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VI · Pflanzenstoffe

Mönchspfeffer

auch: Vitex agnus-castus · Keuschlamm · Agnus castus · Agni casti fructus

Wirkt über den Prolaktinspiegel und damit ins Hormonsystem — als Arzneimittel zugelassen, als Nahrungsergänzung ohne Aussagegenehmigung.

Studienlage

Mehrere kontrollierte Studien, Bild noch nicht geschlossen

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Bewertung ausgesetzt

Was über Mönchspfeffer gesagt werden darf

Die Angaben zu diesem Stoff sind bei der EU-Kommission „on hold“. Sie sind weder zugelassen noch abgelehnt — die Bewertung pflanzlicher Stoffe ruht seit 2010. Werbeaussagen dazu sind rechtlich angreifbar.

Für Mönchspfeffer ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; die Botanical-Bewertung ruht seit 2010. Aussagen zu Zyklusbeschwerden, prämenstruellem Syndrom oder Brustspannen wären zudem krankheitsbezogen und für Lebensmittel generell verboten. Als Arzneimittel darf mit genau diesen Anwendungsgebieten geworben werden.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Mönchspfeffer Wirkung — ein Pflanzenstoff, der tatsächlich ins Hormonsystem greift

Mönchspfeffer enthält Diterpene, die an Dopaminrezeptoren der Hirnanhangsdrüse binden. Dopamin ist der natürliche Bremser der Prolaktinausschüttung — mehr dopaminerge Wirkung bedeutet also weniger Prolaktin.

Ein erhöhter Prolaktinspiegel steht mit Brustspannen, Zyklusunregelmäßigkeiten und einer verkürzten zweiten Zyklushälfte in Verbindung. Genau dort setzen die zugelassenen Arzneimittel an, und genau deshalb ist Mönchspfeffer kein harmloses Wohlfühlkraut: Er verändert messbar einen Hormonspiegel.

Der Name stammt übrigens aus der Klostermedizin, wo die Früchte den Geschlechtstrieb dämpfen sollten. Für diese Wirkung gibt es keinen Beleg.

Was die Studien zu Mönchspfeffer zeigen

Für das prämenstruelle Syndrom liegen mehrere placebokontrollierte Studien vor, die über drei Zyklen eine Besserung von Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Kopfschmerz und Brustspannen fanden. Für einen Pflanzenextrakt ist das eine ordentliche Datenlage — sie hat zur Arzneimittelzulassung in Deutschland geführt.

Für die Mastodynie, also zyklusabhängiges Brustspannen, gilt Ähnliches. Bei unerfülltem Kinderwunsch mit Gelbkörperschwäche gibt es kleinere Arbeiten mit günstigen Hinweisen, die für eine Empfehlung nicht ausreichen.

Arzneimittel oder Nahrungsergänzung — die rechtliche Doppelrolle

Dieselbe Pflanze steht in der Apotheke als zugelassenes Arzneimittel mit Anwendungsgebiet — und im Drogeriemarkt als Nahrungsergänzungsmittel, das nichts davon sagen darf. Die Botanical-Bewertung der EFSA ruht seit 2010, und Zyklusbeschwerden sind ohnehin Krankheitsbezug.

Für Käuferinnen ist die Unterscheidung praktisch bedeutsam: Das Arzneimittel enthält einen geprüften, standardisierten Extrakt in der untersuchten Dosierung. Ein Fruchtpulver ohne Extraktangabe bildet das nicht ab.

Mönchspfeffer Nebenwirkungen — was vor der Einnahme geklärt sein sollte

Zyklusstörungen und Brustbeschwerden können viele Ursachen haben — von Schilddrüsenstörungen über ein Prolaktinom bis zu gynäkologischen Erkrankungen. Ein deutlich erhöhter Prolaktinwert gehört abgeklärt, nicht behandelt.

Wer nach ärztlicher Einordnung einen Versuch macht, sollte drei Monatszyklen einplanen und durchgehend einnehmen. Vorher lässt sich nicht beurteilen, ob es wirkt.

Mönchspfeffer — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Standardisierter Trockenextrakt hoch Die Form aus den zugelassenen Arzneimitteln und aus nahezu allen Studien. Auf Angabe des Droge-Extrakt-Verhältnisses achten.
Fruchtpulver niedrig Nicht aufkonzentriert und in der Wirkstoffmenge kaum kalkulierbar. In Nahrungsergänzungsmitteln die übliche, aber schwächere Variante.
Tinktur mittel Alkoholischer Auszug, traditionell verwendet. Dosierung schwerer zu steuern als beim Trockenextrakt.

Mönchspfeffer Wechselwirkungen

Dopaminantagonisten (Metoclopramid, Antipsychotika)

hemmt

Mönchspfeffer wirkt dopaminerg und damit gegenläufig. Die Wirkung beider Seiten kann sich aufheben.

Orale Verhütungsmittel und Hormonersatztherapie

Vorsicht

Ein Eingriff in den Hormonhaushalt ist der Wirkmechanismus. Die Kombination gehört besprochen.

Hormonabhängige Tumoren

Vorsicht

Bei Brustkrebs und anderen hormonabhängigen Erkrankungen ist von der Anwendung abzuraten.

Kinderwunschbehandlung

Vorsicht

Bei künstlicher Befruchtung kann Mönchspfeffer die hormonelle Steuerung stören. Vor einer Behandlung absetzen.

Wer auf Mönchspfeffer besonders achten sollte

  • Frauen mit prämenstruellem Syndrom oder Brustspannen — die Anwendungsgebiete der zugelassenen Arzneimittel
  • Nicht geeignet in Schwangerschaft und Stillzeit — Mönchspfeffer kann den Milchfluss beeinflussen
  • Nicht geeignet bei Hypophysenerkrankungen und hormonabhängigen Tumoren

Häufige Fragen zu Mönchspfeffer

01Wann sollte man Mönchspfeffer einnehmen?

Morgens, durchgehend über den ganzen Zyklus. Auf nüchternen Magen, mit Abstand zu den Mahlzeiten. Die Wirkung setzt langsam ein — Studien werteten nach drei Monatszyklen aus. Eine Anwendung nur in der zweiten Zyklushälfte entspricht nicht dem untersuchten Vorgehen.

02Wie viel Mönchspfeffer am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 4–20 mg Trockenextrakt am Tag, je nach Extraktverhältnis.

03Wie viel Mönchspfeffer ist zu viel?

Keine EU-weite Obergrenze; die Dosierung richtet sich nach dem jeweiligen Extrakt. HMPC-Monographie zu Agni casti fructus. Die Extraktangaben sind schwer vergleichbar, weil unterschiedliche Droge-Extrakt-Verhältnisse verwendet werden. 4 mg eines hochkonzentrierten Extrakts können mehr enthalten als 200 mg eines schwachen.

04Welche Wechselwirkungen hat Mönchspfeffer?

Zu beachten sind Dopaminantagonisten (Metoclopramid, Antipsychotika); Orale Verhütungsmittel und Hormonersatztherapie; Hormonabhängige Tumoren; Kinderwunschbehandlung. Dopaminantagonisten (Metoclopramid, Antipsychotika): Mönchspfeffer wirkt dopaminerg und damit gegenläufig. Die Wirkung beider Seiten kann sich aufheben. Orale Verhütungsmittel und Hormonersatztherapie: Ein Eingriff in den Hormonhaushalt ist der Wirkmechanismus. Die Kombination gehört besprochen. Hormonabhängige Tumoren: Bei Brustkrebs und anderen hormonabhängigen Erkrankungen ist von der Anwendung abzuraten.

05Für wen ist Mönchspfeffer nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Frauen mit prämenstruellem Syndrom oder Brustspannen — die Anwendungsgebiete der zugelassenen Arzneimittel; Nicht geeignet in Schwangerschaft und Stillzeit — Mönchspfeffer kann den Milchfluss beeinflussen; Nicht geeignet bei Hypophysenerkrankungen und hormonabhängigen Tumoren. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06Welche Form von Mönchspfeffer ist am besten?

Gut aufgenommen wird Standardisierter Trockenextrakt. Schlechter verfügbar ist Fruchtpulver. Zu Standardisierter Trockenextrakt: Die Form aus den zugelassenen Arzneimitteln und aus nahezu allen Studien. Auf Angabe des Droge-Extrakt-Verhältnisses achten.

07Womit darf für Mönchspfeffer geworben werden?

Nichts. Für Mönchspfeffer ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; die Botanical-Bewertung ruht seit 2010. Aussagen zu Zyklusbeschwerden, prämenstruellem Syndrom oder Brustspannen wären zudem krankheitsbezogen und für Lebensmittel generell verboten. Als Arzneimittel darf mit genau diesen Anwendungsgebieten geworben werden.

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Belege

  1. 01 Community herbal monograph on Vitex agnus-castus L., fructus · HMPC, Europäische Arzneimittel-Agentur
  2. 02 Vitex agnus-castus for premenstrual syndrome — systematic review · Planta Medica
  3. 03 Health-Claims-Verordnung — Liste der „on hold“-Angaben · Europäische Kommission

Siehe auch

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