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VIII · Weitere Stoffe

Saccharin

auch: E 954 · Süßstoff · Sacharin · Benzoesäuresulfimid

Der älteste Süßstoff der Welt — 1981 als krebsverdächtig gebrandmarkt, 2000 rehabilitiert.

Studienlage

Sehr gut belegt, von Fachgesellschaften anerkannt

Unsere Empfehlung

Drei Präparate mit Saccharin, drei Maßstäbe

Wie wir bewerten
  1. I Wirkstoffsieger

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  2. II Preis-Leistungs-Sieger

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Zugelassene Angabe

Was über Saccharin gesagt werden darf

Für diesen Stoff stehen gesundheitsbezogene Angaben in der Unionsliste (VO (EU) 432/2012). Sie dürfen im angegebenen Wortlaut verwendet werden.

  1. 01

    „Der Verzehr von Lebensmitteln, die anstelle von Zucker Süßungsmittel enthalten, trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei“

    Bedingung Zucker muss so ersetzt sein, dass die Lebensmittel den Zahnbelag-pH nicht unter 5,7 senken

  2. 02

    „Der Verzehr von Lebensmitteln, die anstelle von Zucker Süßungsmittel enthalten, führt zu einem geringeren Blutzuckeranstieg als der Verzehr zuckerhaltiger Lebensmittel“

    Bedingung Zucker muss in dem Lebensmittel durch Süßungsmittel ersetzt sein

Die Angaben gelten allen zugelassenen Süßungsmitteln gemeinsam. Werbung mit Gewichtsabnahme ist nicht gedeckt.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Ein Zufallsfund von 1879

Constantin Fahlberg arbeitete im Labor von Ira Remsen an Steinkohlenteerderivaten. Beim Abendessen fiel ihm auf, dass sein Brot süß schmeckte — er hatte sich die Hände nicht gewaschen.

Der Stoff, den er tags darauf identifizierte, war Saccharin. Fahlberg meldete ihn allein zum Patent an, was Remsen ihm bis an sein Lebensende übelnahm.

Saccharin ist damit der älteste künstliche Süßstoff und wurde in beiden Weltkriegen und in den Zuckerknappheiten danach in großem Umfang eingesetzt.

Die Krebsdebatte und ihre Auflösung

In den siebziger Jahren fanden kanadische Forscher bei Ratten, die lebenslang extrem hohe Saccharinmengen erhielten, vermehrt Blasentumoren. Die USA verlangten daraufhin ab 1977 einen Warnhinweis auf jeder Packung, und 1981 wurde Saccharin auf die nationale Krebsliste gesetzt.

Über zwei Jahrzehnte klärte sich der Mechanismus auf. Bei männlichen Ratten bildet Saccharin in sehr hoher Dosierung zusammen mit einem Eiweiß im Urin — Alpha-2u-Globulin — einen Niederschlag, der die Blasenwand mechanisch reizt. Aus der ständigen Reizung entsteht Krebs.

Dieses Eiweiß gibt es beim Menschen nicht. Der Weg, auf dem die Tumoren entstanden, existiert bei uns schlicht nicht.

Im Jahr 2000 wurde Saccharin von der US-Krebsliste gestrichen und der Warnhinweis aufgehoben. Die IARC hatte ihn bereits 1999 aus der Gruppe der möglicherweise krebserregenden Stoffe entlassen.

Warum der Fall lehrreich ist

Diese Datenbank verzeichnet mehrere Stoffe, die durch eine Krebsschlagzeile gegangen sind — Aspartam 2023, Mate, Sucralose.

Saccharin ist der einzige, bei dem der Vorgang vollständig durchgespielt wurde: Verdacht aus Tierversuchen, jahrzehntelange Warnung, Aufklärung des Mechanismus, Rücknahme.

Die Lehre daraus ist nicht, dass Warnungen grundsätzlich übertrieben sind. Sie lautet, dass die Frage nach dem Wie — über welchen Weg entsteht ein Schaden, und gibt es diesen Weg beim Menschen — mehr wert ist als die Frage, ob eine Studie einen Zusammenhang gefunden hat.

Der Geschmack

Saccharin schmeckt in höherer Konzentration metallisch-bitter. Das ist der Grund, warum es fast immer mit Cyclamat gemischt wird: Cyclamat süßt schwächer, aber sauber, und überdeckt die Bitterkeit.

Die klassischen Süßstofftabletten aus dem Kaffeespender enthalten deshalb beide.

Die Einordnung

Saccharin ist billig, unbegrenzt haltbar, hitze- und säurestabil und für Menschen mit Phenylketonurie geeignet. Es ist der unaufwendigste aller Süßstoffe.

Sein Ruf ist schlechter als seine Datenlage — und das ist bemerkenswert bei einem Stoff, den Menschen seit fast hundertfünfzig Jahren zu sich nehmen.

Saccharin — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Natrium-Saccharin (E 954) hoch 300- bis 500-mal süßer als Zucker, hitzestabil und praktisch unbegrenzt haltbar. Der metallisch-bittere Nachgeschmack ist sein bekanntester Nachteil.
Süßstofftabletten hoch Häufig als Mischung mit Cyclamat im Verhältnis 1 zu 10 — die Bitterkeit des einen gleicht die Süße des anderen aus.
Saccharin in Futtermitteln hoch In Ferkelfutter verbreitet, weil es den Übergang von der Muttermilch erleichtert. Der mengenmäßig größte Einsatzbereich.

Saccharin Wechselwirkungen

Darmflora

hemmt

Wie bei anderen Süßstoffen wurden in Tierversuchen Verschiebungen der Darmbakterien beschrieben. Die Bedeutung für den Menschen ist offen.

Wer auf Saccharin besonders achten sollte

  • Für Diabetiker geeignet, da blutzuckerneutral
  • Für Menschen mit Phenylketonurie geeignet — im Gegensatz zu Aspartam
  • Kinder erreichen den ADI wegen des geringen Körpergewichts eher

Häufige Fragen zu Saccharin

01Wann sollte man Saccharin einnehmen?

Als Süßungsmittel nach Bedarf. Zu oder direkt nach einer Mahlzeit. Hitzestabil und damit auch zum Backen geeignet. In sauren Getränken bleibt es über Monate stabil — ein Grund für seine Verwendung in Limonaden.

02Wie viel Saccharin am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind ADI 5 mg je Kilogramm Körpergewicht am Tag.

03Wie viel Saccharin ist zu viel?

Die empfohlene Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel liegt bei 5 mg je kg Körpergewicht und Tag (ADI). Bewertung des Wissenschaftlichen Lebensmittelausschusses, von der EFSA übernommen. Saccharin wird nicht verstoffwechselt und unverändert über die Nieren ausgeschieden. Der frühere Krebsverdacht beruhte auf einem Mechanismus, den es beim Menschen nicht gibt.

04Welche Wechselwirkungen hat Saccharin?

Zu beachten sind Darmflora. Darmflora: Wie bei anderen Süßstoffen wurden in Tierversuchen Verschiebungen der Darmbakterien beschrieben. Die Bedeutung für den Menschen ist offen.

05Für wen ist Saccharin nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Für Diabetiker geeignet, da blutzuckerneutral; Für Menschen mit Phenylketonurie geeignet — im Gegensatz zu Aspartam; Kinder erreichen den ADI wegen des geringen Körpergewichts eher. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06Welche Form von Saccharin ist am besten?

Gut aufgenommen werden Natrium-Saccharin (E 954), Süßstofftabletten und Saccharin in Futtermitteln. Zu Natrium-Saccharin (E 954): 300- bis 500-mal süßer als Zucker, hitzestabil und praktisch unbegrenzt haltbar. Der metallisch-bittere Nachgeschmack ist sein bekanntester Nachteil.

07Womit darf für Saccharin geworben werden?

Zugelassen sind nach der Unionsliste unter anderem: „Der Verzehr von Lebensmitteln, die anstelle von Zucker Süßungsmittel enthalten, trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei“. Bedingung: Zucker muss so ersetzt sein, dass die Lebensmittel den Zahnbelag-pH nicht unter 5,7 senken. Insgesamt sind 2 Angaben zugelassen.

Belege

  1. 01 Report on Carcinogens — Streichung von Saccharin · National Toxicology Program, USA · 2000
  2. 02 Opinion on saccharin and its sodium, potassium and calcium salts · Wissenschaftlicher Lebensmittelausschuss der Europäischen Kommission
  3. 03 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 — Unionsliste zulässiger Angaben · Europäische Kommission · 2012

Siehe auch

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