VIII · Weitere Stoffe
Aspartam
auch: E 951 · Aspartame · NutraSweet · Canderel · Süßstoff
Der meistuntersuchte Süßstoff der Welt — 2023 von der Krebsagentur der WHO als möglicherweise krebserregend eingestuft, ohne dass sich der Grenzwert änderte.
Studienlage
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Was über Aspartam gesagt werden darf
Für diesen Stoff stehen gesundheitsbezogene Angaben in der Unionsliste (VO (EU) 432/2012). Sie dürfen im angegebenen Wortlaut verwendet werden.
- 01
„Der Verzehr von Lebensmitteln, die anstelle von Zucker Süßungsmittel enthalten, trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei“
Bedingung Zucker muss so ersetzt sein, dass die Lebensmittel den Zahnbelag-pH nicht unter 5,7 senken
- 02
„Der Verzehr von Lebensmitteln, die anstelle von Zucker Süßungsmittel enthalten, führt zu einem geringeren Blutzuckeranstieg als der Verzehr zuckerhaltiger Lebensmittel“
Bedingung Zucker muss in dem Lebensmittel durch Süßungsmittel ersetzt sein
Die beiden Angaben gelten allen zugelassenen Süßungsmitteln gleichermaßen. Aussagen zur Gewichtsabnahme sind nicht gedeckt — ein entsprechender Antrag wurde abgelehnt, weil ein Kalorienersatz allein keinen Gewichtsverlust belegt.
Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert
Die Schlagzeile von 2023 und was dahintersteckte
Im Juli 2023 stufte die Krebsforschungsagentur der WHO Aspartam als möglicherweise krebserregend für den Menschen ein — Gruppe 2B. Die Meldung ging um die Welt.
Am selben Tag veröffentlichte ein zweites WHO-Gremium, das für Zusatzstoffe zuständige JECFA, seine Bewertung: Der bisherige Tageshöchstwert von 40 mg je Kilogramm Körpergewicht bleibt unverändert.
Beides zusammen wirkt widersprüchlich, ist es aber nicht. Die beiden Gremien beantworten verschiedene Fragen.
Was Gruppe 2B bedeutet
Die IARC bewertet, ob ein Stoff grundsätzlich Krebs auslösen kann — nicht, ob er es bei üblicher Aufnahme tut. Gruppe 2B heißt: Es gibt begrenzte Hinweise, meist aus Tierversuchen oder methodisch schwachen Beobachtungsstudien.
In derselben Gruppe stehen Aloe-vera-Blattextrakt, eingelegtes asiatisches Gemüse und Handystrahlung. Rotes Fleisch und heiße Getränke über 65 Grad stehen in der strengeren Gruppe 2A, verarbeitetes Fleisch und Alkohol in Gruppe 1.
Die Menge ist der Punkt. Um den ADI zu überschreiten, müsste ein 70 Kilogramm schwerer Mensch täglich mehr als vierzehn Dosen Light-Limonade trinken — dauerhaft.
Der Hinweis, der wirklich zählt
Auf jedem aspartamhaltigen Erzeugnis steht der Satz, es enthalte eine Phenylalaninquelle. Das ist keine Vorsichtsformel, sondern lebenswichtig für Menschen mit Phenylketonurie.
Bei diesem angeborenen Enzymdefekt reichert sich Phenylalanin an und schädigt unbehandelt das Gehirn. Betroffene führen ein Leben lang eine streng eiweißarme Kost — und für sie ist die Kennzeichnung der einzige Weg, aspartamhaltige Produkte zuverlässig zu erkennen.
In Deutschland wird jedes Neugeborene darauf getestet.
Was Aspartam nicht leistet
Ein Antrag, mit Gewichtskontrolle zu werben, wurde abgelehnt. Der Grund ist einleuchtend: Weniger Kalorien in einem Getränk führen nur dann zu weniger Gewicht, wenn sie nicht anderswo wieder aufgenommen werden.
Beobachtungsstudien zu Süßstoffen und Körpergewicht sind widersprüchlich, und die WHO rät seit 2023 grundsätzlich davon ab, Süßstoffe zur Gewichtskontrolle einzusetzen — nicht wegen nachgewiesener Schäden, sondern weil der erhoffte Nutzen ausbleibt.
Die Einordnung
Aspartam ist einer der am gründlichsten untersuchten Zusatzstoffe überhaupt. Innerhalb der zugelassenen Mengen gilt es nach Bewertung von EFSA, JECFA und den nationalen Behörden als unbedenklich.
Was daraus folgt, ist unspektakulär: Light-Getränke sind gegenüber gezuckerten die zahnfreundlichere und blutzuckerneutrale Wahl. Sie sind kein Gesundheitsprodukt, und Wasser bleibt die bessere Antwort auf Durst.
Aspartam — welche Form ist die beste?
Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.
| Form | Aufnahme | Anmerkung |
|---|---|---|
| Aspartam (E 951) | hoch | Rund 200-mal süßer als Zucker. Nicht hitzestabil — beim Backen und langem Erhitzen zerfällt es und verliert die Süße. |
| Aspartam-Acesulfam-Salz (E 962) | hoch | Eine Verbindung beider Süßstoffe. Die Mischung schmeckt runder als jeder für sich. |
| Tafelsüße in Tabletten | hoch | Meist mit Laktose oder Natriumhydrogencarbonat als Träger. Für heiße Getränke geeignet, nicht zum Backen. |
Aspartam Wechselwirkungen
Phenylketonurie
VorsichtBei diesem angeborenen Stoffwechseldefekt kann Phenylalanin nicht abgebaut werden und schädigt das Gehirn. Deshalb ist der Hinweis auf die Phenylalaninquelle europaweit Pflicht.
Wer auf Aspartam besonders achten sollte
- Nicht bei Phenylketonurie
- Für Diabetiker geeignet, da blutzuckerneutral
- Für Kinder innerhalb des ADI unbedenklich, der bei geringem Körpergewicht aber schneller erreicht ist
Häufige Fragen zu Aspartam
01Wann sollte man Aspartam einnehmen?
Als Süßungsmittel nach Bedarf. Zu oder direkt nach einer Mahlzeit. Aspartam wird im Darm vollständig in Asparaginsäure, Phenylalanin und Methanol zerlegt — alle drei kommen auch in gewöhnlichen Lebensmitteln vor. Ein Glas Tomatensaft enthält mehr Methanol als eine Dose Light-Limonade.
02Wie viel Aspartam am Tag?
In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind ADI 40 mg je Kilogramm Körpergewicht am Tag.
03Wie viel Aspartam ist zu viel?
Die empfohlene Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel liegt bei 40 mg je kg Körpergewicht und Tag (ADI). EFSA-Neubewertung von Aspartam 2013. Für eine 70 kg schwere Person entspricht der ADI rund 2.800 mg — etwa 14 Dosen Light-Limonade täglich. Pflichtangabe auf jedem Erzeugnis: enthält eine Phenylalaninquelle.
04Welche Wechselwirkungen hat Aspartam?
Zu beachten sind Phenylketonurie. Phenylketonurie: Bei diesem angeborenen Stoffwechseldefekt kann Phenylalanin nicht abgebaut werden und schädigt das Gehirn. Deshalb ist der Hinweis auf die Phenylalaninquelle europaweit Pflicht.
05Für wen ist Aspartam nicht geeignet?
Besondere Vorsicht gilt für: Nicht bei Phenylketonurie; Für Diabetiker geeignet, da blutzuckerneutral; Für Kinder innerhalb des ADI unbedenklich, der bei geringem Körpergewicht aber schneller erreicht ist. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.
06Welche Form von Aspartam ist am besten?
Gut aufgenommen werden Aspartam (E 951), Aspartam-Acesulfam-Salz (E 962) und Tafelsüße in Tabletten. Zu Aspartam (E 951): Rund 200-mal süßer als Zucker. Nicht hitzestabil — beim Backen und langem Erhitzen zerfällt es und verliert die Süße.
07Womit darf für Aspartam geworben werden?
Zugelassen sind nach der Unionsliste unter anderem: „Der Verzehr von Lebensmitteln, die anstelle von Zucker Süßungsmittel enthalten, trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei“. Bedingung: Zucker muss so ersetzt sein, dass die Lebensmittel den Zahnbelag-pH nicht unter 5,7 senken. Insgesamt sind 2 Angaben zugelassen.
Belege
- 01 Scientific Opinion on the re-evaluation of aspartame (E 951) · Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit · 2013
- 02 IARC Monographs — evaluation of aspartame, Gruppe 2B · Internationale Krebsforschungsagentur der WHO · 2023
- 03 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 — Unionsliste zulässiger Angaben · Europäische Kommission · 2012
Siehe auch
Andere Weitere Stoffe
Wirkstoffbereiche
Die Datenbank weiterlesen
Vitamine
Organische Verbindungen, die der Körper nicht oder nicht ausreichend selbst herstellt.
Mineralstoffe
Anorganische Nährstoffe, die der Körper in Mengen über 50 mg am Tag braucht.
Spurenelemente
Mineralstoffe, von denen der Körper täglich weniger als 50 mg benötigt.
Fettsäuren
Bausteine der Nahrungsfette, darunter die essenziellen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.
Aminosäuren
Bausteine der Eiweiße, teils essenziell, teils vom Körper selbst herstellbar.
Pflanzenstoffe
Extrakte und Einzelstoffe aus Pflanzen. Für sie ist die Claim-Bewertung bis heute ausgesetzt.
Darmflora
Probiotische Kulturen und Ballaststoffe, die auf die Darmbesiedlung wirken.
Weitere Stoffe
Körpereigene Verbindungen und Strukturstoffe, die keiner der übrigen Gruppen zufallen.
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