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VI · Pflanzenstoffe

Granatapfel

auch: Punica granatum · Punicalagine · Ellagsäure · Urolithin A

Der Polyphenol-Star unter den Früchten — dessen wichtigster Wirkstoff erst im Darm entsteht, und nur bei manchen Menschen.

Studienlage

Mehrere kontrollierte Studien, Bild noch nicht geschlossen

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Bewertung ausgesetzt

Was über Granatapfel gesagt werden darf

Die Angaben zu diesem Stoff sind bei der EU-Kommission „on hold“. Sie sind weder zugelassen noch abgelehnt — die Bewertung pflanzlicher Stoffe ruht seit 2010. Werbeaussagen dazu sind rechtlich angreifbar.

Für Granatapfel ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; die Botanical-Bewertung ruht seit 2010. Aussagen zu Prostata, Herz-Kreislauf oder Zellschutz sind nicht gedeckt. Für Urolithin A besteht eine Novel-Food-Zulassung als eigenständige Zutat.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Der Wirkstoff entsteht erst im Darm

Granatapfel enthält Punicalagine, große Polyphenolmoleküle, die kaum aufgenommen werden. Was im Blut ankommt, ist etwas anderes: Darmbakterien bauen sie zu Urolithinen um, allen voran Urolithin A.

Diesem Molekül gilt das aktuelle Forschungsinteresse. Es fördert in Zellversuchen die Mitophagie — den Abbau beschädigter Mitochondrien —, was in der Alternsforschung als vielversprechend gilt.

Der Haken: Nicht jeder kann Urolithin A bilden. Je nach Zusammensetzung der Darmflora gelingt es etwa vierzig Prozent der Menschen gut, einem weiteren Teil kaum und einer Gruppe gar nicht.

Es ist dasselbe Muster wie bei den Isoflavonen und dem Equol — die Wirkung eines Lebensmittels hängt davon ab, welche Bakterien im Darm sitzen. Das erklärt einen Teil der widersprüchlichen Studienergebnisse.

Was am Menschen untersucht ist

Für den Blutdruck finden Metaanalysen eine leichte Senkung bei täglichem Konsum von Granatapfelsaft. Die Größenordnung entspricht dem, was andere polyphenolreiche Lebensmittel leisten.

Für die Prostata sorgten frühe kleine Studien für Aufsehen, in denen der PSA-Anstieg nach Behandlung langsamer verlief. Größere, kontrollierte Untersuchungen konnten das nicht bestätigen.

Zugelassene Angaben gibt es für keine dieser Wirkungen. Für Urolithin A als isolierte Zutat besteht eine Novel-Food-Zulassung — was die Verkehrsfähigkeit regelt, nicht die Wirksamkeit.

Die Grapefruit-Verwandtschaft

Granatapfelsaft hemmt wie Grapefruitsaft das Enzym CYP3A4 in Darmwand und Leber, wenn auch schwächer. Für Statine und einzelne weitere Wirkstoffe sind dadurch erhöhte Blutspiegel beschrieben.

Wer täglich ein großes Glas trinkt und dauerhaft Medikamente einnimmt, sollte das ansprechen. Für gelegentlichen Genuss gilt das nicht.

Wo die Polyphenole sitzen

Nicht in den saftigen Samenmänteln, die man isst, sondern in der Schale und den weißen Trennwänden. Deshalb enthält gepresster Saft aus der ganzen Frucht mehr davon als die Kerne allein.

Das ist einer der wenigen Fälle, in denen der Saft dem ganzen Obst überlegen ist — mit dem üblichen Vorbehalt: Er liefert auch den Fruchtzucker ohne den Ballaststoff.

Granatapfel — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Granatapfelsaft (Direktsaft) hoch Die Form aus den meisten Studien. Enthält Punicalagine aus der Schale, die beim Pressen der ganzen Frucht mit übergehen.
Granatapfelextrakt hoch Auf Punicalagine oder Ellagsäure standardisiert, ohne Fruchtzucker. Die Standardisierung sollte deklariert sein.
Urolithin A hoch Das eigentliche Wirkmolekül, biotechnologisch hergestellt und als neuartiges Lebensmittel zugelassen. Umgeht die Frage, ob die eigene Darmflora es bilden kann.
Kerne der Frucht mittel Die essbaren Samenmäntel enthalten weniger Polyphenole als die weißen Trennwände und die Schale, die man üblicherweise wegwirft.

Granatapfel Wechselwirkungen

CYP3A4-Substrate

hemmt

Granatapfelsaft hemmt Abbauenzyme der Leber. Für Statine und einzelne weitere Wirkstoffe sind erhöhte Spiegel beschrieben.

Blutdrucksenker

verstärkt

Eine leichte zusätzliche Senkung ist in Metaanalysen beschrieben.

Gerinnungshemmer

Vorsicht

Einzelne Fallberichte über INR-Veränderungen unter Cumarintherapie liegen vor.

Wer auf Granatapfel besonders achten sollte

  • Menschen mit leicht erhöhtem Blutdruck, als Teil einer gemüse- und obstreichen Ernährung
  • Vorsicht bei Dauermedikation über CYP3A4
  • Bei Diabetes den Zuckergehalt des Safts mitrechnen

Granatapfel in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Granatapfelsaft 1.500–2.500 mg Polyphenole je Liter
Granatapfelkerne geringerer Polyphenolgehalt als der Saft aus der ganzen Frucht

Häufige Fragen zu Granatapfel

01Wann sollte man Granatapfel einnehmen?

Täglich, zu den Mahlzeiten. In Studien wurde über vier bis zwölf Wochen täglich getrunken. Wer Medikamente einnimmt, sollte den Saft nicht in großen Mengen dazu trinken — die Enzymhemmung ist real, wenn auch schwächer als bei Grapefruit.

02Wie viel Granatapfel am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 200–300 ml Granatapfelsaft am Tag oder entsprechende Extrakte.

03Wie viel Granatapfel ist zu viel?

Keine Obergrenze festgelegt. EFSA; Granatapfel ist ein traditionelles Lebensmittel. Granatapfelsaft hemmt wie Grapefruit Abbauenzyme der Leber, wenn auch schwächer. Bei Dauermedikation ist das zu bedenken. Die Wurzelrinde ist dagegen giftig und war früher ein Wurmmittel.

04Welche Wechselwirkungen hat Granatapfel?

Zu beachten sind CYP3A4-Substrate, Blutdrucksenker und Gerinnungshemmer. CYP3A4-Substrate: Granatapfelsaft hemmt Abbauenzyme der Leber. Für Statine und einzelne weitere Wirkstoffe sind erhöhte Spiegel beschrieben. Blutdrucksenker: Eine leichte zusätzliche Senkung ist in Metaanalysen beschrieben. Gerinnungshemmer: Einzelne Fallberichte über INR-Veränderungen unter Cumarintherapie liegen vor.

05Für wen ist Granatapfel nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Menschen mit leicht erhöhtem Blutdruck, als Teil einer gemüse- und obstreichen Ernährung; Vorsicht bei Dauermedikation über CYP3A4; Bei Diabetes den Zuckergehalt des Safts mitrechnen. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06In welchen Lebensmitteln steckt Granatapfel?

Gute Quellen sind Granatapfelsaft (1.500–2.500 mg Polyphenole je Liter) und Granatapfelkerne (geringerer Polyphenolgehalt als der Saft aus der ganzen Frucht).

07Welche Form von Granatapfel ist am besten?

Gut aufgenommen werden Granatapfelsaft (Direktsaft), Granatapfelextrakt und Urolithin A. Zu Granatapfelsaft (Direktsaft): Die Form aus den meisten Studien. Enthält Punicalagine aus der Schale, die beim Pressen der ganzen Frucht mit übergehen.

08Womit darf für Granatapfel geworben werden?

Nichts. Für Granatapfel ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; die Botanical-Bewertung ruht seit 2010. Aussagen zu Prostata, Herz-Kreislauf oder Zellschutz sind nicht gedeckt. Für Urolithin A besteht eine Novel-Food-Zulassung als eigenständige Zutat.

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Belege

  1. 01 Pomegranate juice and blood pressure — meta-analysis of randomized controlled trials · Pharmacological Research
  2. 02 Urolithin A production by the gut microbiota — metabotypes and variability · Journal of Agricultural and Food Chemistry
  3. 03 Durchführungsverordnung zur Zulassung von Urolithin A als neuartiges Lebensmittel · Europäische Kommission

Siehe auch

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