Der Mechanismus ist elegant
Escherichia coli, der Hauptverursacher von Blasenentzündungen, haftet mit fadenförmigen Fortsätzen
an der Blasenschleimhaut. An deren Spitze sitzt ein Protein namens FimH, das an Mannosereste der
Schleimhautzellen bindet.
D-Mannose ist genau dieser Zucker. Wird sie in großer Menge zugeführt, gelangt sie fast
unverändert in den Urin und besetzt die Bindestellen der Bakterien. Was nicht haften kann, wird
beim nächsten Wasserlassen ausgespült.
Der Ansatz ist damit rein physikalisch — kein Antibiotikum, keine Resistenzentwicklung.
Die Studienlage hat sich geändert
Jahrelang stützte sich die Empfehlung auf eine kroatische Studie von 2014, in der 2 g D-Mannose
täglich Rückfälle ähnlich gut verhinderte wie eine antibiotische Dauerprophylaxe — bei weniger
Nebenwirkungen. Diese Arbeit hat den gesamten Markt getragen.
2024 erschien mit MERIT eine große britische Studie in der Primärversorgung: Über 600 Frauen mit
wiederkehrenden Harnwegsinfekten, sechs Monate D-Mannose oder Placebo. Ein Unterschied ließ sich
nicht zeigen.
Das ist ein deutlicher Dämpfer, und er trifft die bis dahin beste Grundlage. Ein Cochrane-Review
hatte die Evidenz schon zuvor als unzureichend eingestuft.
Was daraus folgt
D-Mannose ist gut verträglich, günstig und ohne Resistenzproblem. Wer sie versuchen möchte, tut
nichts Riskantes — nur sollte die Erwartung nach der MERIT-Studie nüchterner ausfallen als noch
vor wenigen Jahren.
Was unabhängig davon wirkt: ausreichend trinken, die Blase vollständig und regelmäßig entleeren,
nach dem Geschlechtsverkehr Wasser lassen. Für einzelne Gruppen kommen ärztlich verordnete
Maßnahmen infrage — lokale Östrogene nach den Wechseljahren oder eine Impfung.
Wann es nicht mehr um Vorbeugung geht
Ein akuter Infekt mit Fieber, Flankenschmerzen, Blut im Urin oder Beschwerden, die sich über zwei
bis drei Tage nicht bessern, gehört ärztlich behandelt.
Eine aufsteigende Nierenbeckenentzündung ist kein Fall für einen Zucker im Wasserglas — und die
Verzögerung ist das eigentliche Risiko dieser Produktgruppe.