Zum Inhalt springen

III · Spurenelemente

Germanium

auch: Ge · Germanium-132 · Ge-132 · Carboxyethylgermaniumsesquioxid · organisches Germanium

Kein Nährstoff, kein Claim, aber dokumentierte Todesfälle durch Nierenversagen — der klarste Fall in dieser Datenbank.

Studienlage

Einzelne Hinweise, überwiegend Labor- oder Tierversuche
Keine zugelassene Angabe

Was über Germanium gesagt werden darf

Für diesen Stoff ist keine gesundheitsbezogene Angabe in der Unionsliste eingetragen. Es darf nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung geworben werden.

Für Germanium steht keine gesundheitsbezogene Angabe in der Unionsliste, und es ist nicht als Mineralstoff für Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Die verbreiteten Werbeaussagen zu Immunsystem, Sauerstoffversorgung oder Krebs sind unzulässig — die letztgenannte zusätzlich nach dem Heilmittelwerberecht.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Warum dieser Eintrag überhaupt existiert

Germanium erfüllt kein Kriterium eines Nährstoffs: keine Funktion im Körper, kein Mangel, kein Referenzwert, keine Zulassung. Es steht hier, weil es weiterhin verkauft wird — als „Sauerstoffträger“, als Immunmittel, im Umfeld alternativer Krebsbehandlungen — und weil die Schäden gut dokumentiert sind.

Ein Nachschlagewerk, das nur die nützlichen Stoffe führt, wäre an dieser Stelle unvollständig.

Was in den 1980er Jahren geschah

In Japan kamen germaniumhaltige Präparate als Gesundheitsmittel in Mode. Innerhalb weniger Jahre häuften sich Berichte über schwere Nierenschäden bei Anwendern, die über Monate eingenommen hatten. Über dreißig Fälle wurden in der Fachliteratur beschrieben, darunter Todesfälle durch Nierenversagen.

Charakteristisch war der schleichende Verlauf: Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Muskelschwäche — Beschwerden, die leicht der Grunderkrankung zugeschrieben werden. Bis die Nierenfunktion messbar einbrach, waren oft sechs bis achtzehn Monate vergangen. Nach dem Absetzen erholte sich die Niere nur teilweise.

Die Ge-132-Legende

Die Anbieter reagierten mit einer Unterscheidung: Nicht Germanium sei das Problem, sondern nur das anorganische Germaniumdioxid. Das „organische“ Germanium-132 sei sicher.

Diese Trennung hält der Prüfung nicht stand. Es liegen auch nach Ge-132-Einnahme Berichte über Nierenschäden vor. Analysen fanden zudem in mehreren Ge-132-Produkten Verunreinigungen mit der anorganischen Form. Und selbst wenn die Trennung sauber wäre, bliebe die Frage unbeantwortet, wofür der Stoff eingenommen werden soll — eine Funktion hat er nicht.

Die behördliche Lage

In Deutschland ist kein germaniumhaltiges Präparat als Arzneimittel zugelassen. Von jeder Zufuhr über Präparate ist abzuraten. In der EU ist Germanium nicht in der Liste der zulässigen Mineralstoffe für Nahrungsergänzungsmittel enthalten; entsprechende Produkte sind hier nicht verkehrsfähig und stammen aus dem Versandhandel außerhalb der Union.

Der eigentliche Schaden

Am schwersten wiegt nicht die Nierentoxizität, sondern der Zusammenhang, in dem Germanium angeboten wird. Die Zielgruppe sind häufig schwer kranke Menschen, denen eine Alternative zur medizinischen Behandlung versprochen wird. Wer darauf eingeht, riskiert einen zweiten Schaden zusätzlich zur Erkrankung — und verliert Zeit, die in der Onkologie besonders zählt.

Germanium — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Germaniumdioxid (anorganisch) hoch Die Form, die in den 1980er Jahren zu Nierenversagen und Todesfällen führte. Reichert sich in der Niere an.
Germanium-132 (Carboxyethylgermaniumsesquioxid) hoch Als „organisches“ und angeblich sicheres Germanium beworben. Auch nach Einnahme dieser Form sind Nierenschäden berichtet worden — teils durch Verunreinigung mit der anorganischen Form, teils unabhängig davon.
Germanium aus Lebensmitteln mittel In Spuren in Getreide, Gemüse und Ginseng. Diese Mengen sind unbedenklich und ohne bekannte Funktion.

Germanium einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: Nicht anzuwenden. Unabhängig von einer Mahlzeit.

Es gibt keine Anwendungsempfehlung, weil es keinen Anwendungsgrund gibt. Wer ein germaniumhaltiges Präparat besitzt, sollte die Einnahme beenden und bei bereits längerer Anwendung die Nierenwerte prüfen lassen.

Germanium Wechselwirkungen

Eingeschränkte Nierenfunktion

Vorsicht

Germanium wird über die Niere ausgeschieden und lagert sich dort ab. Eine Vorschädigung erhöht das Risiko erheblich.

Nierenschädigende Medikamente

verstärkt

Zusammen mit NSAR, bestimmten Antibiotika oder Kontrastmitteln addiert sich die Belastung.

Wer auf Germanium besonders achten sollte

  • Niemand hat einen Nutzen von einer Zufuhr
  • Besonders gefährdet sind Menschen mit vorbestehender Nierenschwäche und ältere Menschen
  • Betroffen sind in der Praxis vor allem Menschen mit schweren Erkrankungen, denen Germanium als alternative Behandlung angeboten wird

Mangel an Germanium — Symptome und Anzeichen

  • Kein Mangelzustand, weil keine Körperfunktion bekannt ist

Diese Zeichen sind unspezifisch und können viele andere Ursachen haben. Sie ersetzen keine Diagnose.

Germanium in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Weizenkleie Spuren im Mikrogrammbereich je 100 g
Gemüse und Hülsenfrüchte Spuren
Ginsengwurzel Spuren — Ursprung der Legende vom „Heilelement“

Häufige Fragen zu Germanium

01Wann sollte man Germanium einnehmen?

Nicht anzuwenden. Auf nüchternen Magen, mit Abstand zu den Mahlzeiten. Es gibt keine Anwendungsempfehlung, weil es keinen Anwendungsgrund gibt. Wer ein germaniumhaltiges Präparat besitzt, sollte die Einnahme beenden und bei bereits längerer Anwendung die Nierenwerte prüfen lassen.

02Wie viel Germanium am Tag?

Kein Referenzwert; Germanium ist beim Menschen nicht essenziell und hat keine bekannte Körperfunktion. Die Zufuhr über Lebensmittel liegt bei 0,4–1,5 mg am Tag. Keine. Germanium ist in der EU nicht als Nährstoffquelle für Nahrungsergänzungsmittel zugelassen.

03Wie viel Germanium ist zu viel?

Von jeder Zufuhr über Präparate ist abzuraten. Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II (Germanium ist nicht als Nährstoffquelle zugelassen); Nierenschäden sind in der Fachliteratur beschrieben. Dokumentiert sind über dreißig Fälle schwerer Nierenschäden nach längerer Einnahme, darunter Todesfälle. Die Schädigung entwickelt sich schleichend über Monate und ist häufig nicht vollständig rückbildungsfähig.

04Welche Wechselwirkungen hat Germanium?

Zu beachten sind Eingeschränkte Nierenfunktion und Nierenschädigende Medikamente. Eingeschränkte Nierenfunktion: Germanium wird über die Niere ausgeschieden und lagert sich dort ab. Eine Vorschädigung erhöht das Risiko erheblich. Nierenschädigende Medikamente: Zusammen mit NSAR, bestimmten Antibiotika oder Kontrastmitteln addiert sich die Belastung.

05Für wen ist Germanium nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Niemand hat einen Nutzen von einer Zufuhr; Besonders gefährdet sind Menschen mit vorbestehender Nierenschwäche und ältere Menschen; Betroffen sind in der Praxis vor allem Menschen mit schweren Erkrankungen, denen Germanium als alternative Behandlung angeboten wird. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06Woran erkennt man einen Germanium-Mangel?

Mögliche Anzeichen sind Kein Mangelzustand, weil keine Körperfunktion bekannt ist. Keines davon ist für sich beweisend — Sicherheit gibt erst die Messung im Blut.

07In welchen Lebensmitteln steckt Germanium?

Gute Quellen sind Weizenkleie (Spuren im Mikrogrammbereich je 100 g), Gemüse und Hülsenfrüchte (Spuren) und Ginsengwurzel (Spuren — Ursprung der Legende vom „Heilelement“).

08Welche Form von Germanium ist am besten?

Gut aufgenommen werden Germaniumdioxid (anorganisch) und Germanium-132 (Carboxyethylgermaniumsesquioxid). Zu Germaniumdioxid (anorganisch): Die Form, die in den 1980er Jahren zu Nierenversagen und Todesfällen führte. Reichert sich in der Niere an.

09Womit darf für Germanium geworben werden?

Nichts. Für Germanium steht keine gesundheitsbezogene Angabe in der Unionsliste, und es ist nicht als Mineralstoff für Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Die verbreiteten Werbeaussagen zu Immunsystem, Sauerstoffversorgung oder Krebs sind unzulässig — die letztgenannte zusätzlich nach dem Heilmittelwerberecht.

Belege

  1. 01 Germanium-induced nephrotoxicity — review of reported cases · Renal Failure
  2. 02 Richtlinie 2002/46/EG über Nahrungsergänzungsmittel — Anhang II · Europäische Kommission

Siehe auch

Andere Spurenelemente

Alle Spurenelemente ansehen

Wirkstoffbereiche

Die Datenbank weiterlesen

Zur ganzen Datenbank