VI · Pflanzenstoffe
Mutterkraut
auch: Tanacetum parthenium · Feverfew · Fieberkraut · Parthenolid · MIG-99
Die pflanzliche Migräneprophylaxe ohne Leberproblem — mit schwächerer Datenlage als die Pestwurz und einem eigenen Absetzphänomen.
Studienlage
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Was über Mutterkraut gesagt werden darf
Die Angaben zu diesem Stoff sind bei der EU-Kommission „on hold“. Sie sind weder zugelassen noch abgelehnt — die Bewertung pflanzlicher Stoffe ruht seit 2010. Werbeaussagen dazu sind rechtlich angreifbar.
Für Mutterkraut ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; die Botanical-Bewertung ruht seit 2010. Aussagen zur Migräne wären zudem krankheitsbezogen. Als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ist die Anwendung zur Vorbeugung von Migränekopfschmerzen anerkannt.
Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert
Was die Cochrane-Auswertung ergab
Der Review zur Migränevorbeugung fällt zurückhaltend aus: Über alle eingeschlossenen Studien ließ sich kein überzeugender Nutzen zeigen. Die einzelnen Arbeiten kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen, und ihre methodische Qualität war überwiegend schwach.
Eine Ausnahme bildet eine größere Studie mit dem stabilisierten Extrakt MIG-99, in der die Zahl der Migränetage gegenüber Placebo abnahm. Sie ist der Grund, warum Mutterkraut in der Diskussion bleibt.
Das Muster ist bekannt: Wo standardisierte Extrakte verwendet wurden, sahen die Ergebnisse besser aus als in Studien mit getrocknetem Kraut.
Warum die Zubereitung so entscheidet
Parthenolid, der mutmaßliche Wirkstoff, ist chemisch instabil und zerfällt bei Lagerung. Analysen von Handelsware haben wiederholt Präparate gefunden, in denen praktisch kein Parthenolid mehr enthalten war.
Ohne Angabe des Parthenolidgehalts ist ein Produkt deshalb nicht einzuordnen — und mit einiger Wahrscheinlichkeit wirkungslos.
Das Absetzphänomen
Nach längerer Einnahme kann ein plötzliches Beenden zu Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenksteifigkeit, Unruhe und Schlafstörungen führen. In der Literatur heißt das Post-Feverfew-Syndrom.
Es ist kein Zeichen einer Abhängigkeit im engeren Sinn, aber ein Grund, die Einnahme auszuschleichen statt abrupt zu beenden — und ein Hinweis darauf, dass die Pflanze mehr tut, als manche Studienlage vermuten lässt.
Die englische Tradition
In England wurde Mutterkraut jahrhundertelang gegen Kopfschmerzen gekaut — zwei bis drei frische Blätter täglich, meist in einem Butterbrot, weil sie sehr bitter sind.
Diese Anwendung hat eine typische Nebenwirkung: Aphthen und Reizungen der Mundschleimhaut, die bei einem erheblichen Teil der Anwender auftraten. Die Kapselform umgeht das.
Die Einordnung bei Migräne
Für die Prophylaxe gibt es wirksame und gut untersuchte Optionen, von Betablockern bis zu den CGRP-Antikörpern. Aus dieser Datenbank kommen Magnesium und hochdosiertes Riboflavin infrage, beide mit besserer Verträglichkeit als Wirkung.
Mutterkraut ist die pflanzliche Alternative für Menschen, die einen Versuch ohne die Leberfrage der Pestwurz machen wollen — mit standardisiertem Extrakt und einer Frist von drei Monaten, nach der ehrlich bilanziert wird.
Mutterkraut — welche Form ist die beste?
Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.
| Form | Aufnahme | Anmerkung |
|---|---|---|
| Stabilisierter CO2-Extrakt (MIG-99) | hoch | Der in der besten Studie verwendete Extrakt. Parthenolid ist instabil — die Standardisierung und Stabilisierung entscheidet über den tatsächlichen Gehalt. |
| Getrocknetes Mutterkraut | niedrig | Der Parthenolidgehalt sinkt bei Lagerung rasch. Untersuchungen fanden in Handelsware Gehalte nahe null. |
| Frische Blätter | mittel | Die traditionelle englische Anwendung — zwei bis drei Blätter täglich, oft in ein Butterbrot gelegt. Häufig kommt es dabei zu Mundschleimhautreizungen und Aphthen. |
Mutterkraut einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?
Empfohlener Zeitpunkt: Täglich zur gleichen Zeit. Am besten zusammen mit einer Mahlzeit.
Als Vorbeugung gedacht, nicht für den Migräneanfall. In Studien wurde über mindestens drei Monate eingenommen, bevor sich die Attackenhäufigkeit veränderte.
Mutterkraut Wechselwirkungen
Gerinnungshemmer
verstärktParthenolid hemmt die Blutplättchenverklumpung. Vor Operationen absetzen, unter Marcumar ärztlich abklären.
Korbblütlerallergie
VorsichtMutterkraut ist ein Korbblütler. Kreuzreaktionen mit Beifuß, Kamille und Arnika sind möglich.
Nichtsteroidale Entzündungshemmer
VorsichtBei Migräne häufig gleichzeitig im Einsatz. Ein Übergebrauch von Akutmedikamenten kann selbst Kopfschmerzen auslösen — ein Punkt, der bei jeder Prophylaxe mitzudenken ist.
Wer auf Mutterkraut besonders achten sollte
- Menschen mit häufiger Migräne, ergänzend zu den etablierten Prophylaxen
- Nicht geeignet in Schwangerschaft — Mutterkraut wirkt zusammenziehend auf die Gebärmutter
- Nicht geeignet bei Korbblütlerallergie
Häufige Fragen zu Mutterkraut
01Wann sollte man Mutterkraut einnehmen?
Täglich zur gleichen Zeit. Zu oder direkt nach einer Mahlzeit. Als Vorbeugung gedacht, nicht für den Migräneanfall. In Studien wurde über mindestens drei Monate eingenommen, bevor sich die Attackenhäufigkeit veränderte.
02Wie viel Mutterkraut am Tag?
In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 100–300 mg standardisierter Extrakt am Tag, entsprechend 0,2–0,6 mg Parthenolid.
03Wie viel Mutterkraut ist zu viel?
Die empfohlene Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel liegt bei Anwendung über mehrere Monate, danach Absetzversuch. HMPC-Monographie zu Tanaceti parthenii herba. Nach längerer Einnahme kann ein abruptes Absetzen zu Kopfschmerzen, Muskelsteifigkeit und Unruhe führen — das sogenannte Post-Feverfew-Syndrom. Ausschleichen statt abrupt beenden.
04Welche Wechselwirkungen hat Mutterkraut?
Zu beachten sind Gerinnungshemmer, Korbblütlerallergie und Nichtsteroidale Entzündungshemmer. Gerinnungshemmer: Parthenolid hemmt die Blutplättchenverklumpung. Vor Operationen absetzen, unter Marcumar ärztlich abklären. Korbblütlerallergie: Mutterkraut ist ein Korbblütler. Kreuzreaktionen mit Beifuß, Kamille und Arnika sind möglich. Nichtsteroidale Entzündungshemmer: Bei Migräne häufig gleichzeitig im Einsatz. Ein Übergebrauch von Akutmedikamenten kann selbst Kopfschmerzen auslösen — ein Punkt, der bei jeder Prophylaxe mitzudenken ist.
05Für wen ist Mutterkraut nicht geeignet?
Besondere Vorsicht gilt für: Menschen mit häufiger Migräne, ergänzend zu den etablierten Prophylaxen; Nicht geeignet in Schwangerschaft — Mutterkraut wirkt zusammenziehend auf die Gebärmutter; Nicht geeignet bei Korbblütlerallergie. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.
06Welche Form von Mutterkraut ist am besten?
Gut aufgenommen wird Stabilisierter CO2-Extrakt (MIG-99). Schlechter verfügbar ist Getrocknetes Mutterkraut. Zu Stabilisierter CO2-Extrakt (MIG-99): Der in der besten Studie verwendete Extrakt. Parthenolid ist instabil — die Standardisierung und Stabilisierung entscheidet über den tatsächlichen Gehalt.
07Womit darf für Mutterkraut geworben werden?
Nichts. Für Mutterkraut ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; die Botanical-Bewertung ruht seit 2010. Aussagen zur Migräne wären zudem krankheitsbezogen. Als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ist die Anwendung zur Vorbeugung von Migränekopfschmerzen anerkannt.
Belege
- 01 Feverfew for preventing migraine · Cochrane Database of Systematic Reviews · 2015
- 02 Community herbal monograph on Tanacetum parthenium (L.) Schultz Bip., herba · HMPC, Europäische Arzneimittel-Agentur
- 03 S1-Leitlinie Prophylaxe der Migräne · Deutsche Gesellschaft für Neurologie
Siehe auch
Andere Pflanzenstoffe
Wirkstoffbereiche
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Vitamine
Organische Verbindungen, die der Körper nicht oder nicht ausreichend selbst herstellt.
Mineralstoffe
Anorganische Nährstoffe, die der Körper in Mengen über 50 mg am Tag braucht.
Spurenelemente
Mineralstoffe, von denen der Körper täglich weniger als 50 mg benötigt.
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