Löwenzahn Wirkung — zwei Wirkungen aus zwei Pflanzenteilen
Die Arzneidroge heißt „Kraut mit Wurzel” — und das hat einen Grund. Beide Teile tragen
Verschiedenes bei.
Die Wurzel liefert die Bitterstoffe, die Speichel-, Magensaft- und Gallefluss anregen. Sie ist die
Grundlage der Anwendung bei Völlegefühl und Blähungen nach fettem Essen. Im Herbst enthält sie
zudem bis zu vierzig Prozent Inulin — denselben präbiotischen Ballaststoff, der auch aus der
Zichorie gewonnen wird.
Das Kraut ist kaliumreich und wirkt darüber leicht harntreibend. Der französische Name pissenlit
und das englische piss-a-bed beschreiben das unumwundener als das deutsche Wort.
Löwenzahn-Frühjahrskur — was davon zu halten ist
Löwenzahn gehört zum festen Bestand der Entschlackungskuren — und für Entschlackung gibt es kein
physiologisches Gegenstück. Der Körper hat kein Depot für Schlacken, das im Frühjahr geleert
werden müsste.
Was tatsächlich passiert, ist harmloser und nicht wertlos: mehr Bitterstoffe, mehr Kalium, mehr
Flüssigkeit und ein Wildkraut mit ordentlicher Nährstoffdichte. Junge Löwenzahnblätter liefern
mehr Beta-Carotin als die meisten Salate.
Löwenzahn Nebenwirkungen — die Gegenanzeige bei Gallensteinen
Wie Artischocke und Rosmarin regt Löwenzahn den Gallefluss an. Bei bestehenden Gallensteinen kann
das eine Kolik auslösen — ein wandernder Stein im Gallengang ist ein Notfall.
Diese Einschränkung gilt für alle gallentreibenden Pflanzen und wird bei Tees und
Nahrungsergänzungsmitteln fast nie genannt. Wer weiß, dass er Steine hat, sollte sie kennen.
Löwenzahnkaffee aus der Wurzel
Geröstete Löwenzahnwurzel war in Kriegs- und Nachkriegszeiten ein verbreiteter Kaffeeersatz und
ist heute als Muckefuck-Variante wieder erhältlich.
Beim Rösten verschwinden die Bitterstoffe weitgehend, das Inulin bleibt. Was bleibt, ist ein
koffeinfreies Getränk mit präbiotischem Ballaststoff — und mit derselben Blähneigung, die Inulin
sonst auch hat.