Die bekannte und die unbekannte Seite
Hopfen kennt jeder aus dem Bier und aus Beruhigungstees. Was kaum jemand weiß: Er enthält mit
8-Prenylnaringenin das stärkste bislang beschriebene pflanzliche Östrogen — um Größenordnungen
wirksamer als die Isoflavone aus Soja.
Historisch fiel das bei Hopfenpflückerinnen auf, deren Zyklus sich während der Erntewochen
veränderte. Heute ist die Substanz Gegenstand der Forschung zu Wechseljahresbeschwerden.
Für die Praxis heißt das: Ein Hopfenextrakt ist nicht das harmlose Beiwerk in der
Einschlafmischung, als das er wahrgenommen wird. Bei hormonabhängigen Erkrankungen gehört er
nicht ins Regal.
Was zur beruhigenden Wirkung bekannt ist
Der HMPC hat Hopfen als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei leichter nervöser Anspannung
und Einschlafstörungen eingestuft. Die Wirkung wird dem Abbauprodukt 2-Methyl-3-buten-2-ol
zugeschrieben, das sich beim Lagern der Zapfen bildet.
Studien mit Hopfen allein sind selten. Die vorliegenden Untersuchungen betreffen fast immer die
Kombination mit Baldrian, die bei Einschlafstörungen mäßige Effekte zeigte. Der Beitrag des
Hopfens lässt sich daraus nicht herauslösen.
Und das Feierabendbier?
Der beruhigende Effekt eines Bieres stammt vom Alkohol, nicht vom Hopfen — die Prenylflavonoide
sind darin nur in Spuren enthalten. Und Alkohol verschlechtert den Schlaf in der zweiten
Nachthälfte zuverlässig: Man schläft schneller ein und wacht häufiger auf.
Wer wegen des Schlafs zum Bier greift, tauscht das Einschlafen gegen die Schlafqualität ein. Als
Hilfe taugt das nicht, auch wenn die Zutat dieselbe Pflanze ist.
Ein Wort zu Xanthohumol
Der zweite viel beworbene Hopfeninhaltsstoff wird mit Zellversuchen zu Stoffwechsel und
Zellschutz vermarktet. Am Menschen ist er kaum untersucht, und seine Aufnahme ist gering. Für
gesundheitsbezogene Erwartungen gibt es hier keine Grundlage.