Ein Vitamin mit genau einer zugelassenen Angabe
Die Liste oben ist kurz, und das ist bemerkenswert: Vitamin E war jahrzehntelang das
Antioxidans schlechthin, mit Versprechen zu Herz, Haut und Alterung. Übrig geblieben ist eine
einzige zugelassene Angabe — der Zellschutz vor oxidativem Stress. Alles andere hat die
Prüfung nicht bestanden.
Vitamin E Wirkung — ein Antioxidans mit strenger Prüfung
Nach der europäischen Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben (Verordnung (EU) Nr. 432/2012) trägt Vitamin E bei ausreichender Zufuhr dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen — diese Angabe gilt ab einer Zufuhr von mindestens 1,8 mg je 100 g bzw. je Portion. Sie beschreibt den Beitrag zu einem normalen Körperschutz bei ausreichender Versorgung, nicht eine therapeutische Wirkung gegen bestehende Erkrankungen.
Beworben wird Vitamin E darüber hinaus für Haut, Augen, Herz oder allgemeine Vitalität — für keinen dieser Zusammenhänge gibt es eine zugelassene Angabe. Die knapp ausgestattete Unionsliste ist kein Zufall: Die Prüfung nach Verordnung (EU) Nr. 432/2012 bewertet ausschließlich, ob ein Wirkungsnachweis für die jeweilige Angabe vorliegt — die Frage, ob hochdosiertes Vitamin E in großen Studien Schaden zeigte, ist eine davon unabhängige Sicherheitsbewertung und wird im nächsten Abschnitt behandelt.
Der Fall, in dem mehr messbar geschadet hat
Vitamin E ist eines der wenigen Beispiele, bei denen hochdosierte Ergänzung in großen Studien
negativ auffiel. Eine viel beachtete Metaanalyse (Miller et al., Annals of Internal Medicine
2005;142:37–46) fand ab etwa 400 IE täglich einen Anstieg der Gesamtsterblichkeit. Die vermutete
Erklärung: In hoher Dosis kippt das Antioxidans in die Gegenrolle und verdrängt zugleich die
anderen Tocopherolformen aus dem Gewebe.
Für die Praxis heißt das: Vitamin E im Bereich der Zufuhrempfehlung ist unproblematisch,
Hochdosispräparate mit 400 oder 800 IE sind es nicht.
Vitamin E Nebenwirkungen — Hochdosen erhöhen Sterblichkeits- und Krebsrisiko
Die Nebenwirkungen von Vitamin E zeigen sich vor allem bei Hochdosierung ab etwa 270 mg täglich, nicht bei den üblichen Ergänzungsmengen. Eine viel beachtete Metaanalyse der Annals of Internal Medicine (Miller et al., 2005;142:37–46) fand ab etwa 400 IE (≈270 mg) täglich einen Anstieg der Gesamtsterblichkeit. Die SELECT-Studie zu Vitamin E und Selen (Klein et al., JAMA 2011;306(14):1549–56) fand bei täglich 400 IE Vitamin E ein um 17 % erhöhtes Prostatakrebsrisiko gegenüber Placebo.
Wer Vitamin E zusammen mit Gerinnungshemmern (wie Warfarin) oder in hoher Dosis zu Omega-3-Fettsäuren ergänzt, sollte das mit der ärztlichen Praxis absprechen — ab etwa 300 mg täglich kann Vitamin E die Blutungsneigung erhöhen, wie im Abschnitt Wechselwirkungen beschrieben. Das BfR empfiehlt eine tägliche Höchstmenge von 30 mg zusätzlich zur Nahrung; die EFSA nennt 300 mg als Obergrenze der Gesamtzufuhr. Von Hochdosispräparaten ist abzuraten.
Natürlich oder synthetisch — hier lohnt der Blick
Bei kaum einem anderen Vitamin ist der Unterschied so groß. Natürliches RRR-alpha-Tocopherol ist
etwa doppelt so wirksam wie die synthetische Mischform. Auf dem Etikett erkennbar am Präfix:
„d-“ oder „RRR-“ steht für natürlich, „dl-“ oder „all-rac-“ für synthetisch.