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VIII · Weitere Stoffe

Stevia

auch: Steviolglycoside · E 960 · Stevia rebaudiana · Rebaudiosid A · Süßkraut

Das Süßungsmittel, das als Pflanze verkauft wird — zugelassen ist aber nur der isolierte Zusatzstoff.

Studienlage

Gut untersucht, überwiegend übereinstimmende Ergebnisse

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Wie wir bewerten
  1. I Wirkstoffsieger

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Zugelassene Angabe

Was über Stevia gesagt werden darf

Für diesen Stoff stehen gesundheitsbezogene Angaben in der Unionsliste (VO (EU) 432/2012). Sie dürfen im angegebenen Wortlaut verwendet werden.

  1. 01

    „Der Verzehr von Lebensmitteln, die anstelle von Zucker Süßungsmittel enthalten, trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei“

    Bedingung Zucker muss so ersetzt sein, dass die Lebensmittel den Zahnbelag-pH nicht unter 5,7 senken

  2. 02

    „Der Verzehr von Lebensmitteln, die anstelle von Zucker Süßungsmittel enthalten, führt zu einem geringeren Blutzuckeranstieg als der Verzehr zuckerhaltiger Lebensmittel“

    Bedingung Zucker muss in dem Lebensmittel durch Süßungsmittel ersetzt sein

Die Angaben gelten dem Ersatz von Zucker, nicht der Stevia-Pflanze. Werbung mit Blutdruck, Blutzuckersenkung oder gar einer Heilwirkung des Krauts ist nicht gedeckt — die entsprechenden Anträge wurden abgelehnt.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Die Pflanze, die nicht zugelassen ist

Stevia wird als natürliche Süße aus dem Blatt beworben. Zugelassen ist in der EU aber nicht das Blatt, sondern der daraus isolierte Zusatzstoff E 960 — ein hochgereinigtes Gemisch von Steviolglycosiden.

Getrocknete Stevia-Blätter oder Blattpulver als Lebensmittel zu verkaufen ist nicht erlaubt, weil für sie die Novel-Food-Zulassung fehlt. Wer sie im Handel findet, findet sie deshalb als Badezusatz, Zierpflanze oder Tee zur äußerlichen Anwendung deklariert — dieselbe Konstruktion wie beim CBD-Aromaöl.

Was in der Streudose ist

Steviolglycoside süßen zwei- bis dreihundertmal stärker als Zucker. Eine Streudose mit reinem Süßstoff wäre nicht dosierbar, deshalb wird gestreckt.

Der Füllstoff ist meist Erythrit oder Maltodextrin, häufig zu über fünfundneunzig Prozent. Bei Maltodextrin ist das bemerkenswert: Es hat einen höheren glykämischen Index als Haushaltszucker. In den kleinen verwendeten Mengen fällt das nicht ins Gewicht, aber die Vorstellung, hier etwas Reines zu kaufen, trifft nicht zu.

Der Geschmack und was die Industrie dagegen tut

Rebaudiosid A, das gängigste Einzelglycosid, hinterlässt einen lakritz- bis metallartigen Nachgeschmack, der vielen Menschen unangenehm ist.

Rebaudiosid M schmeckt deutlich näher am Zucker, kommt in der Pflanze aber nur in Spuren vor. Es wird deshalb fermentativ mit Hefen hergestellt — womit das Naturargument endgültig zur Marketingfrage wird.

Was die Angaben tatsächlich sagen

Die zugelassenen Aussagen betreffen den Ersatz von Zucker: weniger Karies, geringerer Blutzuckeranstieg. Beides gilt für jedes Süßungsmittel und ist kein Stevia-Verdienst.

Anträge, die dem Kraut darüber hinaus eine Wirkung zusprechen wollten — auf den Blutdruck oder den Zuckerstoffwechsel — sind gescheitert. Was in Studien mit hohen Dosen an isolierten Glycosiden untersucht wurde, hat mit dem Süßen des Kaffees nichts zu tun.

Die Einordnung

Als Zuckerersatz ist Stevia unbedenklich, zahnfreundlich und für Diabetiker geeignet. Es ist hitzestabil und damit auch zum Backen brauchbar, allerdings fehlt ihm das Volumen des Zuckers.

Was es nicht ist: gesünder, weil pflanzlich. Der Weg vom Blatt in die Dose führt durch mehrere Extraktions- und Reinigungsschritte — chemisch betrachtet ist E 960 ein Süßstoff wie andere auch.

Stevia — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Steviolglycoside (E 960) hoch Der isolierte Süßstoff, 200- bis 300-mal süßer als Zucker. Nur diese Form ist in der EU als Zusatzstoff zugelassen.
Rebaudiosid A hoch Das am häufigsten verwendete Einzelglycosid. Verantwortlich für den typischen lakritzartigen Nachgeschmack.
Rebaudiosid M hoch In der Pflanze nur in Spuren enthalten, deshalb fermentativ hergestellt. Schmeckt deutlich näher am Zucker, ist aber teurer.
Stevia-Blätter und Blattpulver unklar In der EU nicht als Lebensmittel zugelassen. Verkauft wird es als Badezusatz oder Zierpflanze — eine Umgehungskonstruktion wie bei CBD-Aromaölen.
Tafelsüße mit Stevia hoch Besteht meist zu über 95 Prozent aus Erythrit oder Maltodextrin als Füllstoff. Der Stevia-Anteil ist gering.

Stevia Wechselwirkungen

Blutdrucksenkende Mittel

Vorsicht

In hohen, therapeutisch gemeinten Dosen wurde eine blutdrucksenkende Wirkung untersucht. In den Mengen eines Süßungsmittels ist damit nicht zu rechnen.

Wer auf Stevia besonders achten sollte

  • Für Diabetiker geeignet, da der Blutzucker nicht steigt
  • Kinder erreichen den ADI bei hohem Getränkekonsum eher als Erwachsene
  • Bei Allergie gegen Korbblütler ist Vorsicht angebracht

Stevia in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Stevia rebaudiana (Blätter) 4–20 Prozent Steviolglycoside in der Trockenmasse

Häufige Fragen zu Stevia

01Wann sollte man Stevia einnehmen?

Als Süßungsmittel nach Bedarf. Zu oder direkt nach einer Mahlzeit. Steviolglycoside werden im Dickdarm von Bakterien zu Steviol gespalten, aufgenommen, in der Leber verarbeitet und über den Urin ausgeschieden. Sie liefern keine Kalorien und werden nicht im Körper angereichert.

02Wie viel Stevia am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind ADI 4 mg Stevioläquivalente je Kilogramm Körpergewicht am Tag.

03Wie viel Stevia ist zu viel?

Die empfohlene Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel liegt bei 4 mg Stevioläquivalente je kg Körpergewicht und Tag (ADI). EFSA-Bewertung der Steviolglycoside, Zulassung als Zusatzstoff E 960. Für eine 70 kg schwere Person entspricht der ADI rund 280 mg Steviolglycosiden — das ist die Süßkraft von etwa 80 g Zucker. Kinder erreichen den Wert bei hohem Konsum gesüßter Getränke eher.

04Welche Wechselwirkungen hat Stevia?

Zu beachten sind Blutdrucksenkende Mittel. Blutdrucksenkende Mittel: In hohen, therapeutisch gemeinten Dosen wurde eine blutdrucksenkende Wirkung untersucht. In den Mengen eines Süßungsmittels ist damit nicht zu rechnen.

05Für wen ist Stevia nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Für Diabetiker geeignet, da der Blutzucker nicht steigt; Kinder erreichen den ADI bei hohem Getränkekonsum eher als Erwachsene; Bei Allergie gegen Korbblütler ist Vorsicht angebracht. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06In welchen Lebensmitteln steckt Stevia?

Gute Quellen sind Stevia rebaudiana (Blätter) (4–20 Prozent Steviolglycoside in der Trockenmasse).

07Welche Form von Stevia ist am besten?

Gut aufgenommen werden Steviolglycoside (E 960), Rebaudiosid A, Rebaudiosid M und Tafelsüße mit Stevia. Zu Steviolglycoside (E 960): Der isolierte Süßstoff, 200- bis 300-mal süßer als Zucker. Nur diese Form ist in der EU als Zusatzstoff zugelassen.

08Womit darf für Stevia geworben werden?

Zugelassen sind nach der Unionsliste unter anderem: „Der Verzehr von Lebensmitteln, die anstelle von Zucker Süßungsmittel enthalten, trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei“. Bedingung: Zucker muss so ersetzt sein, dass die Lebensmittel den Zahnbelag-pH nicht unter 5,7 senken. Insgesamt sind 2 Angaben zugelassen.

Belege

  1. 01 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 — Unionsliste zulässiger Angaben · Europäische Kommission · 2012
  2. 02 Scientific Opinion on the safety of steviol glycosides · Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit
  3. 03 Verordnung (EU) Nr. 1131/2011 — Zulassung von Steviolglycosiden · Europäische Kommission · 2011

Siehe auch

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