Astaxanthin — der Farbstoff, der als Nahrungsergänzung Karriere machte
Astaxanthin gibt Lachs, Forelle, Garnelen und Flamingos ihre Farbe. Sie stellen es nicht selbst
her, sondern nehmen es über die Nahrungskette auf — am Anfang steht die Blutregenalge, die es
unter Stress in großen Mengen bildet, um sich vor Licht und Sauerstoffradikalen zu schützen.
Genau diese Schutzfunktion ist das Verkaufsargument. In Laborversuchen ist Astaxanthin ein
außergewöhnlich wirksamer Radikalfänger, und mit Vergleichszahlen wie „das Vielfache von Vitamin
C“ wird munter geworben. Solche Angaben stammen aus Reagenzglasmessungen und sagen über die
Wirkung im Menschen nichts aus — die EFSA hat entsprechend keine Angabe zugelassen.
Astaxanthin Dosierung — die 8-Milligramm-Grenze
2020 hat die EFSA die Sicherheit bewertet und eine akzeptable tägliche Aufnahme von 0,2 mg je
Kilogramm Körpergewicht abgeleitet. Für einen Erwachsenen von 70 kg sind das 14 mg, wobei die
Behörde unter Berücksichtigung der Zufuhr aus Lebensmitteln 8 mg am Tag als Obergrenze für
Nahrungsergänzungsmittel nennt.
Im Handel finden sich regelmäßig Kapseln mit 12 mg, beworben als „hochdosiert“. Das ist der
Punkt, an dem eine höhere Zahl auf der Packung kein Vorteil mehr ist, sondern ein Hinweis darauf,
dass die behördliche Bewertung ignoriert wird.
Astaxanthin Wirkung — was die Studien zeigen
Am ehesten untersucht ist die Haut: Kleine Studien über acht bis zwölf Wochen fanden eine bessere
Feuchtigkeitsbindung, geringere Faltentiefe und eine erhöhte Schwelle für UV-bedingte Rötung.
Die Teilnehmerzahlen sind gering und ein Teil der Arbeiten stammt aus dem Umfeld der Hersteller.
Für Ausdauerleistung, Augenermüdung und Entzündungsmarker liegen einzelne Arbeiten mit
gemischten Ergebnissen vor. Insgesamt: ein plausibler Stoff mit dünner Datenbasis — die typische
Konstellation für einen abgelehnten oder gar nicht erst gestellten Claim.
Astaxanthin oder Beta-Carotin — ein Vorteil bleibt
Anders als Beta-Carotin wird Astaxanthin nicht in Vitamin A umgewandelt. Eine Überversorgung mit
Vitamin A ist dadurch ausgeschlossen, und die Warnung für Raucher, die für hochdosiertes
Beta-Carotin gilt, greift hier nicht.
Wer den Stoff über die Ernährung will, isst Wildlachs — eine Portion liefert je nach Herkunft ein
bis vier Milligramm, dazu Omega-3-Fettsäuren mit ihren zugelassenen Angaben.