt
Wie bei der Rosskastanie gilt: Kompression, Bewegung, Hochlagern und Gewichtsreduktion sind die
Basis. Pflanzliche Venenmittel ergänzen sie, wenn Beschwerden bleiben.
Und die Abgrenzung, die keine Kapsel leisten kann: Ein plötzlich einseitig geschwollenes,
schmerzhaftes Bein muss ärztlich abgeklärt werden. Eine tiefe Beinvenenthrombose sieht anfangs
aus wie schwere Beine — und ist ein Notfall.